Panorama 29.05.2012, 00:01 Uhr

Von der Sissi zur Femme fatale

Sie war ein Weltstar des Kinos und das Vorbild einer Generation: Die drei Leben der Romy Schneider.

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        Romy Schneider als Kaiserin Elisabeth und Karlheinz Böhm als Kaiser Franz Joseph von Österreich

Romy Schneider als Kaiserin Elisabeth und Karlheinz Böhm als Kaiser Franz Joseph von Österreich

Von Helmut Hein, MZ

Paris. Hass-Liebe, so scheint es, ist das stärkste Gefühl. Oft in privaten Beziehungen. Fast immer im Rampenlicht der Medien, wenn ungebremste Fantasien und kühl kalkulierender Geschäftssinn, geheimste Wünsche und Ängste ein fatales Bündnis eingehen. Heftige Liebe kann rasch in noch heftigeren Hass umschlagen, vor allem wenn Frauen zu Projektionsflächen werden. Marlene Dietrich und Hildegard Knef mussten es erfahren: der Weg von der Diva zur Schlampe, vom Idol zur Verräterin ist kurz. Der Himmel rückhaltloser Verehrung und die Hölle wütender Verdammung liegen nah beieinander.

Aber die Dietrich war immer schon die Dietrich, die Knef die Knef. Ihr Delikt war „nur“ der Frontwechsel, die Kollaboration mit dem Feind. Bei Romy Schneider war die Hass-Liebe noch dramatischer, weil sie vor dem festen Bild flüchtete, dass sich so viele von ihr gemacht hatten; weil aus dem süßen Madl ganz ohne Schnitzler’sche Frivolität der „Sissi“-Trilogie mit einem Mal die ferne Femme fatale wurde, reizend in ihrer Unerreichbarkeit und bedrohlich in ihrer physischen Präsenz.

Ein Nachkriegsphänomen

Romy Schneider und die Hass-Liebe, die ihr entgegenschlug, lassen sich vermutlich nur als Nachkriegsphänomen halbwegs angemessen verstehen. Sie war der späte Spross der österreichischen Schauspieler-Dynastie Albach-Retty. Ihre Mutter Magda Schneider wurde zum gefeierten Ufa-Star. Noch 2008 setzte Magdas letzter Mann Horst Fehlhaber vor Gericht durch, dass einige Passagen von Olaf Kraemers Romy-Schneider-Roman „Ende einer Nacht“, in denen von der persönlichen Nähe ihrer Mutter zu Hitler und seinem Regime die Rede ist, geschwärzt werden müssen. Und die junge Romy? War die personalisierte Märchen-Prinzessin-Unschuld in einem, bei allen Konflikten, idyllischen entpolitisierten Habsburger-Reich.


 

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