Diese „glühende Himmelsspinne“ fotografierte ein Lufthansa-Pilot 2009 über dem Nordatlantik. Sie war „groß wie zwei Flugzeugträger“, berichtete er beeindruckt. Werner Walter, der Ufo-Entlarver, fand jedoch heraus: Es handelte sich einfach nur um den Start eines russischen Militärsatelliten auf einer Sojus-Trägerrakete. Foto: dpa
Von Christian Satorius
Kinogänger wissen Bescheid: Sie sind mitten unter uns, die Außerirdischen oder „Aliens“, wie sie im gängigen Jargon genannt werden. Die meisten haben böse Absichten und müssen daher gejagt werden, wie aktuell gerade im Film „Men in Black“ zu besichtigen ist. So harmlos wie der heimwehkranke E.T. („E.T. nach Hause telefonieren“) sind die Eindringlinge in der Welt der Phantasie nur selten. Und wie sieht es in der Realität aus?
„Herzliche Grüße an alle!“ Das ist die freundliche, deutsche Botschaft an alle außerirdischen Zivilisationen, die sich 1977 mit den US-Raumsonden Voyager 1 und Voyager 2 auf den Weg ins All macht. Insgesamt gehen Grüße in 55 verschiedenen Sprachen – unter anderem in Akkadisch, der 6000 Jahre alten Sprache der Sumerer – zusammen mit Tönen (darunter Walgesänge und Windgeräusche), Musik (zum Beispiel von Mozart und Beethoven) und Bildern (unter anderem der Aufbau des menschlichen Körpers) verewigt auf einer vergoldeten Kupferdatenplatte, der legendären Golden Record, auf die Reise ins Weltall. Eine Anleitung zum Abspielen der Platte ist praktischerweise auch mit dabei.
Raumsonden auf Kontaktsuche
im Weltall
Damit aber nicht genug: Die beiden Voyager-Raumsonden senden von da an regelmäßig Daten an die Wissenschaftler auf der Erde zurück. Bis zum 22. April 2010. Nach über 14 Milliarden zurückgelegten Kilometern verändert sich plötzlich das Signal, das Voyager 2 überträgt. Aber ist das auch der lang ersehnte Kontakt mit einer außerirdischen Zivilisation? Nein – lediglich ein Computerproblem, dass schon bald behoben werden kann. Am 24.Mai 2010 gibt die NASA die Meldung heraus: „Seit dem 23. Mai überträgt die Sonde die wissenschaftlichen Daten wieder in gewohnter Weise zur Erde.“ Das ist auch schon alles.
In der Öffentlichkeit bekommt kaum jemand etwas von dem ganzen Vorfall mit. Wie sich die Zeiten doch ändern. Vor allem in den 1950er bis 1970er Jahren vergeht kaum ein Monat, an dem keine neuen Ufo-Sichtungen mitsamt Fotos durch die Schlagzeilen geistern. Aliens scheinen allgegenwärtig zu sein. Und heute? Wo sind eigentlich all die Außerirdischen geblieben?
Der Gedanke, dass wir nicht allein im Universum sind, ist alt. Schon im 4.Jahrhundert vor Christus ist der griechische Philosoph Metrodoros von Chios überzeugt, dass die Erde keinesfalls die einzige belebte Welt ist. Schon bald überlegen die ersten Gelehrten, wie denn wohl die Bewohner dieser anderen Welten aussehen mögen. Der Grieche Plutarch etwa hat 500 Jahre später schon recht konkrete Vorstellungen von den Mondbewohnern, die er Seleniten nennt. Gerade der Mond steht schon früh im Fokus der wildesten Spekulationen, nicht zuletzt deshalb, weil er von der Erde aus mit bloßem Auge zu sehen ist.
Ein regelrechter Boom mit Mutmaßungen über Außerirdische und ihre Absichten setzt zu Beginn des 20. Jahrhunderts ein. Jules Verne versteht es zu dieser Zeit hervorragend, seine Leser mit einer gekonnten Mischung aus Fakten und Fiktionen zu verwirren: Wo endet die Erfindung, wo beginnt die Realität? Eine Frage, mit der auch Orson Welles am 30. Oktober 1938 für Verwirrung sorgt. Seine Radioreportage über den fiktiven „Krieg der Welten“ (nach dem Besteller H. G. Wells’ von 1898) wird von einigen Amerikanern für wahr genommen und löst mehr als nur Beunruhigung aus.
Bereits am 30. Juni 1908 ereignet sich in Sibirien ein mysteriöserer Vorfall. In der Nähe des Flusses „Steinige Tunguska“ werden Abertausende von Bäumen entwurzelt und umgeworfen und zwar auf einer Fläche von ganzen 2000 Quadratkilometern. Bis heute hat man nicht zweifelsfrei klären können, was da geschehen ist. Während Wissenschaftler von einem Meteoriteneinschlag ausgehen, deuten Esoteriker den Vorfall schnell als Absturz eines Ufos – eines unbekannten Flugobjekts beziehungsweise unidentifizierten fliegenden Objekts (unidentified flying object). Allerdings gibt es dafür keinerlei Anhaltspunkte, die seriösen wissenschaftlichen Überprüfungen standhalten würden.
Kurz nach dem Zweiten Weltkrieg ereignen sich mehrere sonderbare Vorfälle. Vor genau 65 Jahren wird der Begriff „fliegende Untertassen“ geprägt, als ein Hobbypilot in der Nähe des Mount Rainier bei Seattle an neun glitzernden, sichelförmigen Objekten vorbeifliegt – und davon einem Reporter erzählt. Und am 14. Juni 1947 findet der US-amerikanische Farmer Mac Brazel auf einer seiner Farmen seltsame Trümmerteile – die sein Sohn Bill für Überreste eines Wetterballons hält – und meldet seinen Fund den örtlichen Behörden. Die verstricken sich nach der Bergung in Widersprüche und schon ist die Legende vom Roswell-Zwischenfall geboren. Damals wie heute ist es nahezu unmöglich, Wahrheit und Fiktion zu trennen: Von Militärs, die öffentlich über „fliegende Scheiben“ sprechen, bis hin zu Autopsieärzten, die Außerirdische auf dem Seziertisch gehabt haben wollen, ist so ziemlich alles mit dabei. Beweisen lässt sich weder der Absturz eines Ufos noch die Anwesenheit von Aliens.
Dennoch ist die US-Regierung damals alarmiert und gibt offizielle Untersuchungen in Auftrag: Mit mehreren Tausend derartigen Vorfällen und angeblichen Sichtungen von Ufos beschäftigen sich das „Project Sign“ in der Zeit von 1947 bis 1949 und deren Nachfolger „Project Grudge“ und „Project Blue Book“. Letzteres wird im Dezember 1969 eingestellt. Bis dahin hat man ganze 12618 Vorfälle genauer untersucht und ist zu dem Ergebnis gekommen, dass sich die weitaus meisten mit Wolken, Flugzeugen, Wetterballonen, Lichtspiegelungen oder auch plumpen Fälschungen erklären lassen. 701 Vorfälle allerdings müssen offiziell „ungeklärt“ bleiben, zumeist allerdings nur, weil nicht genügend Informationen vorliegen.
Weitere US-Projekte dieser Art folgen bald darauf und auch andere Regierungen nehmen im Laufe der Zeit offizielle Untersuchungen auf. Kritiker hingegen glauben den offiziellen Verlautbarungen und selbst anerkannten Wissenschaftlern nicht immer. Erich von Däniken etwa wird durch seine kritische Haltung weltberühmt.
Was war die Ursache des legendären „Wow“-Signals?
Am 15. August 1977 macht aber auch die seriöse Forschung eine außergewöhnliche Entdeckung. Der Astrophysiker Jerry Ehmann zeichnet im Rahmen eines SETI-Projektes (SETI steht für „Search for Extraterrestrial Intelligence“, also die Suche nach außerirdischer Intelligenz, Zivilisation) das legendäre „Wow-Signal“ mit seinem Radioteleskop auf. Erstaunt über die hohe Intensität des aufgefangenen Signals verzeichnet Ehmann damals auf dem dokumentierenden Computerausdruck handschriftlich den Kommentar „Wow!“ – und gibt dem Vorfall einen Namen. Auf die Frage, ob es sich hier um ein Signal einer außerirdischen Zivilisation handeln könnte, sagt Ehmann: „Um darüber eine seriöse wissenschaftliche Aussage machen zu können, liegt nicht genügend Datenmaterial vor.“ Bis heute ist die Ursache des Signals nicht zweifelsfrei identifiziert worden.
Fortsetzung auf Seite 2Vor allem zu Zeiten des Kalten Krieges erleben die angeblichen Ufo-Sichtungen einen neuen Höhepunkt, der nicht zuletzt durch den Vorstoß ins All (Sputnik 1957, Mondlandung 1969, Space Shuttle 1981, Hubble-Weltraumteleskop 1990), aber auch durch geheime Militärprojekte, Kriegsängste und sogar durch – natürlich entstandene oder absichtlich gefälschte – Kornkreise befördert wird.Science-Fiction-Filme und zuletzt auch das Internet tragen ebenfalls ihren Teil dazu bei, dass die Außerirdischen bis heute nicht in Vergessenheit geraten sind. In der Folge von Filmen wie „Der Tag, an dem die Erde stillstand“ (1951), „Unheimliche Begegnung der dritten Art“ (1977), „Krieg der Sterne“ (1978), „Alien“ (1979), „E.T.“ (1982), „Akte X“ (Fernsehserie von 1993 bis 2002), „Independence Day“ (1996), „Men in Black“ (1997), „Signs – Zeichen“ (2002) und „District9“ (2009) häufen sich die Meldungen über Ufo-Sichtungen. Alle haben allerdings eines gemeinsam: Einer wissenschaftlichen Überprüfung halten sie nicht stand.Zahlreiche Regierungen haben ihre Untersuchungsergebnisse zum Thema veröffentlicht. Das ganz große Interesse an Ufos und Außerirdischen scheint sich inzwischen merklich abgekühlt zu haben, zumindest bei Otto Normalverbraucher. Astronomen und andere seriöse Wissenschaftler hingegen stellen sich heute nicht mehr die Frage, ob wir angesichts praktisch unzählbarer Himmelskörper eines Tages wohl Kontakt mit einer außerirdischen Lebensform aufnehmen werden. Sie fragen eher: Wann?