Panorama 18.06.2012, 13:23 Uhr

Sir Paul Mc Cartney wird 70

Mit den legendären Beatles erschuf Paul McCartney eine phantastische Welt. Zum 70. Geburtstag gratuliert die MZ mit einer Magical Mystery Tour.

Musik als Jungbrunnen: Sir Paul McCartney feiert am Montag 70. Geburtstag.

Musik als Jungbrunnen: Sir Paul McCartney feiert am Montag 70. Geburtstag.

Von Stefan Stark, MZ

Meine Magical Mystery Tour beginnt mit der Beatles-LP „Revolver“ – mein erstes im Alter von zwölf Jahren selbst gekauftes Musikalbum. Die 14 Lieder auf dieser Scheibe weckten mit ihrer wilden Experimentierlust die Begierde nach mehr und immer mehr – so ähnlich wie es der Autor und Musiker Nick Hornby in seinem Roman „High Fidelity“ mit seinen Skizzen aus dem Londoner Schallplattenladen beschreibt, wo Musikverrückte wie Junkies in den Auslagen nach neuen Beutestücken für ihre Plattennadeln wühlen. Die Regensburger Variante dieses Sehnsuchtsorts hieß damals übrigens Govi.

„Revolver“ wirkte wie ein Erdbeben, weil es alle bis dahin vom Mainstream-Softgedudel-Radio geprägten musikalischen Konstanten auf den Kopf stellte. Der raffinierte Sound gab den Startschuss für meine persönliche Beatlemania und die damals fast religiöse Verehrung für das erstaunlichste und rekordverdächtigste Dream-Team der Popmusik – John Lennon und PaulMcCartney. Verzeihung, Sir Paul natürlich.

Die kongeniale Zusammenarbeit des Jahrhundert-Duos

Wie enorm der Einfluss der beiden auch über 40 Jahre nach der Trennung der Band ist, höre ich, wenn ich das Radio aufdrehe. Nicht weil dort immer noch ihre Songs liefen. Sondern dann, wenn etwas von Oasis, Wilco, Franz Ferdinand, Aimee Mann & Co. gespielt wird. Wie sie ließen sich zahllose andere Künstler stark von Lennon/McCartney inspirieren. Deshalb klingt heute so vieles, was als neu verkauft wird, verdammt nach den Beatles. Hätte es zwischenzeitlich nicht Punk, Dance und Hiphop gegeben, könnte man bei den heutigen Endlosschleifen der austauschbaren Hit-Radio-Sender manchmal glauben, seit den Beatles hätte sich die Popmusik nicht wirklich weiterentwickelt.

Wie perfekt sich John und Paul in ihren besten Zeiten ergänzten, aber auch, wie sehr sie sich gegenseitig brauchten, um bis heute stilbildend zu wirken, wird an einem Beatles-Song besonders deutlich. „A Day In The Life“ ist ein Stück, das einen sofort packt, hypnotisiert und bis zum legendären Schlussakkord nicht mehr loslässt. Ursprünglich waren es zwei verschiedene unfertige Lieder. McCartney und Lennon hatten jeweils ein Fragment für einen Song, wussten aber zunächst nicht so recht weiter. Andere hätten vielleicht so lange getüftelt, bis zwei Stücke fertig gewesen wären. Oder sie hätten irgendwann entnervt aufgegeben und alles in den Papierkorb geworfen. Nicht so das kongeniale Jahrhundert-Duo der Popmusik. Sie machten einen Song daraus, indem sie beide Teile raffiniert miteinander verwoben. Heraus kam dann das sensationelle letzte Stück des Sgt.-Pepper-Albums, das vom Rolling-Stone-Magazin vor zwei Jahren nicht umsonst in einem Beatles-Sonderheft auf Platz eins ihrer besten Songs gesetzt wurde. Die Beatles haben viele andere Stücke mit mehr Ohrwurm- und Hitqualitäten komponiert. Doch „A Day In The Life“ macht deutlich: Wenn John die Seele der Beatles war, dann war Paul ihr Herz.


 

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