Panorama 22.06.2012, 14:20 Uhr

Fußballer, das war er vorher

„Dass ich Profi war, das ist lang her“, sagt Hans Dorfner. Sein Standbein ist die Fußballschule – und zwar sein erstes.

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Er bindet unzählige Fußballschuhe.

Er bindet unzählige Fußballschuhe.

Von Angelika Sauerer, MZ

Der Knirps steht da, stolz die Hände in die Hüften gestemmt, das nagelneue rote Trikot leuchtet, die Shorts reichen bis zu den Stutzen hinunter. Ein Grashalm klebt an seiner erhitzten Backe. Gerade hat er ein Dribbling absolviert, um Hütchen herum, über Stangen drüber, unten durch, alles mit Ball. Und offenen Schuhbändern. Aber jetzt kniet ein Großer vor dem Kleinen und bindet ihm die Fußballschuhe. Und der Nächste wartet schon.

Geschult an der Hausmauer

Kann sein, dass keiner in den Schulferien mehr Fußballschuhe zuknotet wie der dreimalige Deutsche Meister vom FC Bayern München, Bundesliga-Profi beim 1. FC Nürnberg und ehemalige Nationalspieler. Hans Dorfner bindet Schuhe in Regensburg, wo er daheim ist, und in München an der Säbener Straße beim FC Bayern, er bindet sie in Althegnenberg und Kettershausen, in Hebertshausen und in Überacker, um nur ein paar Stationen zu nennen, an denen er mit seiner Fußballschule vor Ort ist. Ihm selber hat ja nie einer die Stollenschuhe gebunden. Und seine Fußballschule war die Hausmauer. An ihrem stoischen Widerstand verfeinerte er Nachmittage lang seine präzise Schusstechnik.

Der Tag begann um kurz nach sieben mit einer Dusche und einem Espresso. Um halb acht war er auf der Autobahn. Zwei Stunden, sagt das Navi, braucht er bis ins Schwäbische. Typischer Vielfahrer-Stil: zügig, aber nicht aggressiv, sehr konzentriert. Später auf der Landstraße überholt er mit Weitblick und Gas, im richtigen Moment. Genauso kamen damals seine Pässe: schnell, kurz, genau, vorausschauend. Er war der Regisseur im Mittelfeld, der Techniker, dem man ein Match anvertraut. Die „Seele des Spiels“ hat ihn der Club-Trainer Heinz Höher einst genannt. Hans Dorfner, der intelligente Vorbereiter. Der eiskalte Vollstrecker oder der abgebrühte Abstauber, das war er nicht.

Ist er nicht. Auch deshalb fährt er durch ganz Bayern und besucht seine Fußball-Camps. Wo Hans Dorfner draufsteht, muss schließlich auch Hans Dorfner drin sein. Die Fäden laufen also noch immer bei ihm zusammen. Viele seiner Trainer vor Ort sind junge Sportlehrer oder Sportstudenten. Typen, die Kinder cool finden. „Wie läuft’s?“ erkundigt sich Dorfner beim Trainer-Trio in Hebertshausen. „Bestens“, antwortet Mario Sauerbrey, Sportlehrer und ehemaliger Bayernliga-Spieler. „Aber gut, dass du da bist. Die Kinder haben schon dauernd gefragt, wenn du kommst.“ „Aha, der Chef persönlich schaut vorbei“, kommentiert ein Kiebitz auf der Terrasse des Sportplatzes das Geschehen. Vor ihm steht ein Weizen, nicht das erste, denn er wartet schon länger. „Hab’ dich spielen sehen, bei den Bayern “, sagt er dann, und zwinkernd: „Da hast’ aber no anders ausg’schaut.“ Das Übliche halt. Die Haare sind nicht mehr so blond und nicht mehr so lang. Aber Hans Dorfner lächelt, und das wird bleiben: die schräg gestellten Brauen und die Grübchen, spitzbübisch sieht das aus und jungenhaft, das typische „Hansi“-Lächeln. Aber eigentlich war er bei den Bayern der „Charly“. „Hans“ hieß er bei den Freunden in Undorf und bei der Mutter „Hanse“ – wie sie das sagt, hört er es am liebsten.


 

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