Hochschule 10.07.2012, 21:47 Uhr

Uni Regensburg hatte viele Gegner

Vor genau 50 Jahren beschloss der Landtag den Bau einer Universität in Regensburg. Der Plan war damals sehr umstritten - vor allem bei den Konservativen.

Die neue Universität für Regensburg im Holzmodell: Beton-Totalsanierung und Eimer-Aufstellpläne bei Regen gehörten da noch ins Reich der Zukunft. Foto: MZ-Archiv

Die neue Universität für Regensburg im Holzmodell: Beton-Totalsanierung und Eimer-Aufstellpläne bei Regen gehörten da noch ins Reich der Zukunft. Foto: MZ-Archiv

Von Thomas Dietz, MZ

Regensburg. Prof. Joseph Engert (1882-1964) gilt heute als „Vater der Universität Regensburg“. Denn schon 1948 regte er, Rektor der Philosophisch-Theologischen Hochschule Regensburg, an, eine neue Universität zu errichten. Bayerns bestehende Universitäten waren teilweise zerstört und komplett überfüllt. Ganze Studiengänge waren ausgelagert (oft in Gaststätten), der vorklinische Bereich der Medizinischen Fakultät der Uni München war gar in den ausgebombten Hallen und Gebäuden der Messerschmitt-Flugzeugwerke untergebracht – sie wurden von Studenten im „freiwilligen Arbeitseinsatz“ notdürftig hergerichtet. Engert ließ, mit Genehmigung der US-Militärregierung, am 20. Januar 1948 den Verein der Freunde der Universität Regensburg e.V. gründen.

Die Universität, die heute zweifelsfrei nur noch als Segen für die Stadt empfunden wird, war von Anfang an umstritten: Von einem unverantwortlichen Kostenaufwand war schon 1949 die Rede, der nur dazu diene, die Rechte der anderen drei großen bayerischen Universitäten und deren Wiederaufbau zu schmälern.

In einem Schreiben der Bayerischen Rektorenkonferenz an den Landtag wurde gefordert, den Bau einer neuen Universität „bis zum völligen Ausbau der bestehenden Universitäten zurückzustellen“. Man gab zu bedenken, dass eine solche geforderte Universität erst nach 20 Jahren leistungsfähig sein würde. „Bayerns Rektoren scharf gegen eine vierte Universität“ lautete eine Zeitungsüberschrift.

Kritisiert wurde auch, dass man sich mit Regensburg eine vergleichsweise universitätsferne Metropole in einer benachteiligten, östlichen Grenzregion ausgesucht habe. Besonders Hildegard Hamm-Brücher (91), damals FDP-Landtags-Abgeordnete, bekämpfte den Universitätsbau in Regensburg.

„Das lässt sich nicht durchführen“

Auch die ultrakonservativen Kulturpolitiker jener Zeit fürchteten eine „Schwächung der Katholizität des Freistaates“ durch Überhandnehmen der akademischen, häufig als protestantisch verdächtigten Bildung. Regensburgs Bevölkerung war in weiten Teilen der Meinung, eine solche Gründung brächte nur Unruhe in die Stadt. Tatsächlich wurden Studenten dann ab 1967/68 – damals trug man Parka, Jeans mit Schlag, Hirtenbeutel und lange Bärte – unverhohlen angestarrt; in den Gasthäusern verstummten oft genug die Gespräche, wenn eine Studenten-Gruppe eintrat.


 

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