Bei der Sportshow im Audimax zeigen die Studierenden ihr Können. Die beliebte Gala hat Christoph Kößler ins Leben gerufen. Foto: Tino Lex
Von Louisa Knobloch, MZ
Regensburg. Die Hochschulsport-Gala im Audimax hatte in diesem Jahr einen negativen Beigeschmack. Denn es könnte die letzte unter der Regie von Dr. Christoph Kößler gewesen sein. Seit zwölf Jahren leitet der Sportpädagoge den Bereich Hochschulsport an der Universität Regensburg und hat das Angebot in dieser Zeit kräftig ausgebaut. Besuchten im Sommersemester 2000 rund 2500 Studierende pro Woche die Kurse, so sind es heute 8500 Teilnehmer. Das Angebot reicht von Aikido bis Unterwasserrugby.
Zum 1. August bekommt das Sportzentrum der Universität mit Dr. Uta Engels aus Frankfurt eine neue Leiterin. Diese Position hatte bislang kommissarisch der Akademische Direktor Otmar Hintermeier inne. Zwei Ausschreibungen der Stelle waren in den vergangenen Jahren ergebnislos verlaufen, bei der dritten Ausschreibung im Dezember 2011 hatte sich Engels durchgesetzt – unter anderem gegen Kößler. Neu an dieser Ausschreibung war jedoch, dass sie diesmal auch die Leitung des Bereichs Hochschulsport umfasste. „Es hat mich schon schockiert, aus der Zeitung erfahren zu müssen, dass meine Stelle ausgeschrieben ist“, sagt Kößler im MZ-Gespräch.
Der Rektor der Universität, Prof. Dr. Thomas Strothotte, habe ihm aber bereits im Januar und erneut im Mai und Juni versprochen, dass er auch unter Engels Leiter des Hochschulsports bleiben werde, berichtet Kößler. Eine schriftliche Fixierung dieses Versprechens, um die er gebeten habe, habe er allerdings nicht bekommen. Am 11. Juli habe der Rektor ihm dann mitgeteilt, dass er seine Zusage nicht einhalten könne. Engels werde ab 1. August die Leitung des Hochschulsports übernehmen und dann über das weitere Vorgehen entscheiden.
„Da steckt mein Herzblut drin“
Dass eine Externe als neue Leiterin des Sportzentrums berufen wird, ist nicht ohne Grund. Aus Universitätskreisen war zu erfahren, dass es dort schon länger Probleme gibt – jemand, der von außen kommt und somit unbelastet ist, könnte das Sportzentrum wieder in ruhigeres Fahrwasser bringen. Trotz dieser Querelen würde Kößler sein Amt gerne fortführen: „Es gibt keinen Grund, das hinzuschmeißen“, sagt er. „Ich mache das gerne, da steckt auch mein Herzblut darin.“
Dr. Christoph Kößler, der bisherige Leiter des Hochschulsports Foto: Bastian Schmidt
Der Hochschulsport der Uni Regensburg ist beim deutschlandweiten CHE-Ranking auf dem 3. Platz gelandet. Die von Kößler organisierten Galas wie die Sportshow im Audimax, das Internationale Akrobatikfestival oder „Stars unter der Zirkuskuppel“ lockten Tausende Besucher an. Auch der Kletterturm und der jüngst eröffnete Slacklinepark auf dem Campus gehen auf sein Engagement zurück. Angesichts dieser Leistungen stellt sich für Michael Ziereis, den studentischen Interessenvertreter im Bereich Hochschulsport, die Frage, warum Kößlers Stelle überhaupt zur Debatte steht. „Allein die Erwägung, eine über Jahre gewachsene, reibungslos funktionierende, sich selbst tragende Struktur samt ihrem Chef, Organisator und Ideengeber vor ein mögliches Aus zu stellen, scheint absurd und gleichzeitig eine Gradanzeige für Wertschätzung des Sports zu sein“, sagt er.
Viel Unterstützung für Kößler
Auch Dr. Alexander Lenz, Physiker am CERN, Akrobat bei „Forma fortis“ und langjähriger Weggefährte Kößlers, kann die Debatte um dessen Stelle nicht nachvollziehen. „Es ist beeindruckend, was er aufgebaut hat“, sagt er. „Die Leistung, die er gebracht hat, ging weit über seinen Job hinaus. Es wäre unfair, wenn ihm der Hochschulsport genommen würde, obwohl er Erfolg hat und auch weitermachen möchte.“
Es besteht allerdings die Möglichkeit, dass Kößler auch nach dem 1. August noch Leiter des Hochschulsports sein wird. Dr. Uta Engels, die neue Leiterin des Sportzentrums, könnte aber auch entscheiden, das Amt selbst zu übernehmen oder jemanden anderen auf die Stelle zu setzen. Für eine Stellungnahme war sie nicht zu erreichen.
Sollte jemand Neues den Hochschulsport übernehmen, gibt es „auf alle Fälle eine Veränderung“, so Kößler. „Ob es deshalb schlechter wird, ist Spekulation.“ Das scheinen aber viele Studierende und Uni-Mitarbeiter zu befürchten. Eine Reihe von Leserbriefen erreichte die MZ zu diesem Thema – Tenor: Kößler soll Leiter des Hochschulsports bleiben. Einer der geschrieben hat, ist der Student Dominik Laßmann. „Es ist genial, was beim Hochschulsport alles angeboten wird“, sagt er. Er selbst habe im Sommersemester ein großes Angebot genutzt, um sich auf den Sporteignungstest vorzubereiten. „Man lernt bei den Kursen auch viele Leute kennen und es entstehen neue Freundschaften.“ Es wäre schade, wenn sich das Programm durch einen personellen Wechsel ändern würde, findet Laßmann. „Da Kößler bei der Gestaltung des Programms federführend war, wäre es gut, wenn er seine Stelle behalten könnte.“
Auch Sportstudent Alexander Neppl, der seit dem Wintersemester 2008/09 das Turntraining leitet und ab kommendem Semester noch das Akrobatiktraining übernimmt, wandte sich an die MZ. „Kößler ist vom Organisationstalent her der beste Mann für diese Aufgabe“, sagte er. „Ich denke, es gibt niemanden, der den Hochschulsport in Regensburg so professionell leiten könnte wie er.“ Als Trainer sei er extrem zufrieden mit der Situation: Kößler gehe regelmäßig durch die Kurse und kümmere sich, falls mal etwas nicht passen sollte. „Er hat das alles aufgebaut und sollte das nicht einfach so abgeben müssen.“