Hochschul-Nachrichten 05.11.2009, 09:32 Uhr

Einstein-Liebesbriefe für Israels Bahnreisende

Universitätsprofessor Chanoch Gutfreund, ehemaliger Präsident der Jerusalemer Universtität, aufgenommen bei der ersten „Vorlesung auf Rädern“ in der israelischen Bahn.

Universitätsprofessor Chanoch Gutfreund, ehemaliger Präsident der Jerusalemer Universtität, aufgenommen bei der ersten „Vorlesung auf Rädern“ in der israelischen Bahn.

Albert Einstein war nicht nur ein wissenschaftliches Genie, sondern auch Verfasser gefühlvoller Liebesbriefe. Der Einstein-Experte Chanoch Gutfreund erzählte am Mittwoch in sehr ungewöhnlichem Ambiente über die Briefe des Physikers an seine beiden Ehefrauen: Vor Bahnreisenden in einem Nahverkehrszug zwischen Tel Aviv und Modiin. Es war die erste Vorlesung in einer Serie von „Vorträgen auf Rädern“, mit der sich die Hebräische Universität in Jerusalem einem breiten Publikum öffnen will.

Professor Gutfreund, ehemaliger Präsident der Jerusalemer Universität, zeigte sich begeistert von dem neuen Projekt: „Es ist ein echtes Erlebnis. Ungewohnt ist nur, dass mir etwa die Hälfte der Zuhörer den Rücken zukehren.“ Gutfreund hütet in Jerusalem das Einstein-Archiv, das auch die Original-Briefe an die beiden Ehefrauen enthält – Mileva Maric und später Einsteins Kusine Elsa Löwenthal.

„Es ist sehr passend, in einem Zugabteil über Einstein zu sprechen“, sagte der weißhaarige Professor. In seinen Erklärungen der Relativitätstheorie habe das Physik-Genie häufig das Beispiel eines fahrenden Zugs benutzt. Aus seinen Liebesbriefen könne man viel über die Persönlichkeit Einsteins lernen. „Es gibt pikante Details, aber insgesamt ist es eine sehr ernsthafte Angelegenheit“, betonte Gutfreund. „Die Briefe zeigen uns die emotionale und intellektuelle Entwicklung des größten Forschers des 20. Jahrhunderts, möglicherweise aller Zeiten.“

Die Bahnreisenden folgten den Ausführungen des Professors über Einsteins bewegtes Liebesleben sehr aufmerksam. Die 72-jährige Rina Levy aus Jaffo bei Tel Aviv unternahm die Zugreise extra, um den Vortrag zu hören. „Ich genieße jede Minute“, sagte die Frau. „Ich gehe oft zu Vorlesungen in der Universität, aber dies ist etwas ganz Besonderes.“ Sie wolle unbedingt auch den nächsten Vortrag in der Serie hören und „viele Leute mitbringen“. Eine andere Mitreisende sagte mit einem Augenzwinkern, die Vorträge in der Bahn seien immerhin deutlich preiswerter als die Studiengebühren an der Universität.

 

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