Hochschul-Nachrichten 06.02.2012, 10:37 Uhr

Was gegen die Angst vor Referaten hilft

Die Nervosität steigert sich mit jeder Minute, die das Seminar näher rückt. Was tun mit der Panikattacke kurz vorm Referat?


        Bei Referaten sollte vor allem der Anfang gut sitzen. Denn hier ist die Aufmerksamkeit der Hörer am größten.

Bei Referaten sollte vor allem der Anfang gut sitzen. Denn hier ist die Aufmerksamkeit der Hörer am größten.

Berlin. Viele Studenten kennen das: Das Referat ist eigentlich gut vorbereitet. Und dennoch gerät der Auftritt vor dem Seminar zur gefühlten Katastrophe. Die Stimme ist brüchig, die Hände hektisch, die Knie schlottern. Anstatt souverän vorzutragen, was man sich erarbeitet hat, fühlt man sich wie das Kaninchen vor der Schlange.

Bei Angst vor Referaten lautet der Rat des Diplompsychologen Reinhard Franke: üben und sich bewusst machen, was im Körper passiert, wenn sich Angst breitmacht. Franke leitet an der Freien Universität Berlin den Kurs „Redeangst bewältigen“. Dort halten die Teilnehmer in jeder Sitzung ein Kurzreferat. Thema kann ein Lieblingsfilm, ein Buch oder ein Theaterstück sein. Die Vorbereitungszeit für das Referat beträgt 20 Minuten, die Zeit für die Präsentation sechs: „Man muss nicht stundenlange Referate halten, um das zu üben“, sagt Franke. „Die kritische Phase liegt im Anfang.“

Am Anfang eines Referates ist die Aufmerksamkeit der Zuhörer besonders hoch - ebenso wie der eigene Pulsschlag. Alle Blicke sind auf einen gerichtet, das Blut schießt einem in die Wangen, die Hände werden feucht und Unsicherheit macht sich breit: Was ist, wenn die Stimme jetzt versagt, der Faden reißt, die Erwartungen der Zuhörer plötzlich unerfüllbar erscheinen? Vernünftige Argumente, dass man doch gut vorbereitet sei und die Zuhörer freundlich gesinnt, helfen in dieser Situation oft nicht weiter, erklärt die Hamburger Kommunikationstrainerin Marion Klimmer: „Kognitive Einsichten nutzen nichts.“

Die Pädagogin erklärt das mit Erkenntnissen aus der Hirnforschung: Während der Verstand sachlich argumentiert, seien Emotionen, wie Angstgefühle in einem älteren Hirnareal, dem limbischen System, organisiert. Eigentlich, so Klimmer, habe es die Natur gut mit uns gemeint, als sie Gefühlshirn und Großhirn voneinander trennte: „Es geht darum, in Gefahrensituationen ohne Umschweife und Überlegungen reagieren zu können.“ Dumm nur, wenn die scheinbare Gefahrensituation nichts weiter ist als das erste Referat, das man an der Universität halten muss, das aber durch unangenehme Vorerfahrungen als Belastung empfunden wird.

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