Unis müssen sich auf neue Zahlen vorbereiten
Im Moment sind die Hochschulen voll besetzt. Doch das wird nicht ewig so bleiben, warnt der Chef der bayerischen Universitäten.
Mittelfristig wird die Studentengeneration eine andere sein, warnen Experten.
Bamberg/München. Trotz des derzeitigen Andrangs von Studenten müssen sich die deutschen Hochschulen einem Experten zufolge mittelfristig auf geringere Studierendenzahlen einstellen. „In den Schulen sind weniger Kinder als früher. Wir werden also weniger Studierende haben“, sagte der Bamberger Uni-Präsident Godehard Ruppert in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa. Die Universitäten und Fachhochschulen müssten deshalb schon jetzt Strategien ausarbeiten, wie sie in zehn Jahren auf die veränderten Bedingungen reagieren wollen, sagte der Vorsitzende der bayerischen Rektorenkonferenz weiter. An diesem Montag (7. Mai) ziehen Wissenschaftsminister Wolfgang Heubisch (FDP) und Hochschul-Vertreter eine erste Bilanz zum doppelten Abiturjahrgang.
Künftige Generationen werden nach Ansicht Rupperts mehr Weiterbildungsstudiengänge auf akademischem Niveau brauchen. „Wir können nicht immer nur nach dem Batterieprinzip intellektuell bilden, sondern müssen nach dem Akkuprinzip bilden. Einmal aufladen und ein Leben lang leuchten – das funktioniert eben nicht. Wir brauchen einen Akku und der muss zwischendurch immer wieder mal geladen werden“, beschreibt Ruppert die seiner Meinung nach nötigen Veränderungen in der Hochschullandschaft. „Dass wir da noch nicht soviel tun, hängt mit den derzeit hohen Studierendenzahlen zusammen. Aber das müssen wir machen, sobald die großen Zahlen vorbei sind.“
Interkulturelle Chancen nutzen
Als eine weitere Notwendigkeit plädiert der Chef der bayerischen Universitäten für eine deutlichere Internationalisierung der Hochschulen. „Wir müssen uns sehr genau überlegen, ob wir das Feld der ausländischen Studierenden nicht noch stärker nutzen“, sagte der Uni-Präsident. Dabei gehe es nicht in erster Linie darum, die Studienplätze voll zu bekommen. „Das tut unseren Studierenden gut, wenn neben ihnen im Hörsaal Studenten mit anderen kulturellen Erfahrungen sitzen. Der Austausch macht das Studium qualitativ besser.“
Außerdem könnten die ausländischen Studenten dem künftigen Mangel von Fachkräften gerade in den Ingenieurwissenschaften vorbeugen. Sie könnten zudem die Rolle Deutschlands bei globalen Entscheidungen positiv beeinflussen: „Über die Studenten aus dem Ausland können wir deutschlandaffine Vertreter in den Wirtschaftsorganisationen und Staaten dieser Welt haben, damit wir als Exportnation nicht abgehängt werden.“
Mit Blick auf den demografischen Wandel mahnt Ruppert davor, zu lange zu warten. „Wir können es heute noch nicht umsetzen, aber wenn wir heute nicht anfangen zu planen, dann sind wir zu spät dran.“ Man könne nicht erst 2016 die Planungen für 2020 beginnen. „Das ist nicht umsetzbar.“

