Prof. Dr. Eiglsperger: „Seit Jahren versuchen wir, Kunst, Wissenschaft und Wirtschaft zusammenzubringen.“ Im Hintergrund: Bürgermeister Wolbergs
Von Thomas Rieke, MZ
Regensburg.
Irgendwann wurde es sogar Bürgermeister Joachim Wolbergs zu spannend: „Jetzt fangt halt an! Wir wollen wissen, wer gewonnen hat.“ Von da an sollte es am Mittwoch, 18.15 Uhr, aber noch fast eine halbe Stunde dauern, bis Prof. Dr. Birgit Eiglsperger, Leiterin des Instituts für Kunsterziehung an der Universität, in den neuen Ausstellungsräumen des Alten Rathauses endlich die vier Siegernamen des spektakulären Smart-Art-Projekts bekannt gegeben hatte.
Jubel, Jubel, viel Applaus und herzliche Umarmung: Johannes Steubl konnte es kaum glauben, als er gebeten wurde, die Siegerrose entgegenzunehmen. Der 24-jährige Lehramtsstudent aus dem Landkreis Cham ist ein bescheidener, zurückhaltender Typ; urplötzlich im Rampenlicht zu stehen und mit Glückwünschen geradezu überhäuft zu werden, schien ihm nicht ganz geheuer.
Lohn für den Mut
Steubl hat die Säulenornamente des berühmten Schottenportals unter die Lupe genommen, daraus ein verschlungenes, reliefartiges Muster gestrickt – und den Schwung der Verzierung auf die Karosserie des Miniwagens Smart projiziert. Der Mut, eben nicht auf ein gängiges Regensburger Motiv (Domtürme, Steinerne Brücke) zu setzen, sondern sich für ein sehr spezielles zu entscheiden und dieses zu einem „sinnvollen Design zu beugen, das sich schlüssig mit der Karosserie verbindet“ (O-Ton Projektleiter), wurde belohnt. Das Votum der Juroren fiel einstimmig aus. Dem Preisgericht gehörten neben Prof. Eiglsperger Wirtschafts- und Finanzreferent Dieter Daminger und Martin C. Klein, Leiter der Mercedes-Benz-Niederlassung, an.
Klein war es auch gewesen, der vor einem halben Jahr das Projekt ins Rollen brachte. Als er im Institut seine Idee vorschlug, die „vielfältigen sympathischen Parallelen zwischen der Stadt Regensburg und dem Kleinwagen Smart auf künstlerische Weise herauszuarbeiten“, sei ihm eine Mischung aus Fassungslosigkeit und Neugier entgegengeschlagen. „Was will dieser Automensch bei mir?“, habe er aus den Augen Dr. Eiglspergers lesen können.
Komm in meine Arme: Johannes Steubl konnte sich als Erstplatzierter nicht über zu wenig Sympathiebezeigungen beklagen.
Nun aber sind alle Beteiligten glücklich, dass der Wettbewerb zustande kam. Doktorand Florian Pfab, der zusammen mit dem Akademischen Rat Josef Mittlmeier das Projekt leitete, formulierte es so: Oft werde an das Institut der Wunsch herangetragen, für so gut wie keine Gegenleistung kreativ zu werden. Martin C. Klein aber habe nicht nur mit seinem Anliegen überzeugt („Ich will was, und das soll richtig gut werden“), sondern sei auch bereit gewesen, dafür sehr Ordentliches zu bieten. So hätten sich Dozenten und Studenten gerne auf das Abenteuer eingelassen und eine „perfekte Ausbildungssituation“ erlebt, die für jeden Teilnehmer eine Bereicherung sei.
Wirtschaftsreferent Dieter Daminger betonte, wie sehr er sich über die Kooperation des Regensburger Autohauses mit der Universität freue. „Geld und höhere Werte wie die Kunst“ seien nämlich durchaus kein Gegensatz, sondern könnten, wie am Beispiel des Smart-Art-Projekts eindrucksvoll zu sehen, eine fruchtbare Verbindung eingehen. Ausdrücklich würdigte Daminger die Bereitschaft der 14-Wettbewerbsteilnehmer, die Herausforderung anzunehmen, denn den Smart neu zu designen sei „sicher keine leichte Aufgabe gewesen“.
Martin C. Klein sprach von einem „guten Tag für unseren Smart“. Alle eingereichten Entwürfe seien „extrem sehenswert“, deshalb gebe es für ihn persönlich nicht nur einen Gewinner. „Für mich sind Sie heute alle Sieger!“
Mit Leib und Seele dabei
Bis zum Schluss hatten die Studenten „mit Leib und Seele“ (Pfab) an ihren Arbeiten gefeilt. Nach gründlicher Recherche (Was bietet sich als „Regensburg-Motiv“ an?) und Reflexion wurde geplant und immer wieder verworfen. Diesen Einsatz wollte auch Dr. Eiglsperger würdigen. Obwohl für einen einzigen Bachelor-Leistungspunkt rund dreißig Arbeitsstunden anzusetzen seien, würden die Studierenden Projekte wie das gerade zu Ende gegangene gerne annehmen.
Das Institut für Kunsterziehung ist laut Dr. Eiglsperger ebenfalls permanent bemüht, vermeintlich Unvereinbares zusammenzuführen. Denn nur mit Unterstützung der Wirtschaft gelinge es, „unser Wirken in die Gesellschaft zu tragen“.
Mit der Siegerehrung erlebte das Smart-Art-Projekt einen weiteren Höhepunkt, der krönende Abschluss aber folgt erst im Juni: Dann wird in der Mercedes-Niederlassung in der Benzstraße ein echter, mit dem Siegerdesign aufgehübschter Smart für einen guten Zweck versteigert. Martin C. Klein ist sich sicher, dass das Auto „hammerhart“ aussehen wird.