Bei berufsbegleitenden Studiengängen finden die meisten Lehrveranstaltungen am Wochenende statt. Foto: HS.R
Von Louisa Knobloch, MZ
Regensburg. Es ist ein volles Programm, das Prof. Dr. Wolfgang Bock den Studieninteressenten vorstellt: Mathematik, Physik, Mechanik und Werkstoffkunde stehen auf dem Stundenplan für den Bachelor Systemtechnik, aber auch Grundlagen der Betriebswirtschaft und Technisches Englisch. Die Lehrveranstaltungen finden bei diesem berufsbegleitenden Studiengang an acht Wochenenden pro Semester statt, zudem gibt es zwei Wochen Vollzeit-Unterricht. Erfolgreiche Absolventen erwerben nach neun Semestern den „Bachelor of Engineering“ – und das auch ohne Abitur.
Seit der Änderung des Hochschulgesetzes im Jahr 2009 können Menschen ohne klassische Hochschulzugangsberechtigung in Bayern ein Studium aufnehmen. Voraussetzung sind eine abgeschlossene Berufsausbildung und Berufserfahrung, eine bestandene Meisterprüfung oder der Abschluss einer Fachschule oder Fachakademie, etwa als Techniker oder Erzieherin. Derzeit gibt es im Freistaat 15 berufsbegleitendeBachelorstudiengänge. „Das Angebot wird von den Studierenden gut angenommen und die Hochschulen bauen ihre Angebote konsequent weiter aus“, heißt es dazu aus dem Wissenschaftsministerium. „Ziel ist, ein flächendeckendes Angebot in ganz Bayern zu schaffen.“
Studium kostet Zeit und Geld
An der Hochschule Regensburg (HS.R) geht der Bachelor Systemtechnik im Oktober in die zweite Runde. 26 Studenten haben bereits zum Wintersemester 2011/12 angefangen und mittlerweile die ersten Prüfungen hinter sich. „Die meisten Probleme gab es in Mathematik“, sagt Bock, der Leiter des Studiengangs. Vor allem Teilnehmer, die schon länger von der Schule weg seien, hätten sich hier schwergetan. Daher bietet die Hochschule einen 14-tägigen Mathe-Vorkurs zur Auffrischung an. Wer mehr Nachholbedarf hat, kann einen umfangreicheren, kostenpflichtigen Vorbereitungskurs besuchen, den die HS.R zusammen mit dem Bildungswerk der Bayerischen Wirtschaft (bbw) anbietet.
Doch nicht nur dieses Propädeutikum kostet Geld, sondern auch das Studium selbst. 1965 Euro Semestergebühr fallen an, plus 91 Euro für den Studentenwerksbeitrag und das Semester-Ticket. „Viele sehen die Gebühren als große Hürde“, räumt Bock ein. Als Kosten für eine Erstausbildung könnten sie aber bei der Steuererklärung geltend gemacht werden. Manche Firmen würden die Kosten für ihre Mitarbeiter auch ganz oder teilweise übernehmen. Angebote wie das Bayerische Studienbeitragsdarlehen oder der KfW Bildungskredit seien weitere Möglichkeiten zur Finanzierung.
„Die Studiengebühren sind schon heftig“, sagt Johann. Der 28-jährige Werkzeugmachermeister ist zur Informationsveranstaltung an die HS.R gekommen. Von Vorteil sei, dass man mit einem berufsbegleitenden Studium auch seinem Arbeitgeber zeige, was man leisten könne. Durch die Weiterqualifizierung würden sich zudem andere Positionen im Unternehmen eröffnen. Das kann Studiengangsleiter Wolfgang Bock bestätigen.
Viele Angebote im Bereich der berufsbegleitenden Bachelorstudiengänge gibt es derzeit im Wirtschaftsingenieurwesen und in der Betriebswirtschaft. Die Hochschule Amberg-Weiden bietet den Bachelor Handels- und Dienstleistungsmanagement an, die Hochschule Deggendorf Betriebliches Management und Pflegepädagogik. „Die Studiengänge bieten eine optimale Verzahnung von Theorie und Praxis“, sagt Daniela Kreiss vom Weiterbildungszentrum der Hochschule Deggendorf. „Bei Studienarbeiten, die auf das eigene Unternehmen bezogen sind, können die Teilnehmer das Gelernte gleich in die Praxis übertragen.“
Firmen unterstützen Weiterbildung
Das kommt auch bei den Unternehmen gut an. „In einer Branche wie der unseren, die stark von Innovationen abhängig ist, ist die konsequente Weiterbildung der Mitarbeiter sehr wichtig“, sagt Barbara Zierer von Infineon in Regensburg. Für externe Weiterbildungen könnten sich Mitarbeiter bis zu zwei Wochen pro Jahr von der Arbeit freistellen lassen, auch Bildungsdarlehen würden angeboten.
Krones bietet Mitarbeitern ebenfalls Bildungsurlaub und eine finanzielle Bezuschussung an. „Weiterqualifizierung wird bei Krones als Schlüssel zum Erfolg gesehen“, sagt Pressesprecherin Danuta Kessler-Zieroth. Bei Siemens werden engagierte Mitarbeiter gezielt angesprochen, die Firma übernimmt hier den Großteil der Kosten inklusive der Studiengebühren, berichtet Unternehmenssprecherin Susanne Kraus. So seien Facharbeiter derzeit im Bachelor Systemtechnik an der HS.R eingeschrieben, andere Mitarbeiter machten an der Steinbeis-Hochschule in Berlin einen Bachelor in Business Administration.
Für die Studenten ist der Zeit- und Lernaufwand jedoch hoch. Die gelernte Eurokauffrau Steffi (24) ist mittlerweile im 4. Semester beim berufsbegleitenden Bachelor Internationales Management in Nürnberg. „Die Wochenenden zu opfern, ist eine Sache“, sagt sie. „Aber wenn es während der Klausurphase im Job auch gerade stressig ist, dann geht das schon an die Substanz.“ Dennoch lohne sich der Aufwand: „Ohne Weiterbildung stößt man im Job irgendwann an Grenzen.“