Die Mikrochirurgie erlaubt den Ärzten, sehr kleine Gefäße und Nerven zu nähen und so etwa abgetrennte Körperteile zu replantieren. Foto: St. Josef
Von Louisa Knobloch, MZ
Regensburg.
Plastische Chirurgie – das verbinden viele Menschen mit Brustvergrößerungen oder Fettabsaugen. Das Fachgebiet nur auf die medienwirksamen ästhetischen Eingriffe zu reduzieren, würde der Plastischen Chirurgie aber in keiner Weise gerecht, sagt Prof. Dr. Lukas Prantl. „Voraussetzung für die ästhetische Chirurgie ist neben einem ethischen Verantwortungsbewusstsein insbesondere die Kenntnis chirurgisch aufwendiger Techniken aus der Rekonstruktionschirurgie“, so Prantl. Daher seien in Deutschland die ästhetische und die rekonstruktive Chirurgie in einem Fachgebiet zusammengefasst. Die Versorgung von schweren Handverletzungen oder die Replantation von bei Unfällen abgetrennten Körperteilen gehören genauso zu den Aufgaben eines Plastischen Chirurgen wie die Therapie von Tumoren, Verbrennungen oder chronischen Wunden.
Ressourcen zweier Kliniken vereint
Die Vielseitigkeit des Fachgebietes spiegelt sich im Namen des „Hochschulzentrums für Plastische und Ästhetische, Hand- und Wiederherstellungschirurgie“ wider, das am Samstag am Caritas-Krankenhaus St. Josef feierlich eröffnet wird. Den Festvortrag zum Thema „Berge versetzen“ hält der Extrembergsteiger Reinhold Messner – wie er stammt auch Prof. Dr. Lukas Prantl, der Leiter des neuen Zentrums, aus Südtirol.
„Wir vereinen hier die Ressourcen von zwei Kliniken – Universitätsklinikum und Caritas-Krankenhaus St. Josef – in einem Zentrum“, erläutert Prantl. Die Zentrumsstruktur eröffne für beide Standorte neue Perspektiven: „Wir können mehr Notfälle aufnehmen und diese effektiver versorgen, weil wir auf einen großen Pool an erfahrenen Ärzten zugreifen können.“ Zertifizierungen wie die Ernennung zum Europäischen Handtraumazentrum bestätigten Prantl zufolge die medizinische Leistungsfähigkeit des Hochschulzentrums.
Prof. Dr. Lukas Prantl leitet das neue Hochschulzentrum. Foto: St. Josef
Am Uniklinikum liegt der Schwerpunkt auf komplexen traumatischen Handverletzungen, Verletzungen der Gliedmaßen nach Unfällen und Verbrennungen. „Unser Ziel ist es, alles zu erhalten, was man erhalten kann“, so Prantl. Die Mikrochirurgie erlaubt den Ärzten, sehr kleine Gefäße und Nerven zu nähen und so abgetrennte Körperteile zu replantieren oder Weichteilgewebe zu transplantieren, um Wunddefekte zu verschließen.
Aufgrund der engen Zusammenarbeit mit dem Lehrstuhl für Frauenheilkunde am Caritas-Krankenhaus St. Josef ist der Schwerpunktbereich Brustchirurgie dort angesiedelt. Neben der Wiederherstellung der weiblichen Brust nach einer Krebserkrankung oder aufgrund einer Fehlbildung werden dort auch Brustverkleinerungen, Bruststraffungen oder Brustvergrößerungen durchgeführt. Neue Techniken ermöglichten dabei ein weitgehend narbenarmes Operieren. „Es gibt Patientinnen, die durch ihre sehr großen Brüste an Nacken- oder Rückenschmerzen leiden“, sagt Prantl. „Diese berichten nach einer operativen Brustverkleinerung von einem hohen Zugewinn an Lebensqualität.“
Straffungsoperationen der Haut – ästhetisch oder nach starker Gewichtsabnahme – werden schwerpunktmäßig ebenfalls in St. Josef durchgeführt. Bei Patienten, die 70 oder 80 Kilo abgenommen hätten, reiche die erschlaffte Bauchdecke teils bis zu den Oberschenkeln, erläutert Prantl. „Für diese Patienten ist es ein enormer Motivationsschub, wenn nach der Gewichtsabnahme die Körperform insgesamt verbessert wird.“ Vor allem aber könnten so die chronischen Entzündungen in den verbliebenen Hautfalten effektiv therapiert werden.
Forschung an adulten Stammzellen
„Durch die Bildung des Hochschulzentrums für Plastische und Ästhetische, Hand- und Wiederherstellungschirurgie wird nicht nur die Patientenversorgung in der Region gesichert, sondern das Fach Plastische Chirurgie erstmals universitär gelehrt und ausgebildet“, sagt Prantl. Das Fachgebiet sei unter den Studenten und jungen Ärzten begehrt. „Medizinstudenten können nun das Wahlfach Plastische Chirurgie belegen und den plastisch-chirurgischen Assistenzärzten kann durch regelmäßige Rotationen zwischen den beiden Kliniken das gesamte breite Spektrum des Fachgebiets vermittelt werden.“
Erkenntnisse aus der Forschung an der Universität führen auch zu neuen Behandlungskonzepten wie dem Eigenfetttransfer zum Brustaufbau oder der Therapie chronischer Wunden mit adulten Stammzellen aus körpereigenem Fettgewebe. „Diese Zellen sind ethisch unkritisch“, betont Prantl. „Unsere Vision ist es, Krankheiten und Unfallfolgen mit körpereigenen Stammzellen des Patienten zu behandeln. Es ist die Zukunft der individuellen zellbasierten Therapie.“