Aufräumen: Umweltschützer retten das Moor
Von Sarah Pust, dpa
Hier wird entkusselt: Eine Wissenschaftlerin entfernt ungebetene Pflanzen aus dem Moor.
. Große Bäume, die Schatten spenden - darüber freuen sich viele Leute besonders im Sommer. Doch nicht überall ist das gut. In einem Moor zum Beispiel würden einige Bäume eher schaden. Deswegen entfernen Naturschützer sie, wenn sie noch klein sind.
Dagmars Füße sind nass und kalt. Die Naturschützerin schleppt eine Art Boden-Motorsäge durch den Matsch. Dieser sogenannte Freischneider ist etwa zehn Kilogramm schwer. Er wiegt also so viel wie ein schwerer Eimer Wasser. Und als ihre kniehohen Gummistiefel in einer Pfütze versinken, ist sie fast glücklich. Denn die 44-Jährige liebt das Moor. Und wenn das Moor nass ist, dann ist es gesund.
Damit das so bleibt, ist Dagmar heute mit mehreren Naturschützern bei drei Grad und Nebel im Professor-Moor unterwegs. Es liegt im Naturschutzgebiet Duvenstedter Brook bei Hamburg. Vorsichtig bückt sie sich und reißt eine kleine Kiefer aus dem feuchten Boden. «Birken und Kiefern säen ihre Saat mit dem Wind aus den Wäldern bis ins Moor aus. Die entkusseln wir jetzt», erklärt sie.
Entkusseln? Mit Küssen hat das nichts zu tun. Entkusseln bedeutet vielmehr, dass junge Pflanzen von dort entfernt werden, wo sie nicht wachsen sollen. Zum Beispiel in einem Moor. Dagmar und ihre Kollegen wollen nämlich verhindern, dass sich ein Wald im Moor ausbreitet.
Birken und Kiefern zum Beispiel sind im Moor unbeliebte Gäste. Denn sie trinken zu viel Wasser und trocknen so das Moor aus. Ihre Blätter fallen auf den Boden und die großen Bäume spenden viel Schatten. Das soll im Moor nicht sein, weil die Pflanzen am Boden unbedingt Licht brauchen. Und wenn die Moorpflanzen sterben, können auch Insekten, Eidechsen und andere Tiere nicht überleben. Das ganze Moor wäre in Lebensgefahr. Deshalb werden Baumtriebe entfernt.
Das ist eine nie endende Aufgabe: Jeden Sommer kusseln die Birken und Kiefern, also säen ihre Samen aus. Deswegen kommen Dagmar und die anderen jeden Winter und entkusseln das Moor. Jetzt achtet Dagmar auf jeden ihrer Schritte, damit sie nicht hinfällt oder versinkt. Mit dem Freischneider sägt sie die dickeren Kusseln dicht am Boden ab.
Nach etwa vier Stunden haben sich die Helfer durch eine Fläche gearbeitet, die ungefähr so groß wie zwei hintereinanderliegende Fußballfelder ist. Fertig. Jetzt wird aufgeräumt. Aus den Ästen und Zweigen schichten die Naturschützer Reisighaufen auf. Darin nisten kleine Vögel, wie das Schwarzkehlchen, besonders gern. Mit den Jahren verrotten die Baumreste im Moor zu Humus.
Dass das Entkusseln der vergangenen Jahre ein Erfolg war, das fühlen die Naturschützer, wenn ihre Füße nach vier Stunden langsam feucht und kalt werden. Denn das Moor ist matschig und nass - es geht ihm gut.

