Jonas gießt „Regen“ in das Niederschlagsmessgerät. Foto: Klasse 4b
Von der Klasse 4b der Grundschule Sinzing
Regensburg. „Sonnenschein, blauer Himmel, hohe Federwolken, leichter Wind, angenehme Frühlingstemperaturen“ – der Wetterbericht für den heutigen Tag trifft genau zu. Wie so ein Bericht erstellt wird und ob das Wetter in den kommenden Tagen auch so bleibt, das wollen wir von den Regensburger Wetterfröschen bei der Wetterwarte Regensburg erfahren. „Wetterfrösche gibt es in der Natur, aber nicht in unserer Wetterstation. Das ist nur ein Kosename für uns“, erklärt uns Anna-Maria Haider, die uns mit ihrem Kollegen Peter Krammer im Büro am Sallerner Berg empfängt.
Eine angenehm ruhige Atmosphäre herrscht in diesem Raum. Man könnte fast meinen, wir sind in einem Rechenzentrum gelandet. Auf den Bildschirmen der PCs sind unzählige Messdaten zu sehen, die sich beinahe sekündlich ändern. Wir erfahren, dass die meisten Messdaten in der Regensburger Wetterwarte inzwischen elektronisch gemessen und ins internationale Wetterfernmeldenetz eingespeist werden, in dem die Daten der Wetterstationen aus allen Ländern zusammenkommen.
Domspitzen dienen als Sichtmarken
„Erstellen Sie aus diesen Daten die Wettervorhersage für den Raum Regensburg?“, wollen wir von Anna-Maria Haider wissen. Ihre Antwort überrascht uns. „Wir Mitarbeiter der Wetterwarte sind von Beruf meteorologische Wetterbeobachter. Wir sagen das Wetter nicht voraus, wir messen und beobachten es. Die Wettervorhersage wird danach aus Satellitenbildern, Radarbildern und Beobachtungen zahlreicher Wetterstationen erstellt. Das machen die Meteorologen der Regionalzentrale des DWD in München.“
Die Arbeit der Wetterbeobachter beschränkt sich jedoch nicht nur auf die Überwachung der Daten, die von den Messgeräten geliefert werden. Wichtig ist nach wie vor die Wetterbeobachtung mit Auge und Ohr. Anna-Maria Haider erklärt uns dies am Beispiel der Sichtweitenbestimmung. Dazu führt sie uns auf den Balkon. „Wow!“, rufen einige von uns begeistert, denn die Aussicht ist großartig. Der Blick reicht von den Domspitzen bis zum Pfaffensteiner Tunnel über den Lappersdorfer Kreisel hinweg bis hinauf zu den Winzerer Höhen. Diese markanten Punkte sind sogenannte Sichtmarken, mit deren Hilfe die Wetterbeobachter die Sichtweite schätzen. Zusätzlich wird die Sichtweite auch noch elektronisch gemessen. Durch Beobachtung werden die Daten auf ihre Richtigkeit überprüft.
Die Grundschüler aus Sinzing erfuhren in der Wetterwarte viele interessante Dinge. Foto: Klasse 4b
Ein „Garten“ voller Instrumente
Natürlich sind für eine umfassende Wetterbeobachtung nicht nur die Bestimmung der Sichtweite, sondern ebenso Wind, Temperatur, Luftfeuchte, Luftdruck, Bewölkung und Niederschlag von großer Bedeutung. Gespannt folgen wir Anna-Maria Haider in den „Garten“ der Wetterwarte, das sogenannte Messfeld, in dem sich viele Messgeräte – sogenannte Instrumente – befinden. Das erste Gerät, das wir kennenlernen, sieht auf den ersten Blick wie eine riesige Duschwanne aus. Damit wird die Regenwasserverschmutzung gemessen.
Weiter sehen wir ein Bodenthermometer, womit man die Temperatur in den verschiedenen Bodentiefen messen kann, und ein Psychrometer – das ist ein Messgerät für die Luftfeuchte und besteht aus einem trockenen und einem feuchten Thermometer. Gut sichtbar ist der zwölf Meter hohe Windmast, auf dem sich ein Anemometer zur Messung der Windgeschwindigkeit befindet. Die Funktionsweise dieser Geräte erscheint uns teilweise sehr kompliziert.
Für uns Laien verständlicher ist da schon eher das Niederschlagsmessgerät. Das aufgefangene Regenwasser wird mittels eines speziellen Messbechers „ausgelitert“. So kann die Niederschlagsmenge bestimmt werden. Normalerweise gehört diese Tätigkeit zu den täglichen Aufgaben von Wetterbeobachterin Anna-Maria Haider. Heute wird ihr diese Arbeit von uns abgenommen. „Erlernt habe ich den Beruf der meteorologischen Wetterbeobachterin vor 37 Jahren, weil ich mich so gerne in der freien Natur aufhalte“, berichtet uns Anna-Maria Haider. Inzwischen überwiege zwar die Arbeit am Computer, aber trotzdem mache der Beruf ihr Freude, „weil das Wetter einfach eine spannende Sache ist und selbst heutzutage die menschliche Beobachtung zum Beispiel bei Gewittern noch eine Rolle spielt“. Die Rekordwetter in Regensburg lagen im Sommer 2003 bei plus 37 Grad Celsius und im Winter 1980 bei minus 27 Grad.
Nicht nur für uns heute ist das Wetter wichtig, wenn wir Unternehmungen planen. Schon im Mittelalter machten sich viele Mönche die Beobachtung des Wetters zur Aufgabe. In diesem Zusammenhang fällt der Name Torricelli. Wir finden bei unserer Recherche heraus, dass Evangelista Torricelli (1608 - 1647) als einer der bedeutendsten Mathematiker des Mittelalters galt. Er hat als Erster korrekt erklärt, wie Wind auf Grund von Temperatur- und Druckunterschieden in der Atmosphäre entsteht. Zudem hat er das Quecksilberbarometer erfunden.
Auch im Messfeld der Wetterwarte Regensburg finden wir ein Messgerät, das schon vor über 100 Jahren erfunden wurde: den Sonnenscheinautographen. Bei diesem Gerät werden die Sonnenstrahlen durch eine Linse gebündelt, sodass sie in einen Papierstreifen eine Spur einbrennen. Aus der Länge der Brennspur lässt sich die Sonnenscheindauer sehr genau ablesen.
Vorhersage: Sonniger Nachmittag
Am Ende unseres Besuches sind wir uns einig, dass es sich lohnt, sich mit der Wetterkunde genauer zu beschäftigen. Es gäbe noch so viel zu erfahren, doch wollen wir Anna-Maria Haider nicht länger von ihrer Arbeit abhalten. Außerdem wissen wir auf Grund der Wettervorhersage, dass es noch länger so sonnig bleiben soll. Da denkt mancher von uns schon ans Baden oder Fahrrad fahren. Wie gut, dass durch die exakte Arbeit der menschlichen „Wetterfrösche“ verlässliche Vorhersagen erstellt werden können, und wir uns bei der Planung des Nachmittags nicht auf folgende alte Bauernregel verlassen müssen: „Kräht der Hahn auf dem Mist, ändert sich das Wetter oder bleibt, wie es ist.“