Zeitung in der Schule 13.07.2012, 15:39 Uhr

Ältere Menschen sind tolle Geschichtslehrer

Dass früher „alles anders war“ als heute erfahren Schülerinnen in Gesprächen mit Bewohnern des Seniorenhauses Riedenburg.

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Von ihrer Kindheit und Jugend erzählten Senioren Achtklässlerinnen der Mädchenrealschule St. Anna. Im Bild Erna Münch, die Schülerinnen Michelle Kappl, Sandra Dietz, Lisa Prem, Christina Leichtl, Laura Gradl und Elfriede Irka (von links nach rechts). Fotos: Johanna Schmid

Von ihrer Kindheit und Jugend erzählten Senioren Achtklässlerinnen der Mädchenrealschule St. Anna. Im Bild Erna Münch, die Schülerinnen Michelle Kappl, Sandra Dietz, Lisa Prem, Christina Leichtl, Laura Gradl und Elfriede Irka (von links nach rechts). Fotos: Johanna Schmid

Von der Klasse 8b der Realschule St. Anna Riedenburg

Riedenburg. „Das Leben ist wie ein Wellengang“: Durch wie viele Höhen und Tiefen ein Mensch im Laufe eines langen Lebens gehen muss, wurde den Schülerinnen der Klasse 8b der Mädchenrealschule St. Anna bewusst, als sie sich von Bewohnern des Seniorenhauses Riedenburg vom Leben in früheren Zeiten erzählen ließen. Die Jugendlichen merkten in den Gesprächen sehr deutlich, wie stark sich ihr Alltag vom damaligen unterscheidet.

In Familien lebten bis zu zehn Kinder

Schon allein die Vorstellung, dass damals acht bis zehn Kinder in einer Familie nichts Ungewöhnliches waren, ist für junge Menschen heute kaum mehr nachvollziehbar. So erzählte Mathilde Reisinger (80), eine Altenheimbewohnerin, von ihrer Kindheit, dass sie als ältestes von sieben Kindern auf einem Bauernhof zur Welt gekommen sei. Wie die Seniorin berichtete, sei es ganz normal gewesen, sich schon in ganz jungen Jahren um die kleineren Geschwister zu kümmern und die Eltern auf dem Hof zu unterstützen. Für Wünsche und Träume, wie sie Jugendliche heute ganz selbstverständlich hätten, sei da kaum Zeit geblieben. Auch die modernen Freizeitmöglichkeiten gab es noch nicht. Die Kinder hatten einfaches Spielzeug wie Puppen, waren die meiste Zeit draußen und spielten zum Beispiel viel im Wald oder auf der Straße.

„So etwas wie einen Spielplatz gab es zu unserer Zeit nicht, da musste dann eben der Steinbruch herhalten“, erzählte Günther Kuhn (68). Früher wurde in katholischen Familien der Namenstag gefeiert, dagegen spielte der Geburtstag kaum eine Rolle. „Es war halt alles anders“, war ein Satz, den die Mädchen bei den Gesprächen mit Bewohnern des Seniorenhauses Riedenburg oft zu hören bekamen.

Das gilt vor allem auch für die Schule – ein Thema, das die Schülerinnen natürlich besonders interessierte. So berichteten Christine Schmidt (87) und Walburga Müller (85), dass in der Schule mit Griffeln auf Schiefertafeln geschrieben wurde, da Hefte kaum verfügbar oder zu teuer gewesen seien. Ungläubiges Staunen rief die Aussage einer Seniorin hervor, dass alle sieben Klassen des Ortes bei einem Lehrer in einem Raum Unterricht hatten: „60 Kinder in einem Klassenzimmer waren ganz normal.“ Ein besonderes Kapitel waren die Strafen, die in Schulen früher verteilt wurden. Viele Altenheimbewohner erzählten vor allem von den Tatzen, die es auf die Finger gegeben habe. Die Bestraften hatten dafür den Stock erst einmal selber holen müssen. Mitunter gab es aber auch noch härtere Bestrafungen. „Wenn wir bestraft wurden, mussten wir eine halbe Stunde auf einem Holzscheit knien“, berichtete beispielsweise Anton Jank (93). Solche Schilderungen trugen dazu bei, dass die Schülerinnen ihren modernen Schulalltag wieder mit etwas anderen Augen sehen.


 

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