Zusatz 11.04.2012, 21:09 Uhr

MZ-Kommentar: Klare Fronten, offene Fragen

USA Die Präsidentschaftswahl ist eine Weichenstellung – und könnte die ohnehin tiefen Gräben nur noch vertiefen.

Eigentlich müssen sich Barack Obama und Mitt Romney freuen. Denn jetzt, nach dem Ausscheiden von Rick Santorum, kann das Duell im November dieses Jahres nur noch zwischen dem amtierenden Präsidenten und dem ehemaligen Gouverneur von Massachusetts stattfinden. Es ist eine Richtungswahl. Eigentlich ist das gut, weil die Fronten klar sind. Aber eben nur eigentlich.

Um sich gegeneinander abzugrenzen, gibt es viele Möglichkeiten. Die einfachste ist die „Ich Tarzan, Du Jane“-Methode: Ich bin, was du nicht bist. Obama hat sehr viel Energie darauf verwendet zu zeigen, dass er nicht Romney ist – und Romney, zu zeigen, dass er nicht Obama ist. Beide stellten klar heraus, was den Amerikanern blüht, sollten sie sich für den Amtsinhaber bzw. den Republikaner entscheiden, wenn der Wahltag kommt. Obama malte ein Amerika der sozialen Kälte. Ein Land, in der die Politik der Bush-Jahre fortgeführt wird, also die Politik, von der bis heute vor allem die Reichen profitieren und die die Ärmeren immer ärmer werden ließ. In der Besserverdienende von Steuersenkungen profitieren.

Laut Weißem Haus ist der durchschnittliche Steuersatz der reichsten 0,1 Prozent der Amerikaner in den vergangenen 50 Jahren von 51 auf 26 Prozent gesunken, während der durchschnittliche Steuersatz der Mittelklasse-Amerikaner im gleichen Zeitraum sich kaum geändert hat oder sogar noch leicht gestiegen ist, von 14 auf 16 Prozent. Dass nun mit dem Multimillionär Mitt Romney, der im Jahr 2010 nach eigenen Angaben nur 14Prozent Steuern auf sein Jahreseinkommen von 21 Millionen Dollar zahlte, nun die Verkörperung dieser Schieflage gegen Obama in den Ring steigen wird, ist ein Glücksfall für Obamas Strategen.

Allerdings ist die Tarzan-und-Jane-Taktik ob ihrer Einfachheit auch riskant. Obama wurde schnell von den Republikanern als politisch links gebrandmarkt – ein schlimmer Vorwurf im politischen Amerika – was Romney ermöglichte, ihn rechts zu überholen. Romney, der eigentlich ein eher gemäßigter Republikaner war und selbst oft als zu links galt, hat seine Positionen im Laufe seiner Kampagne weiter ins konservative Lager geschoben, um sich von Obama stärker abzusetzen. Das ließ ihn zwar als Wendehals erscheinen, machte ihn aber zunehmend attraktiv in einem Land, das im Zweifel eher konservativ als liberal ist.


 

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