Abgesessener Einsatz – damals.
Nicht nur die Stadt Amberg kann in diesem Jahr Jubiläum feiern, auch die „Haustruppe“, die Panzerbrigade 12 „Oberpfalz“, hat ein rundes Fest – sie wird nämlich 50 Jahre alt. Viel hat sich seit der Aufstellung verändert. Manche Umgliederung musste die Brigade hinnehmen, vor allem der Auftrag ist heute ein gänzlich anderer als zu Zeiten der Aufstellung. Weg von der Heimatverteidigung während des Kalten Krieges und hin zu globalen Einsätzen nach der Wiedervereinigung Deutschlands.
Nach dem II. Weltkrieg hatte das besiegte Deutschland zunächst kein Interesse an einer Wiederbewaffnung. Zu sehr steckten der Schrecken und die Leiden des Krieges den Menschen noch in den Knochen. Mit der Aufteilung Deutschlands in Sektoren durch die Siegermächte kam es alsbald zu Differenzen zwischen diesen, die in eine Blockbildung in Ost und West mündete. Die starre Polarisierung ging einher mit einem immensen Wettrüsten zwischen den Kontrahenten.
Bald wurde daher seitens der Politik der Ruf nach der Wiederbewaffnung laut. So wurde im Osten Deutschland am 18. Januar 1956 durch die Volkskammer die Nationale Volksarmee (VA) aufgestellt. Im Westen zuvor schon am 5. Mai 1955 die Bundeswehr ins Leben gerufen und bereits am 12 November die ersten 101 Freiwilligen vereidigt. Damit begann die Geschichte einer deutschen Armee, die von Anfang an auf die demokratische Grundordnung der jungen Republik verpflichtet wurde.
Der Aufstellung waren heftige innenpolitische Diskussionen vor allem zwischen CDU und SPD vorangegangen, ob es moralisch vertretbar sei, nach dem verbrecherischen Krieg von deutschem Boden aus, der Millionen von Tote gekostet hatte, je wieder eine Wiederbewaffnung ins Kalkül zu ziehen. Letztendlich setzte sich Bundeskanzler Konrad Adenauer durch.
Der Kader für die neue Armee wurde aus dem am 16. März 1951 aufgestellten Bundesgrenzschutz (BGS), seinerzeit noch paramilitärisch organisiert und ausgerüstet gebildet. Gleich zu Anfang wurde der Vorwurf laut, dass nahezu alle Offiziere und das Gros der Unteroffiziere aus der Wehrmacht, also aus Hitlers Armee stammen würden. Adenauer konterte, bei der Nato würde man ihm keine 18-jährigen Generäle abnehmen. Am 26. Oktober 1950 berief er Theodor Blank zum „Beauftragten des Bundeskanzlers für die mit der Vermehrung der alliierten Truppen zusammenhängenden Fragen. Blank war CDU-Politiker und Mitbegründer des Deutschen Gewerkschaftsbundes nach dem Krieg.
Er leitete das nunmehrige „Amt Blank“ das der Vorläufer des späteren Bundesministeriums der Verteidigung wurde. Um die Bundeswehr schnellst möglich aufbauen zu können, war am 30. Mai 1956 das vom Bundestag beschlossene 2. Gesetz über den Bundesgrenzschutz in Kraft getreten.
Damit wurde es möglich aus dem Personalbestand des BGS die Bundeswehr aufzustellen. BGS-Beamte hatten vom 1. bis 30. Juni 1956 die Möglichkeit, eine Erklärung abzugeben, dass sie im Bundesgrenzschutz verbleiben wollten. Wer dies nicht tat, wurde automatisch zum 1. Juli 1956 in die Bundeswehr überführt. Vorteil für die BGS angehörigen sie wurden mit dem nächsthöheren Dienstgrad übernommen und ihnen eine schnelle Beförderung in Aussicht gestellt.
In Amberg war 1951, im Aufstellungsjahr des BGS, die Grenzschutzabteilung Süd II S in der Kaiser Wilhelm Kaserne (KWK) gebildet worden. 1954 waren die Grenzschutzausbildungsabteilungen Süd I und Süd II in der Leopoldkaserne aufgestellt worden. 1956 wurde aus BGS-Angehörigen ein Panzerbataillon und ein Flugabwehrbataillon in der Vilsstadt aufgestellt.
Auch BGS-Einrichtungen wie der Schießstand in Gailoh und der Übungsplatz Fuchsstein wurden von der Bundeswehr übernommen. Ende des Jahres 1956 lagen, aus ehemaligen Wehrmachtsoldaten, aus BGS-Angehörigen und Freiwilligen gebildet, der Kampfgruppenstab A4, das Grenadierbataillon 14, die leichte Feldzeuginstandsetzungskompanie 4 in der KWK, in der Leopoldkaserne das Panzerbataillon 4, später unbenannt in Panzerbataillon 123.
Im ehemaligen Wehrmachtstandortlazarett wurde das Chirurgen-Lazarett 4 eingerichtet, und im vormaligen Heeresverpflegungsamt befanden sich nun die Standortverwaltung sowie die Standortkommandantur.
Das erste Großereignis im Standort Amberg seitens der neuen Bundeswehr war am 10.8.1956 die Vereidigung dieser Kadereinheiten. Die ersten Rekruten waren bereits am 1. August 56 eingerückt, um hier in der Stadt ihre allgemeine Grundausbildung zu absolvieren. Die restlichen BGS Einheiten verlegte man nach Coburg und Deggendorf. Der Kampfgruppenstab A4 wurde am 16.03.1959 in Stab- und Stabskompanie Panzerbrigade 12 unter der Führung von Oberst Kurt Rittmann umbenannt. Die Amberger Einheiten und Verbände zudem in einem feierlichen Festakt am 26. Mai des Jahres der Panzer-Brigade 2 unterstellt.
Hinzugekommen waren noch das Versorgungsbataillon 126, dann die Panzeraufklärungskompanie 120 und die Flugabwehrbatterie 120 sowie das Panzerbataillon 124. Von Anfang an gut war auch die Zusammenarbeit mit dem III. Bataillon des 2. US-Panzer-Kavallerie-Regiments Army, das in der ehemaligen Ritter-von-Möhl-Kaserne, den späteren Pond Barracks, lag. Besonders geschätzt waren die deutsch-amerikanischen Freundschaftswochen bei der Bevölkerung. Bis zur Verlegung nach Ende des ersten Golfkrieges war Amberg eben auch Garnison für die US-Armee.