von Werner Schulz
Landkreis. Menschen in und aus der Dritten Welt das Augenlicht zu erhalten bzw. wieder zu geben – dafür engagiert sich seit gut elf Jahren in beispielgebender, weil unbürokratischer, unentgeltlicher und selbstloser Weise die vom Hirschauer Augenarzt Prof. Prof. Dr. med. Dieter Dausch geleitete Hilfsorganisation „Africa Luz Deutschland“. Anfang Dezember 1998 hob er das humanitäre Hilfswerk aus der Taufe, dessen Vorsitzender er bis heute ist.
Auf europäischer Ebene gibt es „Africa Luz“ bereits seit 1995. In der Organisation haben sich Ophtalmologen aus Frankreich, Spanien und Deutschland zusammen geschlossen, um die afrikanischen Staaten im Kampf gegen Erblindungskrankheiten zu unterstützen. Den Anstoß zur Gründung von „Africa-Luz Deutschland“ lieferte ein zweiwöchiger, internationaler Hilfseinsatz. Daran nahmen Prof. Dausch und seine Praxismitarbeiterin Bärbel Birner zu Ostern 1997 in Kamerun und im Tschad teil. Rund 500 Patienten wurden in diesen Tagen am Auge operiert, unzählige kamen und baten um eine Sehhilfe.
Dieses Erlebnis inspirierte Bärbel Birner, in Deutschland eine „Gebrauchtbrillen-Sammelaktion“ zu starten. Diese ist bis heute ein echter Renner. Schon im Dezember 2007 wurde die 50000. Brille in Entwicklungs- und Schwellenländer verschickt, nachdem sie vorher gereinigt, vermessen und sachgerecht verpackt wurden.
Da Dr. Jean Lonis Douenne mit „Africa Luz Frankreich“ mindestens einmal pro Jahr in Afrika tätig war, entschloss sich Prof. Dausch, ein eigenes Projekt in Angriff zu nehmen. Reinhold Birner stieß 1999 auf ein Inserat in einer Fachzeitschrift: „Armenklinik in Kathmandu sucht Augenoperateur!“ Damit war mit Nepal das neue, eigene Einsatzgebiet gefunden. Obwohl Nepal nicht auf dem afrikanischen Kontinent liegt, beließ man es beim Namen „Africa Luz“.
Mit 400 Kilogramm Übergepäck flog im Jahr 2000 ein sechsköpfiges „Africa-Luz-Team“ zum ersten Einsatz nach Kathmandu. Prof. Dausch führte die erste Augenoperation im HNO-OP der „Chhattrapati Free Clinic“ durch.
Angesichts der damit verbundenen Probleme entschied man sich, eine eigene Augenstation zu gründen. Diese ist inzwischen im neu errichteten Anbau der Klinik untergebracht. Bei den folgenden Einsätzen in den Jahren 2001, 2004, 2006 und 2008 konnten Prof. Dausch und sein Team Hunderte von Mittellosen durch kostenlose Augenoperationen vor dem Verlust des Augenlichtes bewahren bzw. zu dessen Wiedergewinn verhelfen.
Mit kostenlosen Augenoperationen half und hilft Prof. Dausch allerdings nicht nur im fernen Nepal, sondern auch vor Ort in der deutschen Heimat. Beispiele dafür sind die heute 17-jährige Maaisah Al Kadher Ahmed Abdulh Almary und ihr um zwei Jahre jüngerer Bruder Sanad. Als die beiden jemenitischen Jugendlichen auf Initiative des „Hammer Forums“ bei der Familie Donhauser in Raigering zu Gast waren, stellte Prof. Dausch 2006 bei Maaisah und Sanad eine Hornhauttrübung fest. Da der Vater nicht mehr lebte und die Mutter mittellos war, war es für Prof. Dausch selbstverständlich, Maaisah und Sanad kostenlos zu operieren und bei ihnen Hornhauttransplantationen durchzuführen.
Im Mai 2009 bei der Africa-Luz-Hauptversammlung machte Maaisah aus ihrer Freude und Dankbarkeit gegenüber Prof. Dausch kein Hehl: „Der Herr Doktor hat mich noch einmal glücklich gemacht!“ Ähnliches könnten Patienten aus Kroatien, Tansania oder auch Nigeria berichten. Die nigerianische Ordensschwester tat dies vergangenes Jahr, als „Africa Luz“ im Hirschauer Josefshaus das „zehnjährige“ mit einem Benefiz-Abend feierte: „Prof. Dausch hat meinem Vater das Augenlicht wiedergegeben – und das ohne Honorar!“
Nachdem das Africa-Luz-Team bis 2006 bei Einsätzen in der Chhattrapati Klinik der Hauptstadt Kathmandu durch kostenlose Operationen vielen mittellosen Nepalesen wieder zum Augenlicht verholfen hatte, setzten Prof. Dausch und Bärbel Birner einen neuen Schwerpunkt. „Wir dürfen die Kinder in diesem Land nicht vergessen, die sich – allein gelassen und ohne jegliche Hilfe – ihren Lebensunterhalt selbst verdienen und durchs tägliche Leben schlagen müssen!“ In Zusammenarbeit mit Sher Kintzl-Bahadur, Vizepräsident der Sozial- und Umweltorganisation „Green Society Nepal“, und Heinz Kintzl, Vorsitzender der „Nepal-Hilfe Direkt e.V.“, konnte man im Royal-Chitwan-National-Park, einem Naturschutzgebiet nahe der indischen Grenze, ein Kinderhaus erbauen: das „Kinderhaus Prof. Dausch – Africa Luz Deutschland“.
Der Grundstein dafür wurde Ende 2006 ohne großes Aufsehen im Dorf Bajauli gelegt, der Bau unter tatkräftiger Mithilfe der einheimischen Bevölkerung errichtet. Mit dem Projekt wollte und will „Africa Luz“ Kindern mittelloser Eltern eine echte Bildungs- und Lebenschance eröffnen.
Seit der Fertigstellung des Kinderhauses 2008 kann jedes Dorfkind – ausgestattet mit selbst geschneiderter Kleidung – die Schule besuchen und nach Unterrichtsschluss unter Anleitung eines nepalesischen Lehrers im „Barbara-Birner-Room“ seine Hausaufgaben machen. Nach der Schule bekommen die Kinder in den Genuss eines warmen Essens und von sauberem Wasser. Außerdem gibt es im Gebäude einen Raum, in dem Mädchen das Schneiderinnen-Handwerk erlernen können. Sie fertigen mit ihren Nähmaschinen neben Schuluniformen auch kleine Andenken an Nepal.
Schließlich befindet sich im Kinderhaus ein Untersuchungsraum für einen Augenarzt. Bärbel Birner konnte den einheimischen Augenarzt Dr. Shestra dafür gewinnen, dass er einmal pro Monat in das Kinderhaus kommt und die Patienten kostenlos untersucht, ja sogar Graue Star-Operationen kostenlos durchführt. Im Gegenzug wird Dr. Shestra durch „Africa Luz“ mit Materialspenden unterstützt. Angesichts dieses vielseitigen Angebotes verwundert es nicht, dass das „Kinderhaus Dr. Dausch“ aus allen Nähten platzt.
Das Kinderhaus ist aber nur ein erster Schritt. Zwischenzeitlich hat „Africa Luz“ in der unmittelbarer Nachbarschaft ein rund 31000 Quadratmeter großes Grundstück zum Bau einer Schule und einer Praxisklinik erworben. Als Anschubfinanzierung für das Projekt hat „Africa Luz“ 20000 Euro zur Verfügung gestellt. Bei Bedarf, so der Beschluss der Vorstandschaft, wird der Betrag auf 30000 Euro aufgestockt. In dem Ambulatorium, für das im Herbst 2009 nach Ende des Monsuns der erste Spatenstich erfolgt ist, werden Räume für Ärzte geschaffen, die dort Sprechstunden abhalten können. Für die Bauüberwachung hat man in Sher Kintzl-Bahadur einen zuverlässigen Partner vor Ort. Er wird im März nach Hirschau kommen und über den Baufortschritt berichten, bevor sich eine „Africa-Luz-Delegation“ im April selbst auf die Reise in den Chitwan-Nationalpark macht.