Geologin Dr. Angela Wirsing, Museumsmitarbeiterin Erika Haßler und Museumsleiter Michael Ritz (von links) haben bei den vielen Steinen die Qual der Wahl.
Von Michaela Fichtner
Theuern.
Wo heute Berge, Kuppen und Täler die Region von Frankenalb bis Oberpfälzer Wald bestimmen, gab es vor gut 200 Millionen Jahren Wüsten, große Flüsse und ein tropisches Meer. Einen Blick in die Erdgeschichte, eine Ahnung davon, wie diese Landschaften entstanden sind, ermöglicht die neue Sonderausstellung „Am Straßenrand“ im Bergbau- und Industriemuseum Ostbayern, die am Sonntag, 22. April, eröffnet wird.
Sie lädt ein zu geologischen Entdeckungen entlang der A6 zwischen Nürnberg und Waidhaus – „im besten Sinn auch ein Stück Heimatkunde“, wie es Museumsleiter Michael Ritz bei einer Vorabpräsentation mit Diplom-Geologin Dr. Angela Wirsing beschrieb, die diese besondere Ausstellung konzipiert hat.
Alles begann mit einer blauen Kiste voller Steine: Sie stammt aus dem Nachlass eines Geologen, der bei der Autobahndirektion Nordbayern beschäftigt war. Seine Kinder hatten diese Proben und Funde für wert erachtet, nicht einfach weggeworfen zu werden. Dr. Wirsing sah sich die Gesteine an, unter denen sie manch vielversprechende Stücke entdeckte. Und da die Fachfrau aus dem fränkischen Heroldsberg schon viele, viele Male auf der Autobahn von Nürnberg nach Theuern unterwegs gewesen ist, reifte Zug um Zug die Idee, die Landschaften entlang dieser Magistrale den Menschen durch die Brille des Geologen näher zu bringen.
Und es ist eine reichhaltige geologische Struktur, die sich entlang dieser rund 130 Kilometer bietet, beginnend in Nürnberg, der „Streusandbüchse“ des Heiligen Römischen Reiches, bis zu den Rosenquarzfelsen in Pleystein und der Silbergrube Waidhaus ganz im Osten. Die große Herausforderung für die „Ausstellungsmacherin“: Alle diese durchaus komplizierten Erscheinungen und Entwicklungen so darzustellen, dass es dem Wissen und Intellekt des Fachmannes genügt, den Laien aber nicht überfordert.
Bei der Präsentation geht man dabei ganz neue Wege – auch räumlich, denn die Sonderausstellung findet sich in der ebenerdigen Industrieabteilung gegenüber dem Hauptgebäude. Der lang gestreckte Raum erwies sich letztlich auch als Glücksfall, denn so kann man die verschiedenen Regionen an der A6 auf einer einzigen, langen Bilderwand darstellen.
Informationstafeln mit prägnanten, erklärenden Texten sowie dem Blick auf Beispiele und Besonderheiten werden ergänzt durch vielfältige Exponate, die das Spektrum der vorkommenden Gesteine entlang der A6 abdecken werden. „Wir wollen damit auch zeigen, dass Sandstein nicht gleich Sandstein ist und Granit nicht gleich Granit“, erklärt Dr. Wirsing die Intention. Und liefert auch gleich Beispiele mit: Es gebe Sandstein, der hellrot ist, aber auch eher weißen. Neben den Farben finden sich auch große Unterschiede bei der Körnigkeit, Erscheinungen, die sich auch dem Laien schnell erschließen würden. Zumal viele Objekte offen präsentiert werden sollen, „da kann man auch mal hinlangen und fühlen.“
Natürlich werden – in Vitrinen – auch besondere Stücke gezeigt, wie beispielsweise Achate oder der „Altdorfer Marmor“, geschliffener Kalkstein mit versteinerten Schnecken, für den sich einst sogar Goethe interessiert hat. So werden auch vergessene Zweige der Industrie, zu denen ebenso der „Stubensand“, das Putzmittel vergangener Jahrhunderte gehört, wieder ins Bewusstsein gerückt.
Wie überhaupt auch die wirtschaftliche Bedeutung nicht vergessen werden darf, die untrennbar mit den hier vorkommenden Gesteinen verbunden ist: von den Erzlagerstätten und dem Bergbau zu den Industriemineralien wie Quarz, Fluss- und Feldspat oder Kaolin – alles Themen auch der Abteilungen im Museum Theuern.
So ist Michael Ritz davon überzeugt, dass das Kultur-Schloss mit „Am Straßenrand“ sowie „Mode & Geschirr“ derzeit zwei sehr markante Ausstellungen präsentiert, die auch die ganze Bandbreite des Hauses deutlich machen, „all das, was wir hier beherbergen, bewältigen und ins Bewusstsein der Menschen bringen möchten“. Und er betont: „Das hat alles mit unserer Umgebung zu tun.“ Im besten Sinn eben Heimatkunde.
Eröffnet wird die Ausstellung „Am Straßenrand. Geologische Entdeckungen entlang der A6 zwischen Nürnberg und Waidhaus“ am Sonntag, 22. April, um 11 Uhr. Zu sehen ist sie anschließend bis zum 25. November. Die Einführung hält Professor Dr. Harald G. Dill zum großen Thema „Die Bundesautobahn A6 – eine Bergbautraverse vom Eisen zum Feldspat“.
Realisiert wurde die Sonderausstellung mit Unterstützung des Bezirks. Die Exponate stammen von Privatsammlern, zum Beispiel von dem weithin bekannten Berthold Weber aus Weiden oder von Heiko Bethke aus Pfreimd, Hobbysammler von Achaten und Gesteinen, die die Naab und ihre Nebenflüsse bergen, sowie aus dem Bergbau- und Industriemuseum Ostbayern in Theuern.
Zur Sonderausstellung gibt es zudem auch ein umfangreiches Begleitprogramm mit geologischen Exkursionen und Besichtigungen in allen Regionen entlang der A6, sogar eigene Veranstaltungen für Kinder. Auch eine Begleitbroschüre wird noch erstellt.