Der Berggasthof platzte aus allen Nähten, so viele interessierte Bürger waren gekommen. Konzentriert verfolgten sie, was Wolfgang Gröll über die Chancen eines Dorfladens erläuterte.
EBERMANNSDORF.
Die Älteren kennen sie noch, die Tante Emma-Läden, die die Grundversorgung in kleinen Gemeinden und Ortsteilen sicher gestellt haben, die sozialer Treffpunkt waren, und bei denen man auch mal nach Ladenschluss etwas einkaufen konnte. Vor etwa 30 Jahren setzte dann das Sterben der kleinen Dorfläden ein. Sie konnten weder preislich noch vom Sortiment her mit Discountern und Einkaufsmärkten konkurrieren.
Vor einigen Jahren hat unter der Devise „Tante Emma is back“ die Renaissance der Nahversorger eingesetzt. Das soll auch in Ebermannsdorf der Fall sein. Dazu hatte die kleine Gemeinde mit 2500 Einwohnern zu einem Informationsabend in den „Berggasthof“ eingeladen.
Mitwirkung der Bürger wichtig
Gekommen waren rund 200 Einwohner, viele mussten wegen Platzmangels wieder nach Hause geschickt werden. „Mit so einem Ansturm haben wir nicht gerechnet“, war die Reaktion des Initiators der Informationsveranstaltung, Bürgermeister Josef Gilch, der eigenhändig noch Biergartenstühle in den Saal trug. Zu Gast war der renommierte Unternehmensberater Wolfgang Gröll, der sich seit Jahren auf die Konzepterstellung, Standortbeurteilungen und Machbarkeit von Bürgerläden spezialisiert hat.
„Wir haben zwar mit großem Interesse gerechnet, aber nicht damit, dass der Saal aus allen Nähten platzt“, begrüßte Gilch die vielen Zuhörer. Der große Zuspruch beweise, dass man mit der Idee eines Dorfladens auf dem richtigen Weg sei. Gerade im ländlichen Raum würden immer mehr Dienstleistungen wie Post, Bank und eben die Lebensmittelversorgung weg brechen, führte Gilch in das Thema ein. Sollten sich die Bürger für einen Dorfladen entscheiden, werde der Unternehmensberater ein Gutachten zur Rentabilität eines Dorfladens und Standortbewertung vornehmen.
Wolfgang Gröll stellte die verschiedenen Modelle, Betreiberformen, Bürgerbeteiligungen und Erfolgsaussichten eines Bürgerladens vor.
In seinem gut zwei Stunden dauernden Power-Point-Vortrag stellte Gröll die verschiedenen Modelle, Betreiberformen, Bürgerbeteiligungen und Erfolgsaussichten eines Bürgerladens vor. Als grundlegende Voraussetzung nannte er die Gründung eines Arbeitskreises aus der Bürgerschaft, der vor Ort den Bürgerladen entwickele. Gröll werde das Projekt vom Aufbau bis zur erwirtschafteten schwarzen Null begleiten.
Laden ist immer auch Treffpunkt
Sein Planungskonzept sieht zudem vor, dass ein Ausstieg aus dem Projekt jederzeit und ohne finanzielle Verluste möglich ist. Von den von ihm projektierten rund 140 Bürgerläden seien 90 Prozent bis heute erfolgreich, „weil der Laden immer vor Ort von den Bürgern entwickelt und betrieben wird.“
Zudem räumte der Unternehmensberater mit dem Vorurteil auf, kleine Dorfläden hätten zu hohen Preise. Wie auch der Discounter oder Großmarkt könnten Dorfläden über Handelsgruppen einkaufen. „Viele Großhändler trauen sich wieder, auch Kleinabnehmer zu beliefern.“ Darüber hinaus biete der Laden regionalen Lebensmittelerzeugern die Möglichkeit, ökonomisch und ökologisch seine Waren anzubieten. Durch eine spezielle Regalaufteilung könnten die kleinen Läden wie ein Einkaufsmarkt eine Fülle an Waren anbieten.
Auch den sozialen Aspekt ließ Gröll nicht außer Acht. Ein Dorfladen sei immer Treffpunkt für die Bevölkerung, es könnten besondere Dienstleistungen angeboten oder Teilflächen im Laden an regionale Erzeuger vermietet werden. „Heimatnahes Einkaufen ist ein wichtiger Servicepunkt für eine Gemeinde, auch wenn der Haupteinkauf weiterhin außerhalb gemacht werden wird“, machte Gröll deutlich. Er rechne in Ebermannsdorf mit einer Abschöpfungsquote von mehr als 25 Prozent, „das reicht, um den Laden am Leben zu halten und Gewinne zu erzielen.“
Der Unternehmensberater stellte drei Betreiberformen vor: Ein Bürger betreibt den Laden allein, es beteiligen sich viele Bürger in einer Bürger-Genossenschaft, oder die Gemeinde übernimmt den Betrieb des Dorfladens. Derzeit würden auch immer öfter Sozialverbände die kleinen Bürgerläden betreiben. „Ein Dorfladen ist nicht auf Gewinnmaximierung ausgerichtet, er soll aber kostendeckend arbeiten.“
Die anwesenden Bürger hatten sich in einer Teilnehmerliste eingetragen. Sie werden nun von der Gemeinde für die Gründung eines Arbeitskreises angeschrieben. Damit ist die „Sensibilisierungsphase, der Impuls“ wie Gröll es nannte, abgeschlossen. Erst dann wird der Umsetzungsprozess beginnen. Auf Bürgermeister Gilchs Frage, ob das Konzept des Dorfladens weiter verfolgt werden solle, machte sich zustimmendes Gemurmel breit. Auch die Wortmeldungen zielten in die Richtung.