Cham auf der Kippe: Bürger sollen über Weg in die Zukunft entscheiden
Angeregte Diskussionen über Cham gab es bei einer kleinen bayerischen Brotzeit vor dem Rathaus.
Am Anfang stand die Enttäuschung. Und zwar der Bürgermeisterin ins Gesicht geschrieben. Karin Bucher machte daraus keinen Hehl. „Schade, ich hätte von unseren über 17000 Einwohnern mehr erwartet.“ Doch trotzdem kam es in der ersten Diskussionsrunde mit den Planern zu einer angeregten Diskussion. Das Thema: Wies soll das Cham der Zukunft aussehen?
Ein spannendes Thema. Doch die meisten hatten nicht erwartet, wie spannend es wirklich ist. Cham gehört zu drei Regionen in Deutschland, deren Entwicklung in sich nicht schlüssig und nicht vorhersehbar ist. Diskussionsleiter Professor Gerd Aufmkolk fasste es so zusammen: „Cham steht auf der Kippe zwischen Stagnation, Aufschwung und Abschwung und Sie entscheiden, wie es weitergeht.“ Vier Experten erklärten den Bürgern zunächst, wo sie in ihren jeweiligen Spezialgebieten Ansatzpunkte sehen.
„Natur ist auch ein Schatz“
Prof. Aufmkolk erläuterte das Projekt „GSEK“. Das Kürzel steht für „Gesamtstädtisches Entwicklungskonzept“. Es gehe darum, dass die Fachleute anleiten, aber die Bürger entscheiden, was wirklich umgesetzt wird. Am Ende müssten Projekte stehen und dazu eine Umsetzungsstrategie. Es gehe um die vier Grundfunktionen der Stadt: Wohnen, Arbeiten, Lernen, Erholung. Cham, so Landschaftsplaner Aufmkolk, sei eine lebendige Kreisstadt, gelegen an Berg und Wasser und umgeben von Naturschutzgebieten. „Das ist nicht nur Hemmnis, sondern auch ein Schatz.“
Regierungsbaumeister Franz Ullrich aus Bamberg sprach zum Thema Städtebau. Es gebe ein großes Potenzial im Tourismus. Cham stehe zwischen Wachstum, Schrumpfung und Stagnation: „Es kann in jede Richtung weitergehen.“ Bei der Bevölkerungsstruktur gebe es eine Wellenbewegung. Derzeit etwas nach unten. Es gebe regen Einzelhandel neben Leerständen. Durch die Stadt laufe mehr Verkehr als durch die Umgehungsstraßen. „Da drängt sich der Gedanke auf, dass was nicht stimmt“, so Ullrich. Wenn man einen 300 Meter-Kreis um den Stadtkern ziehe, dann sei darin alles erreichbar. In Janahof komme man auf dieser Strecke auch nur vom Parkplatz bis zum letzten Regal.

