Cham - Nachrichten 23.12.2009, 09:19 Uhr

Taxifahrer prellt einsame „Oma“ (82) in Cham um eine halbe Million Euro

Cham. Von Marion v. Boeselager

In seiner Heimat, der Osttürkei, war Mehmet A. (34) ein Einserschüler. Als er mit 16 zu seinem Vater nach Cham zog, träumte er noch von der Universität. Doch die deutsche Realität ließ die Träume schnell zerplatzen: Dafür fehlten das Geld und der passende Abschluss. Mehmet kam zu einem Bäcker in die Lehre, werkelte dort jahrelang ohne Abschluss, jobbte später als Lagerist und Taxifahrer. Als ihn der Vater mit 19 mit einer fremden Frau aus der Türkei verheiratete, die er zunächst nicht mochte, „hat es irgendwann in meinem Kopf einen Knall getan“, sagte der heute 34-Jährige vor dem Landgericht Regensburg, vor dem er sich jetzt wegen Betrugs in 86 Fällen verantworten musste.

Unzufrieden mit sich selbst und seinem Leben, begann der junge Türke mit Freunden auszugehen. Bei Ausflügen nach Tschechien fand er Geschmack am Spiel in Casinos, dem er bald völlig verfiel. Täglich, manchmal mehrmals täglich, zog es ihn an den Spieltisch. Um länger spielen zu können - immer in der Hoffnung auf den großen Gewinn - schluckte er die Aufputschdroge Crystal Speed. Die Schulden bei Verwandten und Banken wuchsen ins Astronomische.

Im Sommer 2003 wurde der Taxifahrer per Funk zum Krankenhaus gerufen. Eine alte Dame ließ sich nach einem Klinikaufenthalt heimfahren. Die kinderlose Seniorin und der junge Mann waren sich gleich sympathisch. Immer, wenn die 82-jährige einen Fahrdienst benötigte, verlangte sie nach Mehmet A.. Bald erledigte der junge Mann auch Einkäufe für seine „Oma“, räumte für sie die Wohnung auf. „Ich habe alles gemacht, was sie wollte. Ich habe sie als Oma empfunden“, erzählte er. Doch die Schulden drückten. Auch seine „Oma“ pumpte Mehmet um Geld an. Und entdeckte in ihr eine neue, sprudelnde Quelle, um seine Finanzlöcher zu stopfen. Bis 2007 hatte die Seniorin ihrem jungen Helfer eine halbe Million Euro „als Darlehen“ überschrieben. Immer neue Räubergeschichten, wofür er das Geld benötige, erzählte der Angeklagte der Seniorin, die wohl geahnt haben muss, dass sie das Geld niemals würde zurückbekommen. Ja, sagte Mehmet A., alle Vorwürfe seien wahr. „Oma lügt nicht. Sie sagt immer die Wahrheit. Sie hat zu mir immer gesagt: Der Krug geht so lange zum Brunnen, bis er kaputt ist.“

 

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