Cham - Nachrichten 07.06.2010, 17:58 Uhr

Auf öffentlicher Toilette ausgeraubt

Drogensüchtige Männer schlugen Schwerbehinderten (58) zusammen. Jetzt stehen sie in Regensburg vor Gericht.

Von Marion v. Boeselager

Cham . Der von Kindheit an durch Kinderlähmung schwer behinderte Martin K. (58, Namen geändert) strebte im August 2009 nach etlichen Bierchen mit seinen Trinkkumpanen zu den zwischen dem Chamer Marktplatz und dem Rathaus gelegenen öffentlichen Toiletten, als er dort unversehens von hinten angegriffen wurde. Zwei Männer stürzten sich auf den angetrunkenen Zecher, der laut um Hilfe zu schreien begann.

„Ich bekam Fußtritte und Schläge auf den Kopf“, gab der 58-Jährige jetzt als Zeuge vor dem Landgericht Regensburg an. „Ich wollte mich wehren, dass ich nicht beklaut werde und holte eine Flasche Bier aus meiner Tasche.“ Die sei ihm dann aber über seine Kopf geschlagen worden, sodass er kurzzeitig bewusstlos zwischen Scherben und Bier in der Toilette zu Boden stürzte. Laut Anklageschrift sollen die Täter dem hilflos auf den Fliesen liegenden Mann weitere Fußtritte in den Becken- und Bauchraum versetzt haben. Mit seiner Geldbörse, in der sich neben 70 Euro Bargeld auch seine EC-Karte sowie Personal- und Schwerbehindertenausweis befanden, seien die Räuber geflüchtet.

Als das Opfer um Hilfe rufend und blutüberströmt wieder ins Freie trat, half ihm eine Bedienung, die einen Rettungswagen verständigte. Mit eine Kopfplatzwunde, zwei Rippenbrüchen und Prellungen an der Hüfte kam der 58-Jährige ins Krankenhaus.

Wegen schweren Raubes und gefährlicher Körperverletzung in Mittäterschaft stehen seit gestern der 24-Jährige Chamer Peter B. und der um ein Jahr ältere in Russland geborene Leonid U. vor der 2. Strafkammer beim Landgericht Regensburg unter Vorsitz von Landgerichtsvizepräsident Werner Ebner. Während U. keine Angaben zur Sache machte, legte B. ein umfassendes Geständnis ab: „Der Überfall war meine Idee. Ich habe zu meinem Komplizen gesagt: Den können wir ausrauben“, bekannte er. „Ich habe Herrn K. drei Mal mit der Faust ins Gesicht geschlagen, vielleicht habe ich auch zugetreten, und seine Geldbörse genommen.“ Die Bierflasche will er jedoch nicht auf K.s Kopf zertrümmert, sondern sie in eine Ecke geworfen haben. Nach Entnahme des Geldes habe er die Börse im Regen versenkt.

Der in harmonischen Familienverhältnissen aufgewachsenen Akademikersohn beging die Tat, um Geld für Drogen zu beschaffen. Mit 15 Jahren habe er seinen ersten Joint geraucht, mit 17 Amphetamine geschluckt, seit seinem 22. Lebensjahr ist er heroinabhängig. Die Hauptschule verließ B. ohne Abschluss. Zwei Lehren beendete er nicht, sondern schlägt sich mit Hilfstätigkeiten durch.

Vor Gericht überraschte er mit der Einlassung, er habe bei der Polizei die Unwahrheit gesagt. Sein Mit-Angeklagter Leonid U. sei unschuldig, so B. Er habe falsche Angaben gemacht, um einen Kumpel, mit dem er sich eine Wohnung teile, zu schützen. Das Opfer hatte den Mitangeklagten aber auf einem Foto identifiziert. Der Prozess wird heute fortgesetzt.

 

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