Mehr als sieben Kilogramm Marihuana wurden vergangenes Jahr sichergestellt.
furth im wald.
Der Schmuggel von illegalen Drogen aus Tschechien hat 2011 deutlich zugenommen. Das geht aus dem Jahresbericht der Further Schleierfahnder hervor. Andere Deliktsbereiche, wie die Kfz-Verschiebung, die illegale Einreise oder die Fälschung von Dokumenten seien dagegen nur leicht angestiegen. Das Hauptaugenmerk der Further Schleierfahnder liege im Bereich der Drogenkriminalität. „Die Schmuggler machen es den Fahndern nicht immer leicht, ihre Methoden werden immer raffinierter und einfallsreicher“, berichtet Konrad Freimuth, der Leiter der Fahndungsgruppe.
Im vierten Jahr nach Wegfall der Grenzkontrollen hat laut Jahresbericht die Zahl der festgestellten Delikte (Vorjahreszahl in Klammer) bei der Schleierfahndung ihren bisherigen Höchststand erreicht. 1209 Delikte (762) lassen die Fahnder an die Grenze ihrer Belastbarkeit kommen. Hauptverantwortlich für die massive Steigerung seien die Drogenaufgriffe, deren Abarbeitung oft sehr zeitaufwendig sei.
Crystal im Sandwich
Die Schmuggler verhalten sich dabei nach den Worten von Konrad Freimuth immer raffinierter. Verstecke in speziell dafür angefertigten Schrauben oder Cola-Dosen mit Einsätzen, seien den Fahndern bekannt.
Dass die Konsumenten das Rauschgift in natürlichen Körperöffnungen verstecken, sei schon fast normal. Dem Einfallsreichtum hinsichtlich der Verstecke seien keine Grenze gesetzt. „Crystal zwischen zwei Sandwichhälften war zum Beispiel so ein Versteck!“ Weiterhin würden die Schmuggler versuchen, in den Fahrzeugen die Ware immer professioneller zu verbauen. Deshalb kommen immer öfter Drogenspürhunde zum Einsatz.
486 (238) Anzeigen nach dem Betäubungsmittelgesetz stellen eine Verdoppelung gegenüber dem Vorjahr dar. Dazu kommen noch 210 (125) festgestellte Fahrten unter Drogeneinfluss und elf (9) Fahrten unter Alkoholeinwirkung.
Dies hatte natürlich auch zur Folge, dass die Sicherstellungsmengen in die Höhe schnellten. 7054 Gramm Marihuana (1284 Gramm) und 527 Gramm Metamphetamin (100 Gramm) seien der Beleg für den gestiegenen Absatz auf den grenznahen Vietnamesen-Märkten in Tschechien.
Offensive auf den Märkten
Die große Mehrheit der Schmuggler komme dabei aus dem gesamten ostbayerischen Raum. Die ständige Verfügbarkeit von Marihuana und Crystal (Metamphetamin) auf den grenznahen Vietnamesenmärkten beschreiben die Konsumenten laut der Further Fahnder so: „Ich geh‘ mal schnell was holen!“ Zur Strategie der Vietnamesen gehöre auch das offensive Ansprechen der Käufer auf den Märkten. „Mit Rauschgift lassen sich eben weit höhere größere Gewinne erzielen, als mit Plagiaten von CD’s und Bekleidung“, so Konrad Freimuth.
Waffenrechtliche Verstöße schlagen im Bericht für das Jahr 2011 mit 153 Delikten (74) zu Buche. Die häufigsten Sicherstellungen entfallen dabei auf verbotene Springmesser und Schlagringe. Allen Warnungen zum Trotz beginnt jedes Jahr zum Jahresende hin wieder das selbe Spiel mit dem Schmuggel verbotener pyrotechnischer Gegenstände. 82 (48) mal stellten die Fahnder Feuerwerkskörper sicher und die Besitzer handelten sich eine Strafanzeige nach dem Sprengstoffgesetz ein.
Im Bereich der Urkundendelikte weist die Jahresstatistik 30 (21) Fälle der Fälschung oder Verfälschung von Personal- oder Fahrzeugdokumenten sowie des Ausweismissbrauchs aus. Ausländerrechtliche Verstöße, wie unerlaubte Einreise und illegaler Aufenthalt liegen auf dem Vorjahresstand bei 68 (69) Delikten. Diese wurden in der Mehrzahl an die Bundespolizei zur zuständigen Sachbearbeitung abgegeben, ebenso die 19 (35) Fälle der Leistungserschleichung, das sind die „Schwarzfahrer“ in den Zügen. Weiterhin liegen noch 21 (35) Delikte aus dem Bereich Diebstahl, Unterschlagung und Hehlerei vor. 114 (134) Verkehrsdelikte, wie Fahren ohne Fahrerlaubnis, Kennzeichenmissbrauch oder Verstöße gegen das Kraftfahrzeugsteuer- und Pflichtversicherungsgesetz tragen zum Gesamtergebnis bei. Dazu kommen noch 14 Delikte wie Verstoß gegen Weisungen während der Führungsaufsicht, Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte, Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen, falsche Verdächtigung oder Vortäuschung einer Straftat.
581 Beweismittel sichergestellt
Soweit es die rechtlichen Möglichkeiten zuließen, veranlassten die Beamten 65 (32) erkennungsdienstliche Behandlungen und entnahmen 23 (7) DNA-Proben. 581 (479) mal stellten sie Gegenstände als Tat- und Beweismittel sicher. Dabei handelte es sich um Betäubungsmittel, Waffen und verbotene Gegenstände, Feuerwerkskörper und Dokumente sowie Diebesgut. Darunter waren auch sechs Mobiltelefone, die wegen Diebstahl zur Eigentumssicherung ausgeschrieben waren. Ferner konnten die Fahnder einen Kastenwagen, der in Tschechien gestohlen war, sicherstellen und den dortigen Behörden übergeben.
Im nationalen und internationalen Fahndungsbestand der Polizei landeten die Beamten 193 (133) Treffer, davon 22 (34) im Schengener Informationssystem (SIS), in dem europaweit recherchiert werden kann. 22 (33) mal führten Abfragen zur Festnahme von Personen, die wegen eines bestehenden Haftbefehls national oder international gesucht wurden.
2,2 Kilo Marihuana
Gleich zu Jahresanfang gelang es den Fahndern, die größte Einzelmenge an Rauschgift sicherzustellen: 2,2 Kilo Marihuana, verpackt in einem Vakuumwäschebeutel, lagen im Fond eines Mietwagens aus Regensburg. Die beiden Täter konnten festgenommen werden. Der Haupttäter, ein 24-jähriger Regensburger, wurde zwischenzeitlich vom Landgericht Regensburg zu einer zweieinhalbjährigen Freiheitsstrafe verurteilt.
An Dreistigkeit nicht zu überbieten war der Fall eines 30-jährigen Niederbayern, der ebenfalls im Januar erwischt wurde. Zunächst war er wegen Fahren unter Drogeneinfluss zur Anzeige gebracht worden. Als er am nächsten Tag zur Vernehmung erschien, ließ er sich anschließend nach Tschechien bringen und kam mit einem tschechischen Taxi zurück, um mit dem Mietwagen die Heimreise anzutreten. Als Mitbringsel besorgte er sich noch 555 Gramm Marihuana vom Vietnamesen-Markt.
In einer Reisetasche, eingeschweißt in Alufolie, fanden die Beamten im August ein Kilo Marihuana, das ein 23-jähriger aus dem Landkreis Passau für 4000 Euro und im Auftrag von weiteren sieben Personen auf einem Vietnamesen-Markt in Folmava erworben hatte.
Pass für 2000 Euro
Auch im Bereich der Dokumentenverfälschung verzeichneten die Fahnder interessante Erfolge. Zum Jahresende wollte ein junger Mann aus Ingolstadt seine 30-jährige Bekannte aus Tschechien mitbringen. Diese wies sich zunächst mit einem tschechischen Führerschein und mittels eines Aufenthaltstitels aus. In der Handtasche fanden die Beamten ihren litauischen Reisepass. Die Überprüfung des Dokumentes hielt aber dem wachen Auge des Fahnders nicht stand. Die Humanseite mit dem Lichtbild erwies sich als Totalfälschung von guter Qualität. Bei der Durchsuchung des Begleiters kam schließlich noch die Geburtsurkunde der Frau zum Vorschein. Die Frau war russischer Nationalität und hatte den gefälschten Pass für 2000 Euro in Tschechien gekauft.