Mit einer Ehrenwache am Sarg gaben die Feuerwehrkommandanten das letzte Geleit.
Stamsried.
Die Glocken der Stamsrieder Pfarrkirche schallten über den Markt Stamsried, als sie zu einer der höchsten Feier läuteten, die die Katholische Kirche zu bieten hat: dem Pontifikalrequiem. Zahlreiche Geistliche, politische Vertreter aus Kommunen und Landkreis, sowie Vereine des Marktes Stamsried standen am Samstag beim Trauergottesdienst und der anschließenden Beerdigung am Stamsrieder Friedhof der Familie von Bischöflichen Finanzdirektor und Domkapitular Franz Spießl bei.
Der Seelsorger und Träger der Goldenen Bürgermedaille des Marktes Stamsried war am Maifeiertag im Alter von 82 Jahren verstorben.
Mit einer Ehrenwache am Sarg, welcher bedeckt war mit dem Kapitelkreuz, sowie Prälat Spießls Stola und Kelch, gaben die Feuerwehrkommandanten aus dem Marktbereich dem Verstorbenen das letzte Geleit.
In der voll besetzten Stamsrieder Pfarrkirche zelebrierte Bischof Gerhard Ludwig Müller das Pontifikalrequiem für den langjährigen Bischöflichen Finanzdirektor. In seiner Predigt würdigte er das äußerst verantwortungsbewusste Wirken des Verstorbenen als Finanzverwalter.
„Er hat einen großen Beitrag dazu geleistet das unsere Diözese allen Finanzkrisen zum Trotz, ihre wichtigen Aufgaben im sozialen und karitativen Bereich weiterhin erfüllen kann“, so der Bischof, der in den Fürbitten darum bat das Franz Spießls Wirken in seinem Sinne weitergeführt wird.
Gestaltung durch Kirchenchöre
Das feierliche Requiem wurde musikalisch von Mitglieder der Kirchenchöre Stamsried, Rötz, Roding, Waldmünchen und Neubäu, den Gesangssolisten Johann Fersch und Helmut Prommersberger, sowie Edith Pongratz an der Orgel umrahmt. Die musikalische Leitung oblag Dekanatsmusiker Johann Häusler. Nach der Trauermesse sprach Domprobst Prälat Dr. Wilhelm Gegenfurtner für das Domkapitel und als Vorsitzender des Diözesancaritasverbandes ein „Vergelt’s Gott“ für die Leidenschaft die Prälat Franz Spießl in karitativen Belangen an den Tag gelegt hat und für seine verlässliche Art in der Finanzpolitik, mit der er es ermöglichte, dass die Pfarreien selbst bestimmt ihre Aufgaben erfüllen konnten.
Bischof Gerhard Ludwig Müller mit den Geistlichen in der Stamsrieder Pfarrkirche
„So kantig und streng er oft in seinem nicht einfachen Aufgabenbereich war, so haben wir ihn auch als liebenswerten Menschen geschätzt der für soziale Angelegenheiten immer ein offenes Ohr hatte. Für seine Mitarbeiter war er stets ein guter und gütiger Chef. Dompropst Gegenfurtner, der Prälat Franz Spießl bereits sehr lange kannte, fand auch sehr persönliche Worte des Dankes dafür das ihn der Verstorbene als junger Domvikar väterlich begleitete und wichtige Tipps gegeben hatte. Mit den Worten „Sie waren immer für unseren Prälaten da!“, richtete Gegenfurtner abschließend ein „Vergelt’s Gott“ an die langjährige Pfarrhaushälterin Bärbel Sollich.
„Wir werden mit ihm verbunden bleiben“, so Prälat Heinrich Wachter, der Kurssprecher des Abschlussjahrganges 1955, dem Jahr in dem Franz Spießl zum Priester geweiht wurde.
„Unsere Trauer ist mit großer Dankbarkeit verbunden, dass wir diesen außenordentlich beliebten, engagierten und fleißigen Menschen kennen durften, der deutliche Spuren in seiner Heimatgemeinde zurücklässt“, so Stamsrieds Bürgermeister Herbert Bauer. Mit seinem Tod ist Stamsried um eine große Persönlichkeit, die die Geschicke des Marktes Stamsried durch seinen hohen persönlichen Einsatz, seine Fürsprache stark geprägt hat ärmer geworden. Entscheidend für sein großes Engagement war die Liebe zu seinem Heimatort.
Träger der goldenen Bürgermedaille
So war auch die enge Verbindung zu seinem Bruder, dem früheren Bürgermeister und Senator Wolfgang Spießl, für den Markt Stamsried äußerst segensreich. In Würdigung seiner außerordentlichen persönlichen Verdienste wurde Prälat Domkapitular Franz Spießl im Jahr 1994 die goldene Bürgermedaille des Marktes Stamsried verliehen.
„Wir alle verlieren mit Prälat Domkapitular Franz Spießl einen steten Fürsprecher und Förderer, der zeit seines Lebens eine große Verbundenheit zur Heimat mit einem unermüdlichen Einsatz zum Wohle der Menschen zeigte“, so der Stamsrieder Bürgermeister.
Stellvertretender Landrat Fritz Winkelmann würdigte die Verbundenheit des verstorbenen Domkapitulars mit seinem Heimatlandkreis Cham. „Prälat Spießl war immer einer von uns. Bodenständig, bescheiden und freundlich haben wir ihn als Menschen geschätzt der neben seiner Liebe zu Gott, auch die Liebe zu den Menschen und seiner Heimat gezeigt hat. Er hat zahlreiche Baummaßnahmen im sozialen Bereich finanziert, sich für den Erhalt der Kirchen als wesentlichen Bestandteil der Kulturlandschaft eingesetzt und Vorhaben der Pfarreien sehr entgegenkommend gefördert. Auch das Caritas-Altenheim in Roding, in dem er am Morgen des 1. Mai für immer die Augen schloss, verdankt sein Bestehen dem Einsatz von Franz Spießl.“
Für seine herausragenden Verdienste wurde Prälat Franz Spießl 1991 das Kreisehrenzeichen in Gold, die höchste Auszeichnung des Landkreises Cham, verliehen.
Bernried war seine Pfarrgemeinde
Otto Nachtmann, Stadtpfarrer von Rötz, blickte auf die vielen Jahre zurück in denen Prälat Franz Spießl als Seelsorger in der Pfarrei Bernried gewirkt hat. „Es war immer seine Pfarrgemeinde die er liebte und die ihn liebte.“ Im Zusammenfallen seines Todestages mit dem „Hochfest Maria“ sah Pfarrer Nachtmann eine besonders Bedeutung. Das Bildnis Marias schmückt die Altarwand in der Bernrieder Kirche vor der Prälat Spießl zahlreiche Gottesdienste mit den Bernrieder gefeiert hatte. „Mit Maria im Rücken ist gut leben und gut sterben“, zeigte er sich überzeugt. Er sprach die Hoffnung aus, das Gott dem Verstorbenen alles lohnt was er für seine lebendige Gemeinde getan hat. „Vergelt’s Gott Prälat Spießl, Vergelt’s Gott lieber Franz!“
Um zwölf Uhr ging ein langer Trauerzug zum Stamsrieder Friedhof, wo Franz Spießl in der Priestergruft seiner Heimatgemeinde beigesetzt wurde. Eindrucksvoll verabschiedeten sich die anwesenden Geistlichen mit dem Gesang des uralten, lateinischen „Salve Regina“ von Domkapitular Franz Spießl.
Die Stamsrieder Blasmusik setzte mit dem geistlichen Lied Amazing Grace („Unglaubliche Gnade“) einen bewegenden Schlusspunkt unter die würdevolle Trauerfeier.