Scharfe Sachen aus dem Garten
Für die Kresse genügt ein kleines Fleckchen Boden. Brotaufstriche davon sind nicht nur lecker, sondern auch sehr gesund.
Kresse (Lepidium sativum) kennen viele nur in kleinen Pappkartons aus dem Supermarkt oder selbst gezogen im Winter in der Keimschale in der warmen Wohnung. Bei uns daheim darf die Kresse auch üppig im Garten wachsen und wir ernten reichlich davon. Eigentlich hat sich der Anbau der Gartenkresse bei uns ganz zufällig ergeben. Ein flacher Teller mit einigen Lagen Küchenpapier, dicht darauf Kressesamen und immer gut feucht gehalten, hatte uns im Winter mit frischem Grün und Vitaminen versorgt. Als alles abgeerntet war, entsorgten wir das durchwurzelte Küchenpapier im Garten, wo die Kresse in der Frühlingssonne munter weiterwuchs und schließlich eine Menge Samen ausbildete, die wir auf einem Gartenvlies gesammelt und teils wieder ausgesät haben. Der Kresse kann man ja fast beim Wachsen zuschauen, so rasch entwickelt sie sich. Man braucht kein eigenes Beet, um laufend frische Kresse ernten zu können, das wäre viel zu viel. Ein kleines freies Fleckerl genügt und von einem halben Quadratmeter Boden gewinnt man auch genug Samen, um im Winter Kresse im Haus zu ziehen.
Gartenkresse schmeckt roh leicht scharf, der Geschmack erinnert an Senf und Rettich, was am Gehalt an Senfölglykosiden liegt. Verwendet wird sie für kalte Aufstriche, mit Frischkäse oder Quark, und für Salate. Manchmal streut man die gehackten Blätter auf warme Speisen wie Gemüsesuppen oder Eierspeisen. Auch beliebt sind gehackte Gartenkresseblätter auf Butter- oder Schmalzbrot.
Ich schätze auch die warme Kressesoße, die meine Frau auf Basis einer hellen Einbrenne, ähnlich wie die Kren- oder Dillsoße, zubereitet. Die Kresse verliert dabei ihre Schärfe, das Aroma bleibt. Die Soße passt gut zu gekochtem Rindfleisch und böhmischen Semmelknödeln (Knödelteig im Prinzip wie der normale Semmelknödel, nur als Rolle gegart, von der Scheiben geschnitten werden).
Die Gartenkresse stammt vermutlich aus dem Vorderen Orient, ihre Samen wurden schon in alten Pharaonengräbern gefunden. Auch Griechen und Römer schätzten sie, Karl der Große verordnete ihren Anbau in seinen Kapitularien.





