Cham 29.06.2012, 18:04 Uhr

Stadthalle: Debatte über zwei Orte

Der Chamer Stadtrat fordert trotz positiver Machbarkeitsstudie für die Stadellohe, den Altstandort gleichwertig im Auge zu behalten.

Im Vergleich zum Standort Stadellohe nicht konkurrenzfähig, aber immer noch attraktiv sehen große Teile des Stadtrates den Standort der alten Stadthalle. Er soll im Rennen bleiben. Foto: Schiedermeier

Im Vergleich zum Standort Stadellohe nicht konkurrenzfähig, aber immer noch attraktiv sehen große Teile des Stadtrates den Standort der alten Stadthalle. Er soll im Rennen bleiben. Foto: Schiedermeier

Von Johannes Schiedermeier

CHAM. Im Angesicht einer Machbarkeitsstudie, die den Standort Stadellohe für den Bau einer Stadthalle eindeutig favorisiert, stellte sich am Donnerstagabend der Stadtrat dieser Debatte. Einstimmig beschloss das Gremium eine entsprechende Voranfrage an das Landratsamt zu richten, um festzustellen, ob ein Bau im Überschwemmungsgebiet überhaupt genehmigungsfähig ist.

Eines stellte der Fraktionsführer der Chamland-Fraktion, Mich Daiminger, von vorne herein klar: Der Stadtrat wünsche sich trotzdem, dass der Altstandort angemessen einbezogen wird. Auch bei der Bürgerversammlung am 10. Juli, um 19 Uhr, im Langhaussaal.

Bürgermeisterin Karin Bucher sicherte dies zu, sagte aber gleichzeitig, dass den Bürgern sicher der alte Standort bekannt genug sei und der Standort Stadellohe unbestrittene Vorzüge habe. „Wir sind Kreisstadt und wir brauchen eine Stadthalle, die diesen Ansprüchen genügt“. Darüber waren sich alle einig. Stadtrat Josef Rädlinger formulierte es so: „Die Zeit ist reif und wir können uns das Projekt leisten.“

Natürlich wurde an diesem Abend auch über Geld geredet und über die Lage im Überschwemmungsgebiet. Hier gibt es die größten Befürchtungen im Stadtrat. Stadtbaumeister Franz Pamler präsentierte erste Berechnungen des Ingenieurbüros Blasy-Overland, das bisher fast alle Gutachten über den Einfluss von Bauten auf das Überschwemmungsgebiet gefertigt hat. Ergebnis: 440 Quadratmeter des Baukörpers der Stadthalle Stadellohe dürften den Boden berühren. Der Rest müsste auf Stelzen. Dann ergebe sich eine „akzeptable Beeinträchtigung“ des Umfeldes von wenigen Zentimetern. Eine weitere Reduzierung Richtung Null sei durch die Form des Baukörpers möglich, die in einem Architekten-Wettbewerb ermittelt werden soll.

Auf Anfrage des Bayerwald-Echos äußerte sich dazu am Montag die Leiterin der Bau- und Umweltabteilung des Landratsamtes. Oberregierungsrätin Martina Altmann stellte klar, dass ein solcher Bau nicht von vorne herein ungesetzlich wäre. Allerdings gebe es im Paragraf 78 des Wasserhaushalts-Gesetzes zweieinhalb Seiten enge Vorgaben für eine Erlaubnis. Insbesondere müsse umfangreich nachgewiesen werden, dass es keinerlei negative Beeinträchtigungen für Ober- und Unterlieger gebe. Dann sei eine Ausnahme möglich. „Da können auch zwei Zentimeter mehr Hochwasser schon zuviel sein. Kommt ganz darauf an, wo die sind“, so Altmann.

Neben Einsprüchen von Anliegern fürchtet man im Stadtrat noch eine zweite Kröte zu schlucken: die rund 500000 Euro jährlicher Betriebskosten. Hier wünscht man sich genaue Erhebungen über die Kosten an beiden Standorten. Die Verwaltung geht davon aus, dass die Gesamtkosten mit 13,5 Millionen realistisch bleiben.

 

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