Kornelia Baschek-Steffel hat ein Buch über ein heikles Thema verfasst und spricht aus Erfahrung. Foto: ma
Von Martin Anton, MZ
Neukirchen b. Hl. Blut. Sie wollte mal etwas anderes machen. Etliche Bücher hat Kornelia Theresia Baschek-Steffel schon geschrieben, über Magie, Engel und Hexen – esoterische Bücher. Nach mehreren Jahren Pause geht es in ihrem neuesten Werk um etwas, das für den einen oder anderen auch mit Zauberkraft zu tun hat: den weiblichen Orgasmus.
Die 47-Jährige beschreibt im 100 Seiten starken Büchlein „Lug, Betrug und schlechter Sex“ ihre Erfahrungen mit dem anderen Geschlecht. Dass die nicht immer gut waren, verrät schon der Titel. „Es gibt nur wenige Männer, die die Bedürfnisse der Frau berücksichtigen“, erzählt Baschek-Steffel, während sie Kaffee und Kuchen bringt. Nach Gesprächen mit ihrer Tochter, Freundinnen, Ärzten und Recherchen im Internet kommt sie sogar auf eine Prozentzahl: 80 Prozent der Männer, so das vernichtende Urteil, haben keine Ahnung von dem, was sie im Bett machen, beziehungsweise „finden den Lichtschalter“ nicht, wie die Autorin etwas verklausuliert schreibt, obwohl sie sonst sicherlich nicht darum verlegen ist, die Dinge beim Namen zu nennen.
Nicht jeder findet den Lichtschalter
„Der Ausdruck kommt von meiner Tochter“, sagt Baschek-Steffel. Die wollte ihrem Mann das mit dem Orgasmus erklären, worauf dieser entrüstet von sich gab: „Ich werde den Lichtschalter schon noch finden.“ Ja, sie und ihre Tochter erzählen sich alles. „Sie ist meine beste Freundin..“ Überhaupt ist ihr ihre Familie das Wichtigste, und „in Frieden zu leben“. Denn nicht immer wohnte die 47-Jährige so idyllisch wie jetzt auf einem alten Hof inmitten von Hunden, Hühnern und schönster Landschaft am Ortsrand von Neukirchen.
Aufgewachsen in Freising, zog sie in den 1980ern mit ihrem damaligen Mann nach Norddeutschland und blieb dort die nächsten Jahre. Erst nach der Scheidung kam sie mit ihrem Sohn zurück nach Bayern, genauer gesagt nach Waldmünchen. „Das war das Schönste überhaupt“, sagt sie rückblickend. Allerdings war es auch gewöhnungsbedürftig, sowohl für ihre Familie als auch für die Stadt.
Nicht nur, dass sich Kornelia Baschek-Steffel selber als Hexe bezeichnet, ihr Auftreten ist nicht gerade subtil. Ein Berg schwarz gefärbter Haare, farbenfrohe Kleidung, aussagekräftige Schminke und Parfüm sowie, wenn möglich, Stöckelschuhe – für manchen Ort im Bayerischen Wald vielleicht zu viel. Auch ihr inzwischen 17-jähriger Sohn Adrian hatte anfangs Probleme. „Der sprach ja noch plattdeutsch“, sagt sie lachend.
„Ich hatte nichts mehr“
Die Schwierigkeiten gingen noch weiter. Nach dem Umzug nach Furth im Wald brannte die Wohnung herunter und sie mussten in eine Pension nach Roding ziehen. „Ich hatte nichts mehr, nicht mal Schuhe“, erzählt sie. „Ohne die Hilfe der Leute hätte wir es nicht überstanden.“
In Roding lernte sie ihren jetzigen Verlobten Udo kennen. Nachdem sie vorher 17 Jahre verheiratet war und bereits vier Kinder hatte, wagte sie sich noch einmal in eine Beziehung. Nach mehr als einem Jahr kann sie ihn wohl den 20 Prozent zuordnen. „Ich komme in dem Buch gut weg“, sagt ihr Verlobter und lacht.
Von den Männern vor ihm kann man das nicht gerade sagen. Daher drängt sich bei „Lug, Betrug und schlechter Sex“ leicht die Vermutung einer Abrechnung auf. Doch davon will Baschek-Steffel nichts wissen: „Das Buch ist nicht männerfeindlich. Ich schreibe einfach, was ich erlebt habe.“ Sie wollte lustig über Sex erzählen, aus der Sicht einer Frau. „Das hatte ich so noch nirgendwo gelesen.“
Auch für die Frauen hat sie Ratschläge. „Sie müssen offener sein und sich selbst begehren. Die wenigsten Frauen trauen sich zu sagen: Ich liebe Schweinkram.“ So handele es sich um ein Aufklärungsbuch, vor dem man keine Angst haben müsse. „Es geht nicht darum, mit dem Zeigefinger auf jemanden zu zeigen“, versichert sie, „sondern um Spaß“ – und um Kommunikation. „Nur Reden hilft“, findet sie, „man kann ja nicht riechen, was der Partner möchte.“
Konservativ-christliche Kindheit
Dass sie mit ihrem offenen und expliziten Umgang mit der Sexualität in ihrer Heimat vielleicht anecken wird, ist ihr durchaus bewusst. „Ich hatte eine sehr konservative, christliche Mutter“, erzählt Baschek-Steffel. In ihrer Jugend war es sehr wichtig, dass ihre Schwester und sie immer „brave, anständige Mädchen“ waren. Die Verklemmtheit der Mutter nahm teilweise absurde Züge an. „Wenn wir unsere Tage hatten, durften wir nicht mit Jungs spielen“, erinnert sich die Autorin. Im Gegensatz dazu unternahm die Mutter nichts, wenn der Vater die Mädchen misshandelte.
Umso wichtiger war der 47-Jährigen daher, dass sie ihre Kinder offen erzog. „Wir haben über alles geredet“, versichert sie. So ist ihr auch das Buch nicht peinlich vor den Kindern. Im Gegenteil: Der 17-jährige Adrian und die 23-jährige Joana mussten sogar gegenlesen. So hofft sie, dass auch ihre Leser künftig offener mit dem Thema Sex umgehen und vielleicht beim Orgasmus nicht mehr an Magie glauben.
Hexe, Autorin und Sexualberaterin
Theresia Kornelia Baschek-Steffel wurde am 1. September 1964 in Windach im oberbayerischen Landkreis Landsberg am Lech geboren.
Nach einem Psychologiestudium führte sie zwei Jahre eine Praxis in Passau. Diese schloss sie nach dem Tod ihrer Schwester und zog nach Norden.
Im Jahr 1998 erschien ihr erstes Buch „Die weiße Magie der Hexe Theresia“ im Peter Erd Verlag. Es folgten 19 weitere Bücher zum Thema Magie, Astrologie und Engel.
Das Buch „Lug, Betrug und schlechter Sex“ ist im von Baschek-Steffel gegründeten Stern Verlag erschienen, kostet 9,95 Euro und ist bei verschiedenen Internethändlern oder unter www.stern-verlag.info bestellbar.
Die Autorin gibt passend zum Buch ein Seminar zu Sexualität für Frauen und gibt in den kommenden Wochen Lesungen aus ihrem Buch. Infos dazu ebenfalls über die Internetseite.