Mit seinem Debütfilm „Transbavaria“ und dem Konzept dafür, dass Konstantin Ferstl in der Hand hält, will sich der Abensberger in der Filmwelt präsentieren. Gedreht soll der Roadmovie größtenteils in Abensberg, auch wenn die Drehorte noch nicht feststehen.
Abensberg.
Seit fünf Jahren plant er diesen Film. Und in diesem Sommer wird er Wirklichkeit. Der Abensberger Konstantin Ferstl wird im Juli und August seinen Abschluss- und zugleich Debütfilm in seiner Heimatstadt drehen – größtenteils. Denn der Film spielt „zwischen Donau und Dnejpr“. Es ist ein Roadmovie mit dem vorläufigen Arbeitstitel „Transbavaria – die Revolution spricht bayerisch“.
Ferstl ist angeschlagen. Die zweimonatige Reise nach Mexiko und Kuba ist seit drei Tagen vorbei, aber seine Bauchschmerzen sind es nicht. Auch der Jet-Lag plagt ihn noch. Außerdem wurde sein Handy gestohlen. Aber wenn das Gespräch auf seinen neuen Film kommt, vergisst der 25-Jährige alle Schmerzen. Und erzählt. Wie komplex die Filmwelt ist, wie viele Rädchen da ineinander greifen müssen, damit die Zuschauer am Ende im Kino (hoffentlich) gut unterhalten werden. Und welche kleine Rolle in dieser riesigen Welt ein Regisseur eigentlich spielt.
Auch seinen letzten Film „Tage wie Jahre“ hat Ferstl in Abensberg gedreht. Damals hat er sehr viel Hilfsbereitschaft und Engagement von den Abensbergern erfahren. „Man kann hier Dinge tun, die sonst nirgendwo möglich sind“, sagt Ferstl, der zurzeit eine Wohnung in Abensberg sucht. Es gebe zwar nicht die Strukturen, wie in größeren Städten – „aber mehr Bereitschaft“, so ist seine Erfahrung. Wo sonst bekomme man schnell 500 Menschen für eine Szene zusammen? Auch die Toleranz der Menschen gegenüber Filmen sei höher als zum Beispiel in München, wo 20 Filme pro Woche gedreht werden. „Bei einem Erfolg im Kino würde mir das Herz aufgehen“, sagt Ferstl, wenn sein Film abseits der üblichen Pfade der Filmwelt – in Abensberg – gedreht werde.
Der richtige Drehort ist nicht unwichtig. Denn: „Transbavaria“ sei seine „Platzierung in der Filmwelt“, sagt Ferstl. Der Film handelt von drei Jugendlichen aus Abensberg, die nach dem Abitur auf eine abenteuerliche Reise nach Moskau aufbrechen. Dafür stielt einer von ihnen das Auto seines Vaters. „In Moskau kommen sie natürlich nie an“, sagt Ferstl. Wie bei allen Roadmovies geht es in dem Film weniger um die Reise in ein anderes Land, als mehr um die Reise in sich selbst. Bald geraten die drei Freunde aneinander und müssen zusehen, wie sie in der Fremde wieder zu sich selbst und zueinander finden.
Der Regisseur hat selbst auch eine ähnliche Reise gemacht – mit der Transsib von Moskau nach Peking. Aus dieser Erfahrung entstand auch die Idee zum Film. Und wenn seine Helden durch die Ukraine reisen, möchte Ferstl, dass die Zuschauer im Kino das erleben, was er damals im Zug erlebt hat.
Noch aber kämpft der junge Regisseur um Fördergelder. Denn das Budget für den 90-minütigen Film liegt bei einer halben Million Euro. Zum Vergleich: Sein letzter Kurzfilm – „Tage wie Jahre“ – hat 70000 Euro gekostet. Die Stadt Abensberg bezuschusst seinen Debütfilm mit 5000 Euro. Außerdem hat sich Ferstl um bayerische und bundesweite Filmförderungen beworben, er sucht aber noch Sponsoren, TV-Sender und Kino-Verleihe. Allein die Bewerbung um Filmförderung ist eine Wissenschaft für sich. Auf 200 Seiten muss jede Schraube, jedes Detail und Kameraeinstellung erläutert und begründet werden. „Ist ja klar, wenn ich einen Hubschrauberflug über die Zugspitze für 10000 Euro haben will, fragen sie nach, ob es wirklich nötig ist“, erklärt Ferstl. Immerhin stammt das Geld von den Steuerzahlern. Doch von der Förderung hängt auch seine Zukunft ab: „Nach drei Flops gibt dir keiner mehr Geld“, sagt Ferstl.
Bis März finden nun die Castings statt. Seinen Hauptdarsteller hat er bereits „per Zufall“ gefunden. Ein 18-jähriger Abensberger, dessen Name noch geheim bleiben soll, ist schon gebucht. „Der ist es einfach“, sagt Ferstl, denn er verkörpere den Erzähler, wie sonst niemand. Auch die anderen zwei Freunde sollen unbekannt sein und aus Abensberg kommen. Für weitere Rollen stehen wieder Ottfried Fischer und „weitere bekannte Schaupieler“ vor seiner Kamera. Im Juli und August wird gedreht – größtenteils in Abensberg. Dafür soll sogar eine polnische Gaststätte in Abensberg nachgebaut werden. Außerdem sucht Ferstl noch ein altes, verlassenes Kloster, dass in ein russisches Kloster umgebaut werden soll.
Bis dahin arbeitet der Regisseur am Storyboard, bei dem einzelne Szenen gezeichnet werden, es gibt Kostümproben, Maskentests, Besprechungen mit Kameramann, Szenenbildner und Produzenten. Sein erster Langfilm fordert Ferstl. Beim Dreh wird er Zwölf-Stunden-Tage haben und viele Entscheidungen treffen müssen, sei es die Kameraeinstellung oder die Länge oder Farbe der Vorhänge. Außerdem muss er beim Dreh seine Mitarbeiter motivieren. „Ich bin der erste am Set und letzter, der geht“, sagt er, „und ich muss jedem am Set das Gefühl geben, dass er ernst genommen wird.“
Und am Ende schnipseln Produzenten, Marketingmenschen und Kino-Verleih an seinem Film herum. Sie werden ihn bewerben und einen Trailer drehen, der die Menschen in die Kinos locken soll. Aber da ist der Regisseur längst wieder zu seinem nächsten Projekt unterwegs. Der 25-Jährige wil eine Doku über die Satellitenstadt Zvjezdnyj Gorodok bei Moskau drehen. Bis dieses Projekt aber realisiert wird, werden keine fünf Jahre verstreichen.