Kelheim - Nachrichten 09.03.2010, 19:02 Uhr

700 Schüler riskierten einen Blick in ihre Zukunft

Eine angehende Kinderpflegerin zeigt den Hauptschülerinnen, wie man richtig Windeln wechselt. Aber nur daraus besteht der Job nicht.

Eine angehende Kinderpflegerin zeigt den Hauptschülerinnen, wie man richtig Windeln wechselt. Aber nur daraus besteht der Job nicht.

Kelheim . Immer früher müssen sich Schüler entscheiden, wie sie ihre Zukunft gestalten wollen. Damit sie zum richtigen Beruf finden, fand am Montag und Dienstag in der Berufsschule Kelheim eine Infomesse statt. Das Besondere: Nicht Lehrer oder Meister, sondern Berufsschüler stellten den Siebtklässler aus den Hauptschulen des Landkreises Berufsfelder vor.

„Das soll der erste Schritt in Richtung Berufsorientierung sein“, erklärte Hubert Ramesberger. Der 32-jährige Lehrer hat die Messe zusammen mit seinem Kollegen Harald Wintersberger aus Neustadt organisiert. „In einem Jahr müssen sich die Schüler entscheiden, was sie werden wollen. Denn bereits am Ende des achten Schuljahres beginnen die Bewerbungsfristen bei den großen Firmen“, berichtete Hauptschullehrer Wintersberger. Daher sei es jetzt für Schüler enorm wichtig, erste Kontakte mit der Berufswelt zu knüpfen. Die Berufsschüler sind kaum älter als die Siebtklässler – da plauscht es sich viel entspannter als mit Lehrern.

Die Messe sei nur der erste von vielen Schritten, die die Kooperation von Haupt- und Berufsschule verbessern sollen. Wintersberger und Ramesberger sind „Multiplikatoren“ an ihrer Schule. Das heißt, sie setzen sich verstärkt für eine stärkere Zusammenarbeit ein. In Niederbayern soll ihr Modell viele Nachahmer finden.

Heuer findet die Berufsmesse zum zweiten Mal statt. 700 Schüler waren für die zweitägige Veranstaltung angemeldet; wie viele tatsächlich gekommen sind, kann Ramesberger nicht sagen. Denn im hellen Foyer, dem Messestandort, herrscht Tumult. Die Schüler aus Abensberg, Bad Abbach und Neustadt kamen in dicht besetzten Bussen und drängen sich nun zwischen dicht an aneinandergereihten Ständen und grauen Tafeln.

Die Berufsschüler haben die Stände selbst gestaltet und betreuen sie nun selbst. „Die Lehrer haben zu uns gesagt: Wir sollen das alleine machen. Und wenn einer Lehrer da wäre, würde sicher keiner zu uns kommen“, erklärte Eva Göttl. Die 16-Jährige ist im zweiten Lehrjahr an der Berufsfachschule Regensburg. Die angehende Pflegehelferin hat bis jetzt schon 100 Siebtklässler beraten und ihnen aus ihrem Alltag erzählt. „Mir macht der Job unheimlich Spaß. Aber ein Pflegeberuf ist nicht für jeden etwas. Denn man muss auch mal seinen Ekel überwinden.“ Ein paar Stände weiter sitzt Mai Thengwatthana – ein Mädchen in einer Männerdomäne: Sie wird gerade zur Fertigungsmechanikerin ausgebildet. „Ich gehe gern zur Arbeit. Und das ist ein Job, den auch Mädels problemlos machen können.“ Ein paar Hauptschülerinnen habe sie heute schon beraten. Vielleicht war eine künftige Kollegin auch dabei…

 

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