Das Kraftwerk bei Poikam wurde im Jahr 2000 bereits erweitert. Foto: Archiv
NEUSTADT/KELHEIM.
2009 tauchte es auf und wurde zum Schreckgespenst für Angler und Naturschützer – jetzt, mit dem Konzept „Energie innovativ“ der bayerischen Staatsregierung, dürfte ein neues Wasserkraftwerk an der Donau bei Neustadt-Eining wohl endgültig wieder in der Versenkung verschwunden sein. Beim bayerischen Umweltministerium drückt man sich zwar vor einem klaren „Nein“ und verweist stattdessen darauf, dass das Landratsamt die Genehmigungsbehörde wäre. Aber Brancheninsider bestätigen hinter vorgehaltener Hand, dass ein solches Großprojekt an einem Flussabschnitt ohne bestehenden Querverbauungen faktisch nicht mehr realisierbar sei, angesichts des mehrjährigen Genehmigungsverfahrens und einem wohl massiven öffentlichen Widerstand. Andererseits setzt die bayerische Energiepolitik dezidiert auf den Ausbau der Wasserkraft. Im Kreis Kelheim könnten dazu allenfalls die kleinen und mittleren Anlagen beisteuern. Doch dies lehnen Umweltverbände und Fischerei ab.
Studie sieht Potenzial in Neustadt
Ein neues Kraftwerk an der Donau wäre grundsätzlich Aufgabe der Rhein-Main-Donau AG (RMD) und der E.ON Wasserkraft GmbH (EWG): Die RMD hat an der Donau die Konzessionsrechte; den Betrieb (und gegebenenfalls Bau) der Anlagen hat sie der EWG übertragen. Beide Unternehmen (und die Bayerischen Elektrizitätswerke) legten 2009 eine Potenzial-Studie zur Wasserkraft in Bayern vor. Als einziger Standort für ein neues Donau-Kraftwerk im Landkreis ist dabei Neustadt genannt. Denn jedes neue Kraftwerk zwackt dem Fluss ein wenig von seiner Energie ab – und damit auch den bestehenden Kraftwerken. Neue Anlagen bräuchten also genügend Abstand zu bestehenden, damit unterm Strich alle rentabel bleiben, erläutert EWG-Sprecherin Carolin Patzner. Sie erläutert dies alles freilich im Konjunktiv: „Wir sehen durchaus das Potenzial am Standort Neustadt. Aber momentan gibt es für eine Anlage dort definitiv keine Planungen oder Entscheidungen.“ Dieselbe Botschaft kommt auch von RMD-Sprecher Jan Kiver.
Bayerns Energiekonzept setzt stattdessen vor allem auf das Optimieren bestehender Anlagen. Beim einzigen Groß-Kraftwerk im Landkreis – an der Donau bei Bad Abbach-Poikam – ist jedoch auch dieses Potenzial schon ausgereizt, erklärt Carolin Patzner. Das dortige Kraftwerk von 1978, mit sechs Megawatt (MW) Leistung, wurde im Jahr 2000 um ein weiteres Triebwerk ergänzt. Es liefert weitere 3,5 MW – die übrigens ausschließlich ins Stromnetz der Deutschen Bahn fließen. Die beiden Anlagen in Poikam erzeugen rund 64 Millionen Kilowatt-Stunden Strom im Jahr und könnten damit rechnerisch rund 18000 Privathaushalte versorgen.
Viele kleinere Anlagen vorhanden
Der „große Wurf“ in Sachen Wasserkraftnutzung ist also im Kreis Kelheim nicht zu erwarten – oder zu befürchten, je nach Sichtweise. Bleiben die vielen Stromerzeugungsanlagen kleiner und mittlerer Dimension (also unter einem MW Leistung, oft auch nur 30, 40 Kilowatt) an den kleineren Fließgewässern: An der Laaber etwa verzeichnet der „Energieatlas Bayern“ acht solcher Anlagen auf Kreisgebiet, an der Abens gar 16; weitere finden sich an der Schambach, am Feckinger und am Siegbach Bach und am Altmühl-Kanal.
Aktuell liegen am Kelheimer Landratsamt – der fürs Wasserrecht zuständigen Stelle – zwar keine Anträge vor, eine der Anlagen auszubauen oder eine neue zu errichten, teilt die Behörde auf Anfrage mit. Doch generell gebe es bei mittelständischen Kraftwerksbetreibern in Bayern durchaus Ausbau-Bestrebungen, bestätigt Dr. Josef M. J. Rampl, Geschäftsstellenleiter der „Vereinigung Wasserkraftwerke in Bayern e. V.“. Zurecht, befindet er: Schließlich sei Wasserkraft eine ideale Stromquelle – rund um die Uhr relativ konstant verfügbar und im Einsatz meist da, wo Strom gebraucht wird, also in Siedlungsnähe: „Das entlastet die Leitungsnetze“. Ausbaupotenzial sieht Rampl gerade dort, wo es der öffentlichen Hand zugutekäme: an Querverbauungen, die bislang rein dem Hochwasserschutz oder der Sohlstabilisierung dienen. Hierfür haben die Kommunen die Unterhaltslast. Ihnen rät Rampl, solche Einrichtungen zur Stromerzeugung in private Obhut zu geben, verbunden mit der Maßgabe, die Durchlässigkeit für Wasserlebewesen auszubauen.
Umweltschützer winken strikt ab
Unter dieser ökologischen Prämisse befürwortet auch das bayerische Energiekonzept explizit diesen Ausbau der Wasserkraftnutzung. Bei Umweltverbänden und Anglern stößt es hingegen auf Ablehnung, bestätigt zum Beispiel Peter Forstner von der Bund Naturschutz (BN)-Kreisgruppe: Zu groß seien die Schäden am Lebensraum Fließgewässer, die Stromerzeugung zu gering. Ein gemeinsames Positionspapier von BN, Landesbund für Vogelschutz und Landesfischereiverband lehnt den Ausbau der Wasserkraft als „nicht nötig“ ab: „Neue Wasserkraftanlagen dürfen nicht mehr errichtet werden, (…) auch an bestehenden Wehranlagen ist grundsätzlich auf den Neubau von Wasserkraftanlagen zu verzichten“. Überdies müssten die bestehenden Anlagen naturverträglicher gestaltet werden.(hu)