Kelheim - Nachrichten 08.05.2012, 17:25 Uhr

Mitarbeiter fürchten um ihre Jobs

Beim Autozulieferer Behr in Neustadt demonstrieren die Beschäftigten für höhere Löhne. Tatsächlich geht es um viel mehr.


        Warnstreik beim Autozulieferer Behr in Neustadt am Montagvormittag: Die Produktion stand still, als über 200 Mitarbeiter die Arbeit niederlegten. Foto: Dannenberg

Warnstreik beim Autozulieferer Behr in Neustadt am Montagvormittag: Die Produktion stand still, als über 200 Mitarbeiter die Arbeit niederlegten. Foto: Dannenberg

Von Jochen Dannenberg, MZ

Neustadt. Dienstag, zehn Uhr vormittags. Die Sonne scheint. 200 Mitarbeiter des Autozulieferers Behr in Neustadt legen die Arbeit nieder und ziehen vor das Werkstor an der Bundesstraße 299. Sie tragen rote Käppis mit IG Metall-Aufdruck, halten Schilder und Banner hoch. Die Behr-Mitarbeiter fordern 6,5 Prozent mehr Lohn. Betriebsratsvorsitzender Peter Meier tritt vor die Mannschaft, begrüßt die Mitarbeiter der Frühschicht, stellt die Forderungen der Gewerkschaft zur aktuellen Tarifrunde vor. „Der Tarifvertrag ist ausgelaufen“, ruft Meier ins Mikrofon, „die Friedenspflicht beendet. Das ist ein Warnstreik.“ Und ein Arbeiter ruft zurück: „Die Halle ist leer. Wir sind alle hier draußen.“

Wenige Tage zuvor hat die Firmengruppe Behr, Hersteller von Klimaanlagen und Motorkühlungen, seine Bilanz bekannt gegeben. 2011 war für die globale Automobilindustrie ein erfolgreiches Jahr. Behr hat davon profitiert. Der Umsatz wurde im Geschäftsjahr 2011 um 10,6 Prozent auf rund 3,7 Milliarden Euro gesteigert, das Niveau aus Zeiten vor der Krise 2008/2009 wurde damit übertroffen.

Die Ertragslage des Automobilzulieferers entwickelte sich ebenfalls positiv: Das Ergebnis der Geschäftstätigkeit lag bei 135 Millionen Euro (2010: 53 Millionen Euro), der Jahresüberschuss betrug 93,2 Millionen Euro (2010: 59,9 Millionen Euro). Dennoch hängt bei Behr in Neustadt der Haussegen schief.

Zugeständnisse abgerungen

Und während Franziska Wolf und Oliver Berner von der IG Metall-Verwaltungsstelle Regensburg sowie Andreas Schmal vom DGB die Stimmung anheizen, schimpfen die Mitarbeiter, die sich vorm Werkstor versammelt haben, immer wieder. „Was wird aus den Auszubildenden?“ fragt einer. Ein anderer sagt: „6,5 Prozent – man muss auch sehen, was davon übrigbleibt.“ Eine Frau meint: „Wir haben in den letzten Jahren schon genug für die Firma getan. Jetzt sind die mal dran.“ Und ein Mann ergänzt: „Wer weiß, wie viele in Zukunft hier noch beschäftigt sind.“ Er will davon gehört haben, dass möglicherweise 300 Mitarbeiter abgebaut werden sollen.


 

Umfrage - Ergebnis

 
 
 
 

Mittelbayerische.de Logo