Kelheim - Nachrichten 20.05.2012, 10:25 Uhr

Urkunde würdigt Arbeit von mehr als 25 Jahren

Das Abensberger Kinderhaus erhält bayernweit die erste Integrationsurkunde, die an einen Kindergarten geht.


        Am integrativen Kindergarten ist die Freude groß über die Auszeichnung. Foto: Kräher

Am integrativen Kindergarten ist die Freude groß über die Auszeichnung. Foto: Kräher

Von Lisa Kräher, MZ

Abensberg. Wenn Judith Seehofer erzählt, dass ihre beiden Kinder in einen integrativen Kindergarten schickt, fragen sie manche betroffen: „Ach ja, was haben sie denn?“ Judith Seehofer kann bei solchen Fragen nur den Kopf schütteln, denn ihre beiden Söhne sind weder krank noch haben sie eine Behinderung. Für das Montessori Kinderhaus, den integrativen Kindergarten im Abensberger Freibadweg, hat sie sich entschieden, weil sie überzeugt ist, dass ihre Söhne davon nur profitieren können.

30 Kinder werden betreut

Für die erfolgreiche Arbeit der Abensberger Einrichtung gab es nun Bestätigung von ganz oben: Seit vergangener Woche hängt im Kinderhaus eine Integrationsurkunde an der Wand. Der Bundesbehindertenbeauftragte Hubert Hüppe und Irmgard Badura, Beauftragte der Staatsregierung für die Belange von Menschen mit Behinderung, überreichten Leiterin Inge Rauscher und Richard Ohrner von „Magdalena – Menschen für Menschen“ die Urkunde im oberbayerischen Weilheim.

Das Kinderhaus wird durch die Auszeichnung auch Standort auf einer virtuellen Inklusionslandkarte (siehe Infokasten). Insgesamt wurden in ganz Deutschland 160 Projekte und Einrichtungen ausgezeichnet – in Bayern waren es 15. Inge Rauscher ist stolz: Das Abensberger Kinderhaus ist der einzige Kindergarten unter den Preisträger im gesamten Freistaat.

30 Kinder besuchen derzeit die Einrichtung der Katholischen Jugendfürsorge Regensburg – zehn davon mit heilpädagogischem Förderbedarf. Sechs Erzieherinnen beziehungsweise Kinderpfleger kümmern sich um die zwei Gruppen. Hinzu kommen Ergotherapeuten, Physiotherapeuten und Logopäden. Den integrativen Kindergarten in Abensberg gibt es schon seit 1986. „Heute ist Inklusion ein Modewort, aber in Abensberg leben wir das schon seit mehr als 25 Jahren“, sagt Bertin Abbenhues, Abteilungsleiter für den Bereich Kinder und Jugendliche bei der Katholischen Jugendfürsorge, der mit seinem Chef, KJF-Direktor Michael Eibl, nach Abensberg gekommen war, um dem Team von Kinderhaus zu gratulieren.

Umdenken ist wichtig

Und weil beim Kinderhaus die Kinder im Mittelpunkt stehen, verzichteten die KJF-Chefs auf lange Reden, führten die Kinder einen Tanz mit Tüchern auf und gaben das Frühlingslied „Es tönen die Lieder“ zum besten. Fleißig hatten sie den Song vorher mit den Erzieherinnen einstudiert, sodass auch der Kanon einwandfrei klappte.

Für Judith Seehofers Söhne spielt es keine Rolle, ob einer ihrer Freunde eine Behinderung hat oder nicht. „Sie thematisieren das gar nicht“, erzählt die junge Mutter aus Abensberg. Und genau das sei schließlich auch das wichtigste Ziel der Arbeit im integrativen Kindergarten. Eine wichtige Voraussetzung sei da vor allem ein Umdenken bei den Eltern, so Seehofer. „Diese Kinder sind unserer Vorbilder“, fügt KJF-Chef Eibl hinzu.


 

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