Kelheim - Nachrichten 14.06.2012, 10:52 Uhr

Jetzt geht es um die Existenz

Sonja B. und Marlene K. stehen wie viele Schlecker-Frauen vor dem Nichts. Die Pleite trifft die Bad Abbacherinnen hart, denn die Jobsuche ist schwierig.

Bald Geschichte: Nach der Filiale im Shopping-Center schließt demnächst auch die Filiale im Innerort von Bad Abbach. Foto: Hueber-Lutz

Bald Geschichte: Nach der Filiale im Shopping-Center schließt demnächst auch die Filiale im Innerort von Bad Abbach. Foto: Hueber-Lutz

Von Gabi Hueber-Lutz, MZ

BAD ABBACH. Tausende von Frauen stehen demnächst in Bayern auf der Straße. Sie haben bei Schlecker gearbeitet, und wie es weitergeht, ist für die meisten von ihnen ungewiss. Die beiden BadAbbacherinnen Sonja B. (35) und Marlene K. (42), (Namen von der Redaktion geändert), waren schon bei der ersten Kündigungswelle dabei und können mittlerweile ein Lied davon singen, was auf die arbeitslosen Schlecker-Frauen zukommt.

Speziell um sie gekümmert, wie es geheißen habe, werde sich auf jeden Fall nicht. Seit März sind sie auf der Suche nach einem neuen Job. Marlene K. hat schon knapp 30 Bewerbungen geschrieben, drei Absagen hat sie bekommen, der Rest habe sich gar nicht gerührt. Oft seien Stellen, die im Internet ausgeschrieben sind, tatsächlich schon besetzt. Und dann haben die ehemaligen Schlecker-Mitarbeiterinnen noch zwei ganz spezielle Probleme: Bei Schlecker haben sie vergleichsweise sehr gut verdient. Beide waren weit über zehn Jahre bei der Kette beschäftigt und haben 15 Euro die Stunde bekommen. Bei vielen anderen Tätigkeiten im Verkauf liegen die Stundenlöhne aber bei sechs bis sieben Euro die Stunde. „Davon kann ich nicht leben“, sagt Sonja B. Sie ist alleinerziehende Mutter zweier Kinder, hat bei Schlecker 20 Stunden die Woche gearbeitet und kam mit dem dabei verdienten Geld gut aus.

Schlecker zahlte übertariflich

Für das gleiche Geld müsste sie woanders fast doppelt so viel arbeitet. „Dann sind meine Kinder ja nur noch allein.“ So viel zum Thema Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Bei sieben Euro Stundenlohn ist das wohl nur theoretisch möglich. Schlecker-Mitarbeiterinnen seien übertariflich bezahlt worden, sagt auch Silvia Lösch, Pressesprecherin der Regionaldirektion Bayern. Das Arbeitsamt habe auf die Tariflöhne keinen Einfluss. Ziel der Agentur sei es aber schon, auskömmliche Stellen zu vermitteln, in denen die Beschäftigten nicht mit staatlichen Leistungen aufstocken müssen.


 

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