Sorge um genug Arbeitskräfte
Die Wirtschaft im Landkreis Kelheim boomt, aber die ersten Unternehmen klagen über fehlenden Nachwuchs.
Produktion beim Autozulieferer Johnson Controls in Neustadt a. d. Donau: Die Wirtschaft im Landkreis Kelheim freut sich über hohe Umsatzzahlen. Foto: Dannenberg, Archiv
Neustadt. Die Wirtschaft im Landkreis Kelheim brummt. Das sagte Wolfgang Engelhardt, Vorsitzender des Gremiums der Industrie- und Handelskammer für den Landkreis Kelheim, am Montag in einem Gespräch mit Mitarbeitern des Landratsamtes. Gegenüber den Vertretern der Landkreisbehörde, die mit Landrat Dr. Hubert Faltermeier nach Neustadt gekommen war, stellte Engelhardt aber auch klar, dass die Versorgung der Unternehmen mit Arbeitskräften und Auszubildenden zum Problem für die wirtschaftliche Entwicklung der Region werden könnte.
Das wirtschaftliche Wachstum der in der IHK zusammengeschlossenen Betriebe sei „im Moment noch sehr gut“, betonte Engelhardt. „Es gibt aber auch erste Anzeichen, die in eine andere Richtung deuten.“ Diese Zeichen, die der IHK-Gemiumsvorsitzende meinte, kämen von Banken und Versicherungen. Hingegen würden der Tourismus und herstellende Betriebe positive Ergebnisse melden. „Damit sind wir grundsätzlich guter Dinge.“
Auswirkungen auf die Umsätze
Die Risiken für die weitere wirtschaftliche Entwicklung der Region liegen aus Sicht der IHK in der Versorgung der Betriebe mit Arbeitskräften. Nicht nur Azubis, auch Facharbeiter fehlen zunehmend. „In etwa jedem zweiten Betrieb konnten Geschäftsideen zuletzt nicht verwirklicht werden, weil entsprechende Arbeitskräfte nicht im ersten Halbjahr 2012 zur Verfügung standen“, sagt Engelhardt.
Weiter sagt er, große Unternehmen und attraktive Arbeitgeber würden mögliche Auszubildende „absaugen“. Selbst Banken, einst wegen ihrer Lehrstellen bei Jugendlichen beliebt, würden unter dieser Entwicklung leiden. Nicht spekulieren wollte Engelhardt in diesem Zusammenhang über die Auswirkungen der Audi-Ansiedlung in Münchsmünster (Landkreis Pfaffenhofen). „Die Ansiedlung ist für das Wirtschaftswachstum gut, aber es gibt die Sorge, dass Arbeitnehmer abwandern könnten“, sagt er.
Zumindest theoretisch könnte der Zuzug von Arbeitnehmern aus anderen Regionen die Probleme der Vollbeschäftigung bei den Unternehmen lösen helfen. Dieser Ansatz wirft jedoch weitere Schwierigkeiten auf. Wolfgang Engelhardt hat dafür eine griffige Formel gefunden: „Wir sind eine Boom-Region, aber in einem unbekannten Teil des Landes.“

