Kelheim - Nachrichten 11.08.2012, 13:12 Uhr

Benefiziatenhaus verschwindet

Lange hat Kirchdorf um die Zukunft des Ortskerns gerungen. Der Bagger ist nun im Einsatz. Zuvor hatte sich die MZ noch im Gebäude umgesehen.

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Der Bagger und vier Männer sind seit Freitagfrüh im Einsatz. Fotos: Reitinger

Der Bagger und vier Männer sind seit Freitagfrüh im Einsatz. Fotos: Reitinger

Kirchdorf. Staubwolken steigen in den Himmel, der ein oder andere Radler und Nachbar schaut herüber auf das Treiben im Kirchdorfer Ortskern. Seit Freitag wird das Benefiziatenhaus mit Bagger und Manneskraft abgerissen. Ab etwa 1898 war es dank der sogenannten „Neumaier-Weigl’schen Frühmeßstiftung“ neben der Kirche zu finden und prägte das Ortsbild. Es sollte die „seelsorglichen Verhältnisse“ in Kirchdorf verbessern. Bis 1934 war das Benefiziatenhaus als solches „existent“. Dann übernahm der Ortspfarrer die Verwaltung des Benefiziums mit der Lesung der entsprechenden Messen, schreibt Frater Meinrad in der heuer erschienenen Allmersdorfer Chronik.

Bis vor kurzem bahnte man sich den Weg zur Eingangstür noch durch meterhohes Gras, wilde Nussstauden rankten vor dem Gemäuer. An der Eingangstür zeugte der kreidene Schriftzug „ 20 * C + M + B * 01“ davon, dass das Haus unterhalb der Kirche bis 2001 noch bewohnt gewesen war. „Von Fräulein Fanny Dendl“, weiß Kirchenpfleger Georg Langwieser, der die MZ begleitete. Sie war die Pfarrhaushälterin von Josef Rösch gewesen. Dieser war 1985 verstorben. Im Volksmund war er „Ochsen Sepp“ genannt worden, weil er als letzter Kirchdorfer Pfarrer in frühen Jahren noch die dazugehörige Landwirtschaft betrieben hatte.

Doch zurück zum Benefiziatenhaus: Im Inneren gibt es nur wenige letzte Überbleibsel aus der Zeit von Fräulein Fanny. Ein altes Bügeleisen im Esszimmer, eine alte Waschmaschine, verstaubte Lampen im 60er-Jahre-Look... Seit Freitag ist der metallene Zaun verschwunden. Der Bagger hat sich den Weg gebahnt. Nachdem die erste Abbruchgenehmigung am 9. September 2002 eingereicht worden war, ist es nun zehn Jahre später soweit. Bald wird das Benefiziatenhaus komplett aus dem Ortsbild verschwunden sein. An seiner Stelle wollen die Kirchdorfer einen Dorfladen errichten. So der Plan für die Zukunft des Ortskerns. Weit mehr als zehn Jahre waren Pläne geschmiedet und wieder verworfen worden. Mal sollte ein Jugend- und Pfarrheim entstehen, mal ein Platz mit Aufgang zur Kirche. (re)


 

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