Neumarkt 16.09.2012, 15:59 Uhr

Aus der Traum, Endstation Keller

Seit Jahren sucht ein 43-Jähriger eine günstige Wohnung in Neumarkt. Der winzige Kellerraum, in dem er haust, macht ihn krank. Die Stadt kann nicht helfen.

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Die Lampen brennen Tag und Nacht – Tageslicht fällt nur über vergitterte Lichtschächte in die Wohnung. Fotos: Böhm

Die Lampen brennen Tag und Nacht – Tageslicht fällt nur über vergitterte Lichtschächte in die Wohnung. Fotos: Böhm

von Katrin Böhm

Neumarkt. Eigentlich kam er im Jahr 2003 voller Hoffnungen nach Deutschland. Der gebürtige Tunesier Kefi Hezzi heiratete eine Deutsche, träumte von einem guten Leben. Doch die Ehe ging in die Brüche, seit 2007 wohnt Kefi Hezzi alleine – er strandete in einer kleinen Kellerwohnung in der Stadt Neumarkt. Licht fällt nur über vergitterte Lichtschächte durch die drei kleine Fenster. Die verdreckte Lüftung in der Küchenzeile funktioniert schon lange nicht mehr, der Putz bröckelt von der Wand. Notdürftig hat der 43-Jährige Zeitungsprospekte davor geklebt. Das winzige, feuchte Bad gleicht eher einem begehbaren Schrank, wenn es regnet, kommt das Wasser von unten zwischen den Fliesen hindurch.

Eigentlich sollte diese Wohnung nur als Übergangslösung dienen, für ein paar Wochen, bis sich etwas anderes finden ließe, erzählt Kefi Hezzi. Mittlerweile wohnt er seit fast fünf Jahren hier. Denn nach der Scheidung kamen gesundheitliche Probleme. Im Jahr 2008 hatte der 43-Jährige seinen ersten Herzinfarkt, kurz darauf folgte der zweite. Seither darf er „nur körperlich leichte bis mittelschwere Arbeiten“ ausführen, steht in einem ärztlichen Attest, das der Mittelbayerischen Zeitung vorliegt. Stressige und schwere Akkordarbeiten und häufig wechselnde Arbeitszeiten sind für ihn tabu. Einen Job fand er darum bisher nicht mehr. Sein Arzt bescheinigt Hezzi auch, dass „eine derartige Wohnung“ aus ärztlicher Sicht nicht zumutbar für den 43-Jährigen ist.

Keine Chance am Immobilienmarkt

Als arbeitsloser, allein stehender Mann mit tunesischen Wurzeln ist es für Kefi Hezzi jedoch seit fast fünf Jahren ein Ding der Unmöglichkeit, eine neue, bezahlbare Wohnung zu finden. Bei zwei Immobilienfirmen war er vorstellig, beide winkten ab: keine Chance. Der Immobilienmarkt ist leer gefegt, wer etwas kaufen oder mieten will, braucht Geld in der Tasche. Auch die Stadt hat keine Sozialwohnungen anzubieten. Das bestätigt Gertrud Heßlinger, im Stadtrat zuständig für das Thema Familie und Soziales. „Wir haben nichts zu vergeben, das ist ein Riesenproblem.“ Zwar habe die Stadt knapp 300 Sozialwohnungen, die seien jedoch belegt. „Und die Leute, die erstmal drin sind, gehen quasi nicht mehr raus.“ Daher rate die Stadt allen, die auf der Suche nach einer neuen Bleibe sind, in ihren bisherigen vier Wänden zu bleiben.

 

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