Neumarkt - Nachrichten 12.02.2008, 00:00 Uhr

„Eltern sollten wissen, was da so alles abgeht“

drogen Reggae-Festival in Neumarkt schockt Polizei: 14 Festnahmen wegen Besitz von Rauschmitteln beigeschätzten 500 Besuchern.

von josef fichtner

neumarkt. Die Fans waren begeistert, die Spitzen der Neumarkter Polizei sind erst einmal nur „enttäuscht“: Beim Reggae-Festival zum Gedenken an die Ikone dieses Musik-Genres, den jung verstorbenen Jamaikaner Bob Marley, haben Beamte der Inspektion insgesamt 14 Personen wegen des Besitzes oder der Weitergabe von nicht unerheblichen Mengen an Betäubungsmitteln festnehmen müssen.

„Musik wird ja häufig mit Drogen in Verbindung gebracht“, erläuterte Polizeirat Helmut Lukas die Hintergründe. Zusammen mit Polizeihauptkommissar Jakob Bierschneider stellte er die Sicht der Polizei in einer eigens dafür einberufenen Pressekonferenz dar. „Bei geschätzten 500 bis 600 Besuchern – wobei die Veranstalter rund 800 nennen – sind 14 Festnahmen eine relativ hohe Quote“, so Lukas. Und Bierschneider ergänzte: „Dazu kommt mit Sicherheit noch eine nicht geringe Dunkelziffer.“

Das Festival hat demnach eine Anziehungskraft weit über die Region hinaus entwickelt. Positiv wie negativ. Die wegen Drogen Festgenommenen kamen laut Polizei aus Tschechien ebenso wie aus Waiblingen, aus Augsburg (Kinderpflegerin) ebenso wie aus Neumarkt selbst. Viele davon noch nicht 18 Jahre alt, wie die Neumarkter Polizeispitze hervorhob.

„Einen 16-jährigen Schüler aus Neumarkt haben wir schon um 19.30 Uhr aufgegriffen“, ließen der Polizeirat und sein Stellvertreter wissen. Der dickste Fisch kam aus Unterfranken: „Der war sehr aktiv. Wir haben ihn erwischt, als er einen Joint weitergegeben und auch etwas geraucht hat.“ Sehr schnell schloss sich eine Durchsuchung der Wohnung des jungen Mannes an. Dort fand sich, einfach durch eine Schranktür getarnt, eine stattliche Pflanzung gut im Saft stehender Cannabis-Pflanzen.

„Sinn und Zweck solcher Veranstaltungen ist doch die Musik“, mahnte Lukas. Angesichts dieser Vorfälle sollten „die Eltern wissen, was da so alles abgeht“. Er und seine Kollegen versuchten, etwa an den Schulen über Drogengefahren aufzuklären. Hilfreich seien dabei solche Konzerte nicht, in deren Rahmen offenbar regelmäßig zu Drogen gegriffen werde.

„Wir bereiten uns auf das nächste Reggae-Festival vor, am 23. Februar. Wir werden genau hinschauen“, so Bierschneider. Und Lukas zögert nicht mehr: „Es kann sein, dass wir der Stadt dann sagen, dass dies das letzte Reggae-Festival in Neumarkt war.“

 

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