Bardentreffen– die Stadt ist eine einzige Bühne
Populäre Musiker und perfektes Wetter: 200000 Gäste strömen nach Nürnberg – überall war’s eng.
Schon nachmittags war es vor den Bühnen – hier am Hauptmarkt –proppenvoll. Foto: Stückler
von moritz stückler
200000 Menschen haben am Wochenende eines der größten europäischen Festivals der Weltmusik in mittelalterlicher Stadtkulisse mitgefeiert – das 33. Nürnberger Bardentreffen. Der Schwerpunkt lag in diesem Jahr auf Finnland – es traten viele finnische Bands auf, die es schafften, den doch etwas ungewöhnlichen und schwierigen finnischen Charme auch mitten in Franken zu versprühen.
Insgesamt sorgten rund 60 Bands und Musiker für qualitativ hochwertige Unterhaltung auf insgesamt sieben Bühnen, verteilt über die gesamte Nürnberger Altstadt. Ab 14 Uhr gab es die ersten Auftritte. Und bereits um diese Uhrzeit war das Publikum in bester Stimmung – nicht zuletzt wegen des hervorragenden Wetters.
Viele Besucher waren Wiederholungstäter, erkennbar an der professionellen Ausstattung: Viele trugen Campingstühle und Kühltaschen mit sich herum. Generell war es zwar sehr voll in der Stadt, es ging aber auch sehr zivilisiert zu– viele Besucher genossen die Darbietungen im Sitzen.
Der Besucherstrom riss auch gegen Abend nicht ab – die Plätze vor den Bühnen füllten sich stetig, bis in der Dämmerung am Samstag die Top-Acts dieses Jahres auftraten: die britische Sängerin Joan Armatrading, die finnische Kultkombo Leningrad Cowboys und die bayrischen Barden der Biermösl-Blosn. Die Popularität der Bands und das trockene, warme Wetter sorgten allerdings dafür, dass kaum mehr einen Platz ergattern konnte, wer nicht wirklich zeitig dran war. Ob am Sebalder Platz oder am Hauptmarkt. Überall herrschte drangvolle Enge.
Der Blick in das Programmheft machte deutlich, welch großer Querschnitt an Musikrichtungen auf dem Bardentreffen abgedeckt wird. Von Heavy Metal über Rock bis hin zu Hip-Hop oder Funk war alles geboten, so dass Musikfans jeder Generation auf ihre Kosten kamen.
Aber das Nürnberger Bardentreffen spielt sich nicht nur auf den offiziellen Bühnen ab, sondern auch und gerade daneben. An diesem Wochenende konnte wohl keiner einen Schritt in Nürnbergs Altstadt tun, ohne dabei irgendwo einen Straßenmusiker zu entdecken. Dabei war das musikalische Niveau der diversen Darbietungen sehr hoch, und teilweise fragten sich die Besucher dann auch, warum besagte Künstler nicht auf einer der offiziellen Bühnen spielen durften.
Aber vielleicht ist das ja im nächsten Jahr der Fall, denn der Veranstalter hält immer auch Ausschau nach lokalen Talenten, für die es sogar eine eigene Bühne gibt: Auf der sogenannten MUZ-Bühne spielen nur lokale Bands. Wer genau auf der Bühne spielen soll, das soll in einer Internet-Abstimmung entschieden werden.


