Neumarkt - Nachrichten 04.11.2008, 15:40 Uhr

„Beim Boxen lernt man Respekt“

Die Schläge sitzen: Die Schüler sind begeistert.

Die Schläge sitzen: Die Schüler sind begeistert.

Ort des Geschehens ist die Turnhalle der Friedrich-Wilhelm-Henschel-Hauptschule in Nürnberg. Ayhan Bostunci ist von Jungs umringt, die es wissen wollen. Ayhan konzentriert sich – kurz darauf explodiert eine rechte Gerade auf einer „Pratze“. Einem Schlagkissen, das von Peter Althof gehalten wird.

„Jawoll, mach weiter so!“ Ayhan tut, wie ihm geheißen. Innerhalb weniger Sekunden prasseln präzise Box-Kombinationen ins sich ständig bewegende Ziel, das Peter Althof mit den „Pratzen“ in der Hand abgibt – eine Serie von Kicks beendet die eindrucksvolle Demonstration. Selbst die harten Jungs im Rund sind beeindruckt. Und als Schulleiter Jan Titgemeyer fragt, wer dabei sein will, recken sich ihm wesentlich mehr Zeigefinger als im normalen Unterrichtsalltag entgegen.

Das Präventionsprojekt zur Stärkung der Persönlichkeitsentwicklung, kurz „run and box“ genannt, schlägt ein. Der Ruf der Friedrich-Wilhelm-Herschel-Hauptschule ist nicht der beste. Da nimmt Titgemeyer kein Blatt vor den Mund. 450 Schüler, 85 Prozent von ihnen „mit Migrationshintergrund“. Jugendsozialarbeiter Uwe Eber könnte einiges erzählen. Aber heute dreht sich alles um „run and box“ – dem seit April dieses Jahres erfolgreich laufenden Programm mit dem Ziel „Gewaltfreie Schulen“.

Bernhard Nuss, Übungsleiter Bewegungssportverein „Never Walk Alone“, ist für „run“, das Konditionstraining, zuständig. Peter Althof, Inhaber des K1-Fitness-Clubs an der Kilianstraße und gleichzeitig wohl Deutschlands bekanntester Bodyguard, bringt den Herschel-Schülern „so oft wie möglich persönlich“ das Boxen bei. „Damit sie Konflikte in Zukunft nicht mehr auf der Straße, sondern im Boxring austragen“, wie er betont. Ayhan Bostunci, der gerade auf die Pratzen prügelte, ist einer seiner Trainer und schon so etwas wie ein Idol vieler Jugendlicher. Jedenfalls wollte dem türkischen Ausnahme-Kampfsportler nach dem Showdown in der Halle fast jeder die Hand schütteln.


 

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