Leidensgeschichte der Juden in Fotos
Das Leben jüdischer Bürger aus Sulzbürg und aus Regensburg, aber auch ein paar Jahrhunderte jüdischer Geschichte in der Oberpfalz blättert eine Ausstellung bei der Jüdischen Gemeinde am Brixener Hof auf. Der Fotograf Edgar Pielmeier hat den jüdischen Friedhof in Sulzbürg porträtiert. Eigentlich sollte die Ausstellung genau zwei Tage dauern. Weil aber eine solche Schau heute mehr denn je wichtig für jüdische Gemeinden sei, „lassen wir sie stehen“, sagte Hans Rosengold, sichtlich überrascht über den großen Andrang bei der Eröffnung. „Mindestens eine Woche. Dann sehen wir, wie wir damit zurecht kommen.“ Eine Verlängerung sei denkbar.
Die Räume am Brixener Hof sind ein ungewöhnlicher Ort für eine Ausstellung und doch so geeignet wie kaum ein anderer. Denn hinter jüdischen Grabsteinen im Land verbirgt sich die wechselvolle Geschichte der Juden Bayerns. In Sulzbürg erzählt der Friedhof auch vom Schicksal zahlreicher Regensburger Juden. Viele Grabsteine dort führen den Familiennamen „Regensburger“ mit. „Für mich ist es daher eine Ehre, meine Bilder hier zeigen zu dürfen,“ dankte Edgar Pielmeier seinen Gastgebern.
Ein Dreivierteljahr lang war er zu allen Tages- und Nachtzeiten, Winters wie Sommers nach Sulzbürg gefahren, um ein Jahr vor der Sanierung des Friedhofs den historischen Zustand in Bildern einzufangen. Dies ist ihm mit besonderer Sensibilität gelungen. Seine Schwarz-Weiß-Aufnahmen lesen sich wie ein kurzweiliges Geschichtsbuch ohne Düsternis, dafür mit einer entspannten Ästhetik, die der würdevollen Schönheit und Ruhe solcher Orte gerecht wird. Und das ist gerade deshalb bemerkenswert, weil jüdische Friedhöfe wenig Pomp aufweisen und all zu oft Verwüstungen ausgesetzt sind.
Pielmeiers Aufnahmen integrieren sich wie selbstverständlich in den großen Saal der jüdischen Gemeinde, ebenso die historisch hervorragend ausgearbeiteten Erläuterungen von Prof. Heide Inhetveen. Die Erklärungen betten die Aufnahmen ein in den geschichtlichen Kontext. Die Informationen werden gut lesbar auf großen durchscheinenden Transparenten vermittelt. Fotografien und Texte bilden ästhetisch eine Symbiose mit dem Saal der Jüdischen Gemeinde.
Dabei war es Zufall oder „Fügung“, dass sich Fotograf und Autorin auf dem alten Friedhof in Sulzbürg trafen. Schon lange hatte Inhetveen den Wunsch, eine Arbeit über die jüdische Geschichte Sulzbürgs zu verfassen. Pielmeier war über eine kleine Zeitungsnotiz gestolpert, die eine Sanierung des Friedhofs ankündigte.
Rund 150 jüdische Friedhöfe gibt es in Bayern. Davon sind 110 geschlossen und 25 noch in Funktion – so wie der jüdische Friedhof in Regensburg, der noch aus dem Jahr 1822 stammt.


