Schüler lernen, den Mund aufzumachen
Woran erkenne ich Rechtsextreme und wie trete ich ihnen entgegen? Rund 30 Schüler des Gluck-Gymnasiums üben in einem dreistündigen Workshop Zivilcourage.
Die Schüler schreiben auf einem Blatt auf, welche Worte ihnen zum Thema Rechtsextremismus einfallen. Hinterher diskutierten die Schüler angeregt gemeinsam mit Referent Carsten Reichert (l.). Fotos: Drenkard
Neumarkt. Tatort Straßenbahn: Ein Schwarzafrikaner steigt in den gut gefüllten Waggon ein und fragt eine ältere Frau, ob er sich auf den Platz neben ihr setzen könne. Die Dame mustert ihn widerwillig und gibt keine Antwort. Der Ausländer setzt sich.
Schließlich sagt die Frau missmutig: „Jetzt kann man schon nicht mehr Straßenbahn fahren, ohne belästigt zu werden.“ Dann sagt sie Sätze wie: „Als ob nicht die Italiener und Türken schon genug wären. Jetzt kommt auch noch halb Afrika.“ Oder: „Wir haben es alleine geschafft. Wir brauchen keine Hottentotten, die uns nur auf der Tasche herumliegen.“ Die S-Bahn-Fahrer hören die Schimpf- und Hasstiraden der Frau genau – doch sie tun nichts, schauen weg, bleiben passiv.
Die Szene stammt aus dem zwölfminütigen Kurzfilm „Der Schwarzfahrer“. Gestern zeigte ihn Carsten Reichert rund 30Schülern des Willibald-Gluck-Gymnasiums. Der 26-Jährige ist für die Jugendbildungsstätte Unterfranken unterwegs, um Jugendliche und Kinder über Rassismus und Rechtsextremismus aufzuklären und sie dafür fit zu machen, Zivilcourage zu zeigen.
Zivilcourage trainieren
Reichert: „Rassismus entspringt aus der Mitte der Gesellschaft. Häufig fehlen den Jugendlichen Mut und Kreativität, um Diskriminierungen öffentlich entgegenzutreten.“ Damit dem künftig nicht mehr so ist, kamen die Acht-, Neunt- und Zehntklässler im Mehrzweckraum der Schule für rund drei Stunden zusammen, um Zivilcourage zu trainieren. Der Workshop fand als Teil der Veranstaltungswoche „Vielfalt tut gut – im Landkreis Neumarkt“ statt.
Die Schüler gingen dabei unter anderem Fragen nach, woran man eigentlich Rechtsextreme erkennt, welche Codes und Erkennungsmerkmale werden in der rechten Szene verwendet. „Es ist nicht mehr so eindeutig wie früher, diese Leute zu erkennen. Die Zeiten der Glatzen und Bomberjacken sind weitestgehend vorbei“, weiß Referent Carsten Reichert.


