Neumarkt - Nachrichten 10.05.2012, 17:54 Uhr

Als es bei der Sparkasse samstags Wienerle gab

Georg Werth ist einer der dienstältesten Mitarbeiter der Bank – er plaudert aus dem Nähkästchen.


        Seit 44 Jahren bei der Sparkasse: Georg Werth, hier mit Azubi Marion Hirschmann

Seit 44 Jahren bei der Sparkasse: Georg Werth, hier mit Azubi Marion Hirschmann

Neumarkt. Vor 44 Jahren begann Georg Werth seine Lehre bei der Sparkasse – damals wollte er eigentlich lieber auf den Bau, weil es dort mehr Geld zu verdienen gab. Doch dazu kam es nie: Heute ist er stellvertretendes Vorstandsmitglied. Für das Neumarkter Tagblatt plauderte er zum 175. Jubiläum der Sparkasse, das am Freitag mit einem großen Fest gefeiert wird, aus dem Nähkästchen. Denn geändert hat sich in den vergangenen vier Jahrzehnten einiges. Wer beispielsweise in den 60er- und 70er-Jahren Wertpapiere kaufen wollte, klickte nicht einfach auf einen Knopf am PC: Georg Werth spannte einen Kaufauftrag in seine Schreibmaschine ein, füllte ihn aus, das Papier wurde zweimal unterschrieben – und dann mit der Post zur Landesbank geschickt. Zu welchem Preis ein Kunde die Aktie ein paar Tage später bekam, konnte man zum Zeitpunkt des Kaufs gar nicht genau sagen. Immerhin: „Man konnte ein Limit setzen.“ Aktiengeschäfte spielten damals aber ohnehin eine untergeordnete Rolle: „Das waren wenige, und die, die das gemacht haben, die hatten eh Kohle.“

Auch das Telefonieren war keine Selbstverständlichkeit: „Wenn man eine andere Filiale anrufen wollte, musste man das Gespräch bei der Sekretärin anmelden und begründen, warum es notwendig ist – und die Sekretärin hat dann die Einheiten aufgeschrieben.“ Und von Mitte November bis Mitte Januar wurden wegen der Jahresabrechnung Überstunden angeordnet: Zweimal wurde unter der Woche abends gearbeitet, obendrein am Samstagvormittag. „Dafür gab es da immer Wiener Würstel.“ Heute erledigen die Computer viele dieser Arbeiten – auch wenn die EDV am Anfang nicht überall auf Begeisterung in Reinform stieß. „Das war eine Revolution. Manche ältere Kollegen haben sich schlicht geweigert, da mitzumachen“, erinnert sich Werth.

Dass er bei der Sparkasse geblieben ist, hat Georg Werth nie bereut. Nach Feierabend ist für ihn mit dem Thema Geld aber dennoch Schluss – die privaten Finanzen der Familie regelt seine Frau. Die war allerdings früher auch bei der Sparkasse.


 

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