Regensburg 19.08.2012, 20:13 Uhr

Sohn tot, Mutter vermisst

Ein mysteriöser Fall gibt der Polizei nach wie vor Rätsel auf: Seit 2007 fehlt von Brigitte Neumayr jedes Lebenszeichen. Eine zentrale Rolle spielte ihr Sohn Stefan, doch der 32-Jährige beging Suizid. Die Kripo sucht weiter nach der Regensburgerin.

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In diesem Haus in der Silbernagelgasse wohnten die Neumayrs; mittlerweile ist das Gebäude abgerissen. Archivfoto: Weigel

In diesem Haus in der Silbernagelgasse wohnten die Neumayrs; mittlerweile ist das Gebäude abgerissen. Archivfoto: Weigel

Von Ernst Waller, MZ

Regensburg. Der 4. Oktober 2007 ist ein schöner Herbsttag, ein Donnerstag: Es ist der Tag, an dem Brigitte Neumayr das letzte Mal gesehen wird – in der Nähe ihrer Wohnung in der Silbernagelgasse. Seit jenem 4. Oktober ist die Regensburgerin wie vom Erdboden verschluckt. Die Polizei steht vor einem Rätsel – und sie wird die „Akte Neumayr“ wohl noch lange nicht schließen.

Der mysteriöse Fall beginnt für die Kripo am 11. November 2007. In der Einsatzzentrale geht ein Schreiben des Bundeskriminalamts ein. Sein Inhalt: Der damals 32-jährige Regensburger Stefan Neumayr wurde tot in einem Hotelzimmer in Mexiko City aufgefunden – ein Suizid.

Lügengebäude aufgebaut

Kriminalhauptkommissar Christian Ebner und Erster Hauptkommissar Stefan Halder, Chef des Kommissariats 1 bei der Kripo, machen sich auf den Weg, um Brigitte Neumayr den Tod ihres Sohnes mitzuteilen, doch sie treffen die damals 60-Jährige nie an. Die Polizisten klappern Krankenhäuser ab, befragen Nachbarn und die schon alten und teils schwer kranken Eltern. Als auch nach Wochen noch kein Lebenszeichen der Rentnerin auszumachen ist, müssen sie vom Schlimmsten ausgehen.

Im Lauf der Jahre kristallisiert sich ein Bild heraus, das geprägt ist von einer engen Mutter-Sohn-Beziehung, von enttäuschten Hoffnungen und einer Lebenslüge, die am Ende einstürzt wie ein Kartenhaus – und wohl auch in die Katastrophe mündete.

Irgendwann Anfang Oktober hat ein Zeuge wohl noch den Sohn der Vermissten gesehen – mit einer blutenden Kopfwunde stand er vor dem Anwesen der Mutter. Er sei die Treppe hinunter gestürzt, sagt der 32-Jährige, der mit Mutter und Großeltern in einem Mehrfamilienhaus lebt, jede Partei in ihrer eigenen Wohnung.

Die Kripo öffnet schließlich die Eingangstür von Brigitte und Stefan Neumayr – und findet „auffällig aufgeräumte und geputzte“ Räume, so Christian Ebner, der den Fall seit fünf Jahren bearbeitet,. Die Ermittler recherchieren über das enge Verhältnis von Sohn und Mutter, die Bekannte als ausgesprochen resolut beschreiben, – und stoßen auf überraschende Hintergründe zu Tage.

 

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