Der Ernst-Reuter-Platz ist in Bahnhofsnähe und gilt bislang als Top-Standort für ein RKK. Doch das Projekt ist mit Risiken behaftet, nicht nur wegen der Verlegung des Busbahnhofs Albertstraße. Luftbild: Winter
Von Josef Pöllmann, MZ
Regensburg. Die politische Debatte über den Standort für das Kultur- und Kongresszentrum in Regensburg geht in die heiße Phase. Am 26. September wird der Stadtrat neu entscheiden, ob das Prestige-Projekt am Ernst-Reuter-Platz oder am Unteren Wöhrd weitergeplant werden soll. In einem MZ-Gespräch machte Oberbürgermeister Hans Schaidinger wenig Hoffnung auf eine schnelle Umsetzung. Es werde noch Jahre dauern, bis erste große Kongresse in der Domstadt stattfinden.
Entscheide sich der Stadtrat für den Unteren Wöhrd, sei eine Realisierung binnen fünf Jahren machbar, sagte Schaidinger. Anders am bislang favorisierten Ernst-Reuter-Platz: „Der Zeitpunkt bis zu einem Baubeginn eines RKK wird dort deutlich über zehn Jahren liegen.“ Der OB macht dafür drei Risiken am „unbestritten besten Standort“ verantwortlich: Das Projekt sei erstens riskant, weil die Stadt mit vielen Beteiligten Verträge schließen müsse, unter anderem mit der evangelischen Kirche. „Verhandlungsergebnisse in Verträge zu überführen, ist nicht immer einfach.“
Höhere Kosten sind kein Kriterium
Zweitens müssten beispielsweise rund 30 Bäume gefällt werden, die in einer sogenannten dispositionsbeschränkten Fläche, also im geschützten Grüngürtel um die Altstadt, liegen. Da seien viele Einwände zu erwarten. Drittens müsse der Busbahnhof Albertstraße verlegt sein, ehe am Ernst-Reuter-Platz mit Abbrucharbeiten begonnen werden könne. Schaidinger: „Dazu braucht es Verhandlungen mit der Deutschen Bahn. Und diese Verhandlungen mit der Bahn können sehr lange dauern und das Ergebnis ist schwer vorher einzuschätzen.“ Die höheren Kosten am Ernst-Reuter-Platz sind für den OB kein entscheidendes Kriterium für einen Standortwechsel zum Unteren Wöhrd.
Schaidinger selbst will sich zum jetzigen Zeitpunkt nicht auf eine Standort-Variante festlegen: „Ich trage für mich im Kopf das Für und Wider zusammen und bin derzeit unentschieden.“ Am kommenden Montag werde er das Thema im Koalitionsausschuss aus CSU und SPD diskutieren lassen.
„Neue Pläne kein Aus für das RKK“
In diesem Gremium wird es auch um das geplante Tagungs- und Veranstaltungszentrum im Schlachthof mit Platz für 750 Menschen gehen (MZ berichtete). Seit Schaidinger vor knapp zwei Wochen die Pläne präsentiert hat, wird in der Stadt über ein Aus für das RKK gemunkelt. „Alles falsch“, sagte der OB. Das Tagungs- und Veranstaltungszentrum sei eine Vorstufe zum RKK, keine Konkurrenz. Und es habe quantitativ, aber vor allem auch qualitativ und in Sachen Ambiente ein Limit. Als Beispiel nannte Schaidinger fehlende Hub-Podien. „Die brauchen wir sowohl für Konzerte als auch für höhenverstellbare Teile des Zuschauerraums. So etwas wird es nur in einem RKK geben.“ Die große Stadthalle – egal ob am Ernst-Reuter-Platz oder am Unteren Wöhrd – sei auf Tagungen mit 1500 Teilnehmern ausgelegt.
Das Stadtoberhaupt setzt darauf, mit einem Tagungs- und Veranstaltungszentrum den Kongress-Markt nach und nach erobern zu können. Regensburg werde ab 2014 neben den historischen Sälen mit bis zu 200 Plätzen ein weiteres Segment anbieten. „Wenn wir ein RKK eröffnen, sind wir schon bekannt und im Markt eingeführt.“
Klar ist mittlerweile, dass in der Nähe des Tagungszentrums ein Parkhaus entstehen soll, das Platz für 260 Fahrzeuge bietet. Die Zufahrt könne über die von-Donle-Straße oder die Prinz-Ludwig-Straße erfolgen. Schaidinger: „Im Mietvertrag für das Tagungszentrum werden wir sicherstellen, dass es für den Fall von Veranstaltungen genügend Parkplätze gibt.“ Auch eine Bushaltestelle sei geplant. Schwierigkeiten mit Anwohnern erwartet der OB nicht, da in diesem Areal überwiegend Gewerbe angesiedelt sei. „Durch den an- und abfahrenden Verkehr haben wir kein Schallproblem.“
Bleibt die Frage der Kosten: Die Stadt rechnet für das Tagungszentrum mit einem jährlichen Defizit von einer Million Euro. Ein RKK würde pro Jahr drei bis vier Millionen verschlingen, ein Fußball-Stadion etwa 800000 Euro, sollte der Jahn Drittligist sein. Kann sich die Stadt diese Projekte auch leisten, wenn es wirtschaftlich mal schlechter läuft? Schaidinger wiegelt ab: „Das können wir uns leisten. Wir reduzieren im Moment sogar unser strukturelles Defizit im Verwaltungshaushalt der Stadt.“ Im Übrigen sei von einem OB, der „für die Prosperität in Regensburg viel getan hat“, nicht zu erwarten, dass er vorher schon „mit dem Schlimmsten“ rechne. Eine Klausel für den vorzeitigen Ausstieg aus dem Mietvertrag für das Tagungszentrum werde es aber geben.
Eine Mahnung an Wolbergs
Schaidinger glaubt auch in der Zukunft an eine stetige Aufwärtsentwicklung, die es in Regensburg aber nur mit berechenbaren politischen Verhältnissen geben werde. In diesem Zusammenhang mahnte er die Regensburger: „Ich fordere die Bürger auf, zu bedenken, dass bei der Wahl 2014 nicht wieder Verhältnisse eintreten dürfen wie zwischen 1990 und 1996 – mit Regenbogenkoalitionen, die dann sehr schnell in Nicht-Koalitionen enden.“
In diesem Zusammenhang kritisierte er auch eine Aussage von Joachim Wolbergs (SPD): Wenn ein möglicher OB-Kandidat im Presseclub erkläre, er werde die Wirtschaftspolitik so fortsetzen wie bisher und gleichzeitig in der Sozialpolitik dafür sorgen, dass möglichst viele Wünsche erfüllt werden, passe das nicht zusammen. Schaidinger: „Wer wirtschaftlich erfolgreich sein will, müsse in anderen Bereichen auch mal Nein sagen können.“