Regensburg 09.10.2012, 17:05 Uhr

NS am Auto ist ab sofort tabu

Das Landratsamt Regensburg setzte das Kürzel auf die Liste verfänglicher Kennzeichen. Eine Anfrage der MZ hatte die Behörde wach gerüttelt.

Ein Auto mit dem fiktiven Kennzeichen R-NS 01: Das Kürzel NS ist seit Dienstag im Landkreis Regensburg nicht mehr verfügbar. Eine MZ-Anfrage hatte die Behörde sensibilisiert. Foto: Lex/Montage: MZ-Infografik

Ein Auto mit dem fiktiven Kennzeichen R-NS 01: Das Kürzel NS ist seit Dienstag im Landkreis Regensburg nicht mehr verfügbar. Eine MZ-Anfrage hatte die Behörde sensibilisiert. Foto: Lex/Montage: MZ-Infografik

Von Marianne Sperb, MZ

Regensburg. Wer in Regensburg sein Auto zulassen will und als Wunschkennzeichen zum Beispiel R-SS 204 angibt, bekommt einen Korb: „Nicht verfügbar“ heißt die Antwort auf der Homepage der Stadt. Das Kürzel „SS“ ist tabu; es ist als Abkürzung für Hitlers Verbrecherorganisation gesetzlich geächtet. Ebenfalls ausgeschlossen sind die Buchstaben-Kombinationen „SA“, „KZ“, „NS“ und „HJ“, alles Kürzel, die in Neonazi-Kreisen als Erkennungszeichen dienen.

„Wir geben keine verfänglichen Buchstaben-Kombinationen für Kennzeichen aus“, sagt Alfred Santfort, Chef des Amts für öffentliche Ordnung und Verkehr. „Das praktizieren wir seit vielen Jahren.“ Grundlage, so der Behördenleiter, ist eine amtliche Verlautbarung des Bundesverkehrsministeriums, die bereits in den 1960er Jahren ergangen war.

Die Kürzel „SA“, „SS“, „KZ“ und „HJ“ auf Kennzeichen sind auch bei der Zulassungsstelle für den Landkreis nicht verfügbar. Die Buchstaben „NS“ allerdings gab die Behörde bisher ohne weiteres aus. Seit Dienstag ist das anders. Das Landratsamt hat gestern mit sofortiger Wirkung auch „NS“ auf die Tabu-Liste gesetzt und auf der Homepage die beiden Buchstaben für die Bestellung von Wunschkennzeichen gesperrt. Auslöser war eine Anfrage der Mittelbayerischen Zeitung.

„Wir sind jetzt sensibilisiert“

Ein Auto mit dem Buchstaben „R-NS“ und einer Zahlenfolge, die in rechtsradikalen Kreisen beliebt ist, brachte den Stein ins Rollen. Die MZ hakte bei beim Landratsamt nach. Die Anfrage ergab: Die Behörde hatte bis dato zwar eine Weisung des Bundesverkehrsministeriums von 1981 umgesetzt, die Kürzel „SS“, „SA“, „HJ“ und „KZ“ für Kennzeichen zu sperren. Eine zusätzliche Empfehlung des Ministers von 2010, auch auf die Vergabe der Buchstaben „NS“ zu verzichten, blieb aber bisher unberücksichtigt, wohl aus Gedankenlosigkeit oder weil die E-Mail aus dem Ministerium ignoriert wurde. „Wir sind jetzt sensibilisiert“, sagte Pressesprecher Markus Roth.

 

Umfrage - Ergebnis

 
 
 
 

Mittelbayerische.de Logo