Nachrichten aus dem Landkreis Regensburg 03.02.2012, 17:21 Uhr

Rathaus für den Vize tabu?

Vorwurf Illoyalität: Der Alteglofsheimer Bürgermeister Helmut Stiegler bricht mit seinem Stellvertreter.


        Will seinen Stellvertreter nicht mehr im Rathaus sehen: Alfred Stiegler Foto: MZ-Archiv

Will seinen Stellvertreter nicht mehr im Rathaus sehen: Alfred Stiegler Foto: MZ-Archiv

Von Stefan Schwarz, MZ

Alteglofsheim. Eisiger als die aktuellen Minusgrade ist derzeit nur das Klima zwischen den beiden Alteglofsheimer Bürgermeistern. So verwundert es kaum, dass deren Diskrepanzen auf Antrag der Freien Wähler Gleichberechtigung (FW) Topthema der Gemeinderatssitzung wurden.

Aufgrund einer Bronchitis wurde Bürgermeister Helmut Stiegler (CSU) im Januar zwei Wochen krankgeschrieben. Wie dies in solchen Fällen üblich ist, übernahm sein Stellvertreter Herbert Heidingsfelder (FW) in dieser Zeit alle Termine. Darunter fiel auch eine Sitzung der Verwaltungsgemeinschaft, auf der das Thema „Trauungen im Schloss“ diskutiert wurde.

Bei der entsprechenden Abstimmung verhielt sich Heidingsfelder jedoch nicht wie von Stiegler vorgesehen. Dadurch kippte der von Stiegler eigentlich befürwortete Antrag. Darüber erbost erteilte der Bürgermeister seinem Stellvertreter Rathausverbot: „Du brauchst dich im Rathaus nicht mehr blicken lassen!“ Diese Äußerung nahm Heidingsfelder nun zum Anlass seiner Kritik. Er verstehe nicht, dass man sich „aus persönlichen Gründen zu so was herablassen“ kann. Stiegler beurteilt dieses Verhalten jedoch nüchtern. Er hält es für eine Selbstverständlichkeit, dass man so abstimmt, wie der 1.Bürgermeister, wenn man ihn vertritt.

Dies habe Heidingsfelder nicht. Auch das Rathausverbot, das FW-Fraktionschef Bernhard Steinberger erschrocken zur Kenntnis nahm, hält Stiegler für nötig. „Wenn du hier arbeitest, kann dir das niemand verwehren, aber sonst: Verschone mich!“, so Stieglers deutliche Worte an seinen Stellvertreter.

In den Gesichtern vieler Gemeinderäte ließ sich nach diesem Wortgefecht eine Mischung aus Schock und Entsetzen ablesen. So war Norbert Holz (Freie Christliche Wähler) der erste, der den beiden Bürgermeistern bescheinigte: „Hier fehlt es ganz weit!“ Dieser Aussage konnte auch Stiegler zustimmen – über eine Änderung der Zustände verlor aber niemand ein Wort. Die Fronten blieben auch nach der Aussage von Angelika Hußnätter (Freie Christliche Wähler) verhärtet. Sie ermahnte die Beteiligten, einander die Arbeit so einfach wie möglich zu machen. Versäumnisse dabei sah Stiegler nicht. Für ihn seien weitere Information nicht nötig gewesen. Josef Schambeck (CSU) und Reinhard Lichtenegger (SPD) hatten genug gehört. Während der eine an die Würde des Amtes appellierte, stellte der SPD-Abgeordnete einen Antrag auf Ende der Diskussion im öffentlichen Teil. Diesen Antrag befürwortete eine knappe Mehrheit des Gremiums.

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