Detektiv praktizierte als Arzt
Thomas Kindermann (34) soll in seiner Neutraublinger Wohnung Patienten behandelt haben. Die Zahl der Betroffenen ist noch völlig unklar.
Neutraubling. Ein düsterer Durchgang unter einem Treppenhausturm, aufgebogene und zerbeulte Briefkästen, teils mit Vorhängeschloss versperrt, so sieht das Haus in Neutraubling aus. Am Hauseingang eine Feuertür und mehrere Papiertonnen, in der Nähe ein Second-Hand-Shop sowie seit längerem leerstehende Ladenräume. Im ersten Stock des Hauses sind die Jalousien heruntergelassen. „Thomas Kindermann“ steht auf dem Klingelschild, und „Krones“. Der Maschinenbaukonzern hat hier seit Jahren Appartements gemietet. Hier wohnen Monteure, die in Neutraubling zur Schulung sind. Von einer angeblichen Arztpraxis ist an der Tür nichts zu lesen.
Krones brachte den Fall ans Licht
Dennoch gab es sie – in der Privatwohnung von Thomas Kindermann. Der 34-Jährige praktizierte dort als „Dr. med.“, nannte sich Privatarzt für Allgemeinmedizin, ohne eine Approbation vorweisen zu können. Noch ist unklar, ob und wie viele Menschen dadurch geschädigt wurden.
Bei Krones ist der falsche Arzt wohl als erstes aufgefallen. Emanuel Traumann, Leiter des Betriebsärztlichen Dienstes am Krones-Standort, hatte nach Werksangaben die Geschäfsleitung informiert, dass sich der Mann in einem sozialen Netzwerk als für den betriebsärztlichen Dienst und für die Krones-Betriebskrankenkasse arbeitend ausgab. Der Konzern habe postwendend juristische Schritte eingeleitet, berichtet Konzernsprecherin Danuta Kessler-Zieroth. Möglicherweise ist Kindermann, der zuvor als selbstständiger Detektiv und Kraftfahrer arbeitete und eine Zeit lang arbeitslos war, dadurch erst aufgeflogen.
Dienste übers Internet angeboten
Seit Ende 2011 ermittelt die Polizei in der Sache. Von einer Handvoll bisher bekannter Fälle, spricht Polizeisprecher Michael Rebele gegenüber der MZ. In einem Fall habe der 34-Jährige, der weder studiert hat, noch eine medizinische Ausbildung besitzt, eine „oberflächliche Untersuchung“ durchgeführt. Weil Kindermann seine Dienste auch über das Internet anbot, können die Ermittler nicht abschätzen, wie viele Menschen sich in die Hände des selbsternannten Arztes begaben. Noch immer findet man den 34-Jährigen mit seiner angeblichen Praxis im Netz. Unter Termine heißt es allerdings: „Dieser Arzt hat diese Woche keine Termine freigeschaltet.“





