Den Berg kunstvoll verwandelt
Die Künstler der Gruppe „Von wegen“ ließen sich in Regenstauf von der Natur inspirieren. Ihre Werke sollen zum Hinschauen anregen.
Regenstauf. Rot bemalt Günter Klobouk die Risse und Schrunden der Bäume, die Knicke in den Ästen, die Astlöcher, die Einkerbungen in der Rinde. Und markiert so einen blutroten Weg. Der schmale Pfad führt zum Kreuzweg auf dem Schlossberg in Regenstauf. Und an seinem Ende liegt ein Herz. Groß, lebensprall, grün. Klobouk, akademischer Maler, ein Künstler, hat es aus Brennnesseln geflochten, die er vom Wegrand gerissen hat.
Jetzt liegt es am Fuß der Stufen hinauf auf den Berg. Und Klobouk erklärt leise sein Werk: „Ich habe mir gedacht, ich hab’ vielleicht nicht das Herz diesen Kreuzweg zu entweihen.“ Und dennoch stört den Künstler am Christentum eines: die Überbetonung von Leid und Schmerz. Dem stellt er die Liebe entgegen. Die Liebe Christi, die Liebe der Menschen. Und hofft, mit seiner Installation, seinem grünen Brennnessel-Herzen einen anderen Blick auf den Leidensweg schenken zu können.
Und das ist Land Art, die Kunst, Kreatives, Neues, Verwandeltes aus der an einem Ort vorgefundenen Natur, der Landschaft erschaffen zu können. Metamorphosen. Doppelbödigkeiten. Mit denen ist die Gruppe „Von wegen“ einen wunderbar sonnigen, launigen Herbsttag oben auf dem Schlossberg und rund um die Tische und Bänke im Garten des Café-Restaurants befasst. Den Ort haben sie sich diesmal nicht selbst ausgesucht, sondern sind auf Einladung von Wirtin Lisa Hartl-Schmucker gekommen, die damit ihren Abschied vom Schlossberg einleitet. Und obwohl der Platz kein ganz einfacher ist – „er ist schon zu sehr besetzt“, sagt Architektin Sabine Angerer –, haben sich die Kreativen doch Einiges einfallen lassen, locken zum Schauen und Entdecken auf veränderten Wegen.
Unten am Hang hat Alois Biberger, Gärtner und Instrumentenbauer, kunstvoll einen Porsche aus Weidenzweigen und Lianen geflochten. Im Garten des Restaurants treibt Peter „Gecko“ Götz, Lehrer, Schreiner und Bühnenbildner, sein Eisen in den kiesigen Boden. In die Löcher stellt er seine Installationen aus Ästen und Baumscheiben, aus Bürsten, Korken und Federn. Währenddessen knotet Sabine Angerer rostrote Blätter seitlich an einen Stamm. Das wirkt, als würden kleine Flämmchen aus der grauen Rinde züngeln.





