Regensburg 27.04.2012, 11:45 Uhr

Laute Junggesellen werden zum Problem

Der KOS versucht, die Trupps in Zaum zu halten. Eine Firma hat den Abschied aus dem Single-Leben dagegen als Geschäftsidee entdeckt.


        Eine Gruppe Frauen feiert als „Germany’s next top wife“ Junggesellinnenabschied. Frauen sind mittlerweile die Hauptzielgruppe für Anbieter von Junggesellenabschiede. Foto: dpa

Eine Gruppe Frauen feiert als „Germany’s next top wife“ Junggesellinnenabschied. Frauen sind mittlerweile die Hauptzielgruppe für Anbieter von Junggesellenabschiede. Foto: dpa

Von Dominik Schleidgen, MZ

Regensburg. Andi muss das rosa T-Shirt tragen. Seine Freunde haben die Weißen bekommen. „Andi heiratet. Wir saufen weiter!“ ist in gelben Buchstaben auf die Shirts gedruckt.

Seit einigen Jahren überschwemmen Junggesellen und Jungesellinnen die Regensburger Innenstadt. In Gruppen ziehen sie am Wochenende durch die Altstadt. Die Braut oder der Bräutigam müssen kleine Aufgaben erfüllen. Aus Bollerwägen oder Bauchläden wird allerlei Schnickschnack verkauft – Liköre in kleinen Fläschchen, Süßigkeiten, manchmal Kondome oder Gleitcreme in Mini-Tuben. Der Erlös wird in den Kneipen zu Alkohol umgesetzt.

2008 wurde der Trend zum Boom

Etwa um das Jahr 2008 wurde der Trend in Deutschland zum Boom. Zu diesem Zeitpunkt hatte Marko Rösch den Abschied aus dem Single-Leben schon als Geschäftsidee entdeckt. Von Obertraubling aus betreibt Rösch gemeinsam mit seinem Partner Thorsten Vitzthum die Fun & More GmbH.

2006 registrierten Rösch und Vitzthum die Domäne www.junggesellenabschiede.info. Auf der Seite geben sie Tipps für Mottos und Spiele. Auf Wunsch vermitteln sie Reiseveranstalter, Limousinen-Vermietungen oder T-Shirt-Druckereien. Mittlerweile gehören der Fun & More GmbH noch weitere Internet-Seiten. Darunter auch die Seite www.junggesellinnenabschied.org – ein Portal exklusiv für Frauen. „Einen großen Teil unseres Umsatzes machen wir mit Junggesellinnen“, sagt Marko Rösch. Statt Bier gibt es Prosecco, die Logos auf den T-Shirts sind an Fernsehshows wie „Germany’s Next Topmodel“ oder „The Voice of Germany angelehnt“.

Frauen beim Feiern vorn

Die steigende Zahl der Junggesellenabschiede beschäftigen auch die Stadtverwaltung. Besonders wegen der Lärmproblematik würden die Trupps als ernsthaftes Problem wahrgenommen, schreibt die Presseabteilung auf Anfrage der MZ. Auch unter den Feiernden haben die Frauen die Nase vorn. Es gäbe häufiger Probleme mit Junggesellinnen, als mit Junggesellen, sagt der Leiter des Ordnungsamt, Alfred Santfort.

Dazu fällt dem Kommunalen Ordnungsservice (KOS) ein weiteres Phänomen auf: Zu den „echten“ Junggesellenabschieden kämen immer mehr „unechte“ hinzu. Den Gruppen versuchten unter dem Vorwand, dass einer aus ihren Reihen heirate, Geld zu „erbetteln“, mit dem der Rest der Partynacht bezahlt werden könne. „Wir versuchen mäßigend Einfluss zu nehmen“, sagt Santfort. Wenn das nicht helfe, könne der KOS eine Verwarnung wegen unzulässigen Lärm aussprechen. Der Verkauf aus den Bauchläden dagegen ist völlig legal. Sofern keine Fortsetzungsabsicht bestehe, gelte es nicht als Gewerbe, erklärt Santfort.


 

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